Zwischen Celebration und Thriller

Seit dem 20. Januar haben wohl alle Blogleser:innen mitgefiebert. Wann wird sie das blaue Kleid nicht umsonst angezogen haben? Und die Geduld von allen wurde arg strapaziert. Aber wer meine Stories auf Instagram und Facebook gesehen hat weiss: das muss jetzt endlich gut rausgekommen sein.

Noch mehr Hürden

Vorher hatten wir aber noch mit einigen Hürden – vor allem finanzieller Art – zu kämpfen. Das Auto musste ja nach Nairobi zurücktransportiert werden, weil es sich gar nicht mehr bewegte. Durch das neue Getriebe und alle neuen Teile wurden die alten Kolben so arg strapaziert, dass sie den Geist aufgegeben haben. Somit mussten vier neue Kolben gekauft werden und das ist einerseits kein einfaches Unterfangen, was die Beschaffung der Dinger anbelangt und dann natürlich auch ein grosser Kostenfaktor. Ich glaube, es kamen immer noch kleine Dinge dazu und nachdem der Geburtstag des Sohnes gefeiert wurde und alles sauber installiert wurde musste nochmals alles getestet werden. Und so meldeten sie dann am letzten Freitag definitiv, dass sie sich auf den Weg machen würden und zu dritt kommen würden.

Ein ganz blaues Kleid

Ich zog zwar das durch und durch blaue Kleid an, aber ich versuchte immer wieder zu mir selbst zu sagen: lass die Hoffnung mal noch auf Sparflamme, freue dich nicht zu früh und ich war auch ganz froh, dass John und ich uns den ganzen Tag um die Marketing Strategie, die Buchhaltung des Marere College und das Ändern der Passwörter kümmern konnten. So waren wir wenigstens abgelenkt. Als es dann 19.00 Uhr, 20 Uhr, 21 Uhr wurde kam schon wieder ein bisschen Nervosität auf. Peter hielt sich mit Anrufen auch zurück, aber dieses Mal hatten wir dem Mechaniker Geoffrey eingetrichtert, dass er einen regelmässigen Positions-Update senden soll, das Kabel mit dem Ladegerät einpacken soll und uns auch noch die Nummer eines zweiten Mitfahrers geben soll damit wir ihn sicher nicht mehr verlieren auf der Strecke.

Keine Geduld mehr

Ein Anruf ergab dann, dass sie viel später abgefahren seien und es schon ziemlich spät in der Nacht werden würde bis sie in Marere ankommen würden. Es gibt natürlich spät und spät. So etwa um 23 Uhr riefen sie an, dass sie nochmals tanken müssen und ich schob nochmals CHF 70 nach, nachdem Peter am Morgen bereits CHF 250 investiert hatte… Sie wollten ursprünglich bis Mombasa weiterfahren und dort übernachten um dann das Auto am Morgen zu bringen, aber da protestierten wir vehement dagegen. Jetzt ist das Auto in der Nähe, jetzt gibt es kein Warten mehr. Selbst unsere Geduld ist irgendwann mal aufgebraucht!

Da ich eine Rückmeldung von meinem Mpesa Konto erhielt, dass sich die Tankstelle in Mariakani befand wollte ich ungefähr ausrechnen, um welche Zeit sie wohl ankommen würden. Wir hatten aber den ganzen Tag schon Probleme mit dem Internet und so konnte ich nicht einmal herausfinden, um welche Zeit ich einen Freudeschrei ausstossen kann.

Big Game

Zum Glück begann gerade um 23.15h der Film „Big Game“. Ein finnischer Film über das Initiationsritual eines 13-jährigen Jäger-Jungen, der den abgestürzten amerikanischen Präsidenten (gespielt von Samuel Jackson) in der Wildnis von Finnland findet und beschützt. Ich habe mich tatsächlich köstlich amüsiert und war dadurch abgelenkt. Pünktlich mit dem Abspann hörte ich das Glucksen (das ist bestimmt der Diesel der da runtergeschluckt wird) unseres geliebten Toyota Landcruisers. Neu gespritzt in der Originalfarbe, mit leuchtenden Leisten beim Einstieg, mit fancy Lichtern, die leuchten wie ein Weihnachtsbaum, mit beigen Lederpolstern und mit einem krassen Display für Musik und Video. Zur Feier des Tages liessen sie „Celebration“ laufen und das war es dann auch: eine richtige Celebration mit einem Volumen, das eine Disco betreiben könnte. Auch wenn es bereits 01.20 h war so mussten doch alle Details gezeigt werden, die Musik auf Volltouren laufen gelassen werden und dann auch noch „Thriller“ von Michael Jackson gezeigt werden mit diesem krassen Anfang die Freundin dermassen schreit, als sich der scheue Michael in einen Werwolf verwandelt…

Meine Stimmung war auch irgendwo zwischen Celebration und Thriller aber ich hatte wahnsinnig Freude, dass das „Beast“ endlich in Marere gelandet war. Und ich freute mich so für Peter, der mit dem kleinen Probox seine ganze Wahlkampagne gemacht hatte und an einigen offiziellen Anlässen damit sehr schräg angeschaut wurde, während alle anderen hohen Tiere eben auch mit hohen Autos anrauschten. Aber so etwas lässt Peter (und auch mich) einfach kalt. Der Wert eines Menschen hängt definitiv nicht von seinem Auto ab.

Der Anfang hat halb Jaribuni geweckt

Mbuche mussten wir nochmals wecken – sie war schon vorgewarnt worden, dass sie noch Chapati und Bohnen für drei hungrige Herren bereithalten sollte. Ich selber hatte selbstverständlich den Prosecco in den Kühlschrank gestellt (ich schwöre, es ist ein Zufall, dass die Etikette blau ist) und Peter hatte einen Rüeblikuchen aus Naivas mitgebracht.

So sassen wir also draussen am Tisch und teilten „Räubergeschichten“ über Autos, Autofahrten und allerlei Missgeschicke. Es war klar, dass sie jetzt nirgends mehr hinfahren würden und weil Mohammed weg war musste Mbuche die Betten in seinem Zimmer herrichten. Sie tat mir echt leid, denn es war jetzt schon 02.30 h morgens und sie ist nicht so eine Nachteule wie ich. Also half ich ihr die Betten anzuziehen, aber wir mussten zuerst Dominic wecken, der von innen abgeschlossen hatte. Einer der Bettbezüge war dermassen zerlöchert, dass ich sie nochmals zurück schickte aber ansonsten war sie sehr dankbar, dass sie das nicht alles alleine machen mussten. Zwei der Mechaniker packten wir aufs Doppelbett und einer konnte auf der neu gekauften Kindermatratze schlafen. Anstatt Moskitonetz gab es die restliche Dose „Doom“ Mückenspray und ich lieh noch meine Kopfkissen aus, da ich auch gut ohne schlafen kann und nach einer erfrischenden Dusche schliefen die Herren – und auch Peter und ich – sehr sehr glücklich und fast bewusstlos ein.

Auch am Tag danach sieht noch alles gut aus, auch wenn dann die kleinen Schönheitsfehler, die beim Spritzen entstanden sind sichtbar sind. Als sie nach einer Nadel fragen frage ich zurück: wozu? Das Wasser für die Scheibenputzanlage kommt nicht raus. Sie stochern rum bis ich sage: seid ihr sicher, dass es genügend Wasser drin hat? Oups, da wird ein Leck entdeckt, das Peter aber bereits vorher schon kannte und das noch repariert werden muss. Die blauen LED Lampen beim Einstieg haben sich über Nacht schon wieder gelöst und dafür braucht es jetzt Silikon um es zu befestigen und es werden bestimmt noch ein paar kleine Überraschungen auftauchen – aber im Grossen und Ganzen klingt die Karre wunderbar in meinen Ohren.

Die Reise geht weiter: mit einem wunderschönen Auto, das fast zu schade für den Busch ist…

Danke fürs Mitfiebern, danke für die unterstützenden Worte und auch wenn es ein Vermögen gekostet hat: dieses Auto dürfte uns noch einige Jahre dienen und wird bestimmt der „Talk of Jaribuni“ sein, wenn es erst mal auf der Strasse ist. Zudem hat es dem Mechaniker einen Job im Kilifi County Government beschert und somit sind wirklich alle überglücklich. Ich hoffe, das ist das Ende dieser Story…

#jaribunibeast #celebration #thriller

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