Nur noch mit Passionierten

Ein 4-Meter Banner

In diesen Tagen bin ich total mit dem College beschäftigt. Danke an alle, die mich schon moralisch und finanziell unterstützt haben bei den diversen Auslagen.

Ich bin immer wieder überrascht (nicht nur positiv) wie ernst man einen Job nehmen kann. Am Beispiel unseres Banners für den Eingang kann ich das gut erklären: designed habe ich das Banner und dann allen Lehrer:innen zum „Gut zum Druck“ gegeben. Leider sah der Elektriker-Lehrer erst als es schon gedruckt war, dass man Tailoring mit i und nicht mit y schreibt – ich habe wohl eher an Taylor Swift gedacht als an einen Tailor… also auch die Tailoring Lehrerin hat es nicht gesehen. Für mich als Perfektionistin ein harter Brocken. Enrico wollte dann noch schauen, ob es vielleicht noch nicht gedruckt war (d.h. obwohl der Drucker gesagt hatte, er habe es schon gedruckt könnte es durchaus sein, dass es noch nicht wirklich gedruckt war) aber klar: wenn es einen Fehler hat, dann ist es auch schon gedruckt… Zum Glück hat es für jeden Beruf auch ein Icon, das selbsterklärend ist. Wir haben besprochen, wie man es aufhängen könnte und ich wollte sogenannte „Eyelets“ also Ösen. Wegen der Länge des Banners (4 Meter) mindestens sechs oben und zwei unten an den Seiten um es mit Plastikseilen zu befestigen. Voller Stolz kam also Enrico angerauscht mit den Bürotafeln und dem Banner. Er rollte es auf dem Boden auf. Oha, Farbechtheit ist wohl kein Thema – aber egal: es sieht ziemlich gelb aus und damit bin ich schon zufrieden. Wie kriegen wir das jetzt da aufgehängt, denn die gebrachte Leiter ist um gefühlte zwei Meter zu kurz. Ach das ist kein Problem: Enrico und ein zweiter akrobatischer junger Mann klettern kurzerhand aufs Dach und befestigen das Riesenteil so gut es geht. Welches Hirni bei einem Viermeterbanner nur 3 Ösen machen kann und die 3. so etwas von NICHT in der Mitte muss ich mich echt fragen. Und ein bisschen frage ich mich natürlich auch, weshalb Enrico das nicht gesehen hat. The printer must have been in a hurry…

Auf jeden Fall hing das Ding jetzt mal – aber ich habe es schon kommen sehen: diese Ösen werden dem Wind nicht widerstehen und die eine Ecke war bereits am zweiten Tag ausgerissen. Also gab es am nächsten Tag die zweite Aktion aber heute redeten alle mit: was gibt es für eine Lösung? Wie können wir das organisieren? Vielleicht mit einem Holz? Ja aber wo kriegt man ein 4 Meter langes Holz her? Meine Empfehlung war also: eine 4 Meter 20 lange Aluminium-oder Eisenstange und wir nähen quasi einen Saum ins Plakat damit man nachher die Stange durchschieben kann. An beiden Enden einen Haken und dann hält die Sache. Und siehe da: nach viel Diskussion, Anrufen, Organisieren, nochmals klettern hängt jetzt das Banner und ich bin richtig stolz auf die gemeinsame Leistung.  Da vergesse ich schon fast wieder, dass Dominic das Sperrholz für den Kindertisch auf die falsche Seite des Holzkastens genagelt hat und zwar mit gefühlten Hundert Nägeln. An den Metallfüssen könnten sich die Kids aber verletzen und deshalb: zurück auf Feld 1: alle Nägel entfernen und die Platte auf der anderen Seite montieren… 

Bodenplatten für die Büros

Zwei der Büros waren noch nicht geplättlet und das musste jetzt auch organisiert werden. Es hatte leider am Wochenende nicht mehr gereicht für den Transport von Kilifi nach Marere, denn das Auto für die Mechaniker wäre unter der Last zusammengebrochen und selbst unser Leihauto hätte es nicht geschafft. Solche Platten sind extrem schwer und dazu benötigten wir ja auch noch 8 Säcke Zement. Wir mussten also auch noch einen Transport organisieren. Aber am Montag kam dieser an und die Arbeiter begannen schon am frühen Morgen mit dem Hämmern und Plättlen (worauf dann später die Türnmacher nochmals kommen mussten, da sie nicht einberechnet hatten, dass ja auch noch Plättli auf den Boden kommen…) 

Die IT Klasse hielt ihre Schule draussen ab und der Elektriker-Lehrer zügelte kurzerhand sein Pult und seinen Laptop auch nach draussen und arbeitete dort friedlich vor sich hin.

Warten, bis die anderen fertig sind

Aber Michael, der Näher, der sass einfach da auf dem Stuhl. Es war etwa morgens um 10 Uhr. Ich fragte ihn: “Michael how are you? What are you doing today?” (Ich wusste nämlich, dass Dama – die Nählehrerin – bereits eine ganze Menge Uniformen akquiriert hatte…) “I have to wait because they are doing the floor”. Aha – “and how long do you wait?” und die Antwort “Oh until about 2 o’clock”! Ich konnte es wieder mal kaum fassen, aber ich hatte eben schon den Verdacht, dass es so sei… Also sagte ich ihm, er soll sich ein Beispiel an Mr. Taura nehmen und sein Atelier auch in den Innenhof zügeln. Zumal er ja sowieso ohne Strom näht. Ohne meine Intervention hätte er tatsächlich von 10 Uhr bis 14 Uhr gewartet bis die Plättli gelegt gewesen wären… Jemand, er mich hörte versuchte zu erklären: but he just lost a relative… 

Dama – ein tolles Beispiel

Und eben diese besagt Dama ist ein Beispiel fürs Gegenteil: sie hat Ideen, sie klappert jetzt die Schulen ab – zu Schulbeginn ist das die perfekte Zeit, verteilt unsere schön gestalteten Flyer, akquiriert damit Aufträge für Uniformen und hat zig Ideen, was man noch machen könnte. Mit dem eingesparten Geld, weil sie für die Stühle gut verhandelt hat, hat sie eine ganze Menge Spielsachen für die Kinder eingekauft und weil sie noch Stoff übrig hatte nähte sie Schürzen für die Coiffeusen und bedruckte die erst noch mit Marere College.

Dabei hat sie immer gute Laune und versprüht eine Lebensfreude, die ihresgleichen sucht. Dass sie 4 Schulkinder hat und ihren Mann in die Wüste geschickt hat weil er immer betrunken war hat sie einmal erwähnt und dann nie wieder. Und ich merke: genau mit solchen Leuten möchte ich mich umgeben. Nicht mit Motzer:innen, Verlanger:innen, Bettler:innen, Miesepeter:innen, Bschiesser:innen, Eifersüchtler:innen sondern mit Freudestrahler:innen, Innovator:innen, Unterstützer:innen, Philosoph:innen, Tüftler:innen, Positivdenker:innen, Mitfreuer:innen und Anpacker:innen. 

Darauf freue ich mich und mit ihnen zusammen gestalten wir hier etwas Gutes und Neues und Spannendes. 

#doitwithpassion #lovewhatyoudo

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2 Kommentare zu «Nur noch mit Passionierten»

  1. So läss, was da alles entsteht mit deiner Unterstützung… und unter deinem Zepter.
    Die Begrüssung an der Wand kommt mir bekannt vor😅! Würde ich morgens gerne Mäuschen spielen und zuhören.

    1. Ah du meinst das «Grüezi» an der Wand? Unsere zwei Zimmer hier im College sind halt sehr zusammengewürfelt mit Möbeln aus der Nairobi Wohnung (eher citymässig) und von Peter’s altem Haus (mit Holzwürmern)… ich hoffe immer noch auf mein eigenes Haus – die Chancen stehen gar nicht so schlecht…

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