Magst du Kinder?

9 Kinder finde ich zuviel

Was für eine Frage… Ich kenne viele Leute, die sich nie getrauen würden zu sagen, dass Kinder nicht so „ihr Ding“ sind. Ich habe wohl schon ab und zu Mal gesagt, dass ich jetzt nicht gerade gugu gaga werde, wenn ich kleine Kinder sehe. Herzig, aber dann auch nicht viel mehr. Ich sehe, dass sie die Zukunft sind und ich behandle sie sehr respektvoll und ab und zu berührt ein Kind auch wieder mal mein Herz, weil es einfach zu schnüsig und zu härzig ist. Aber ich kann junge Frauen verstehen, wenn sie keine Kinder haben möchten und ich nerve mich manchmal, wenn die Leute hier, 7,8,9 Kinder haben und keinen Rappen in der Tasche. Denn 9 Kinder = 9 Möglichkeiten für Gefahren, Krankheiten, Probleme. Auch in meinem Freundeskreis haben einige Freundinnen einfach die obercoolsten Kinder und ich habe richtig Spass mit ihnen zu spielen, mit ihnen zu Lachen und somit auch selber wieder Kind zu werden. Und „meine“ beiden Kinder sind sowieso die Grössten und ich verdanke ihnen so viel in meinem Leben. 

Aber dies nur als Vorgeschichte, weil ich mit einem lauten Lachen reagiert habe als sie mir beim ersten Lehrergespräch sagten, dass es vielleicht schon noch gut wäre, wenn wir einen Kinderhort hätten. Ja und was darf es sonst noch sein: ein Whirlpool, eine Kantine, ein Fussballplatz? Ich war am Kämpfen ums Überleben des Colleges und hier fragen sie schon nach Luxusproblemen. 

Mindestens sieben Kinder

Am 1. Tag als das College anfing wurde mir klar: es sind mindestens sieben Schülerinnen, die Kinder haben, denn das war deutlich hörbar. In den Ausbildungen zur Hairdresserin und zur Näherin kamen sie auf diese schöne Zahl. Altersmässig von ein paar Monaten bis etwa 3 Jahren. Sie konnten das Kind nicht zuhause lassen, denn auf die Männer ist hier leider nicht besonders Verlass (wenn sie überhaupt zuhause sind) und die meisten Mütter waren ja sowieso noch am Stillen. Zudem laufen sie zum Teil ja richtig weit um ins College zu kommen. Ich überlegte mir schon, wo wir denn so etwas machen könnten. John meinte, das sei doch einfach: ein paar Matten unter einem Baum und jemand, der auf sie aufpasst. Ich dachte schon, da müsse man vielleicht einen Bereich einzäunen aber das fand niemand für notwendig. Und bei den Gräbern hinter der Bäckerei fand Peter, dass das doch auch nicht ganz angebracht sei: von der Wiege zum Grab – keine schöne Vorstellung, auch wenn die Gräber noch gute Klettergerüste wären.

Plötzlich war ich von der Idee angefixt jetzt doch ein bisschen Geld in diese Idee zu investieren. Und je mehr wir diskutierten, umso mehr gefiel mir die Idee, auch etwas für die jungen Mütter zu machen. Unter dem Strich bedeutet es ja auch: entweder haben wir die sieben Schülerinnen am College oder sie bleiben zuhause und das wäre für alle Beteiligten nicht besonders gut

Das Haus der Mutter für Mütter

Ich bestimmte, dass der Eingang vom Haus, das Peter einst für seine Mutter gebaut hatte, optimal wäre um die Kids genügend weit weg vom College zu haben und doch nahe genug, wenn mal eines „Heimweh“ hätte. Es rannten zwar jede Menge Hühner herum aber das wurde als unproblematisch erachtet. Die Antwort war: die Kinder spielen mit den Hühnern und die Hühner mit den Kindern. Zudem war ja dort auch das Haus von Alex und seine drei Kinder würden bestimmt auch viel Spass damit haben. Der Vorraum war gedeckt und bot genügend Platz für die Kleinen. Peter überzeugte ich von meiner Idee mit dem Hinweis, dass sich seine Mutter bestimmt freuen würde, wenn sie wüsste, dass ihr Haus jetzt ein Kinderhort wird. 

Die Shoppingliste war schnell gemacht:

Eine grosse Matte
Zwei kleine Matratzen
Wimbi (eine Art Porridge)
2 Becken
4 kleine Stühle
Thermoskrug
Bunte Becher
Farbe (pink und gelb)

Was ich nicht berücksichtigt hatte: hinter all dem „Gschtelasch“ war auch noch ein Wasserbehälter, der aber riesengross war. Aber plötzlich waren alle so enthusiastisch, dass hier eine Kinderkrippe entsteht, dass alle mithalfen, das Wasser in den grossen Tank zu tragen. Wir stellten einen Fundi an, der den Boden schön malte und mit Zement eben machte. Die Hühner liessen sich leider nicht davon abhalten, ihre Spuren zu hinterlassen, denn hinter der Türe befindet sich die Mais-Vorratskammer und das wäre ein gefundenes Fressen für die Tiere. Aber so Hühnerfussabdrucke auf einem Kinderhortboden sehen noch ganz hübsch aus. Es gibt aber auch etwas, das ich nicht so hübsch finde…

Entweder heute oder nie mehr

Ich hatte den Maler gefragt, ob er nicht zuerst die Wände malen wolle: nein nein, das sei kein Problem, wenn der Boden zuerst gemacht werde. Ich warnte ihn: ich will keine Spritzer auf dem neuen Boden, er müsse alles abdecken. Und anscheinend hatten ihm das Peter und Dominic auch gesagt, aber was er dann bot machte mich butzhässig. Einfach gepfuscht hat er, den ganzen Boden wieder vollgetropft, schräg gemalt und weil er zu faul war um zuerst die Ränder zu malen nahm er nur den Roller und kam somit nicht bis an die Ränder. Ich tat meine Meinung kund und fragte ihn nach einer Lösung. Er versprach, den Boden nochmals neu zu malen, verschob es dann aber vom Samstag auf den Sonntag und ich wollte unbedingt am Montag mit der Neuigkeit der Kinderkrippe parat sein. Am Sonntag hiess es dann, er sei in der Kaya, weil dort ein Fest stattfinde. Jetzt kam aber Mama Kaya in Fahrt: ich notierte mir die paar Sätze, die ich ihm sagen wollte und fing zuerst am Telefon mal auf Englisch an. Ja, ja er würde dann am Montag kommen und meine Antwort war: entweder kommst du heute oder gar nie mehr. Und glaube ja nicht, dass du je wieder einen Auftrag erhältst von mir. Nicht einmal, wenn ich ein grosses Haus bauen werde (was ja durchaus mal der Fall sein könnte…). Von mir hat er auch keinen Cent für die Pfuscharbeit gekriegt, aber ich glaube Peter liess sich dann doch noch erbarmen und hat ihm die Hälfte des verlangten Preises bezahlt.

Aus alten Gestellen aus dem Container machten wir einen Tisch und ein Aufbewahrungsgestell. Also es wurde dann ein Tisch, als Dominic die falsch aufgenagelte Platte wieder auf die andere Seite genagelt hatte… Er hatte schon wieder vergessen, auf welche Seite die Spanplatte kam. Ich vergass dann aber die Holpersteine und war total happy mit dem Resultat und die Nachbarskinder ebenfalls. Für KES 4‘000 (ca. CHF 35) im Monat stellen wir eine Nanny an und sie kümmert sich um die kleinen Kids und ist froh über die neue Anstellung. Die ersten beiden Wochen haben schon ganz gut funktioniert und ganz selten hört man jetzt noch ein Kind schreien in den Klassenzimmern.  Dama hatte für die neu gekauften Stühle gut verhandelt und mit dem gesparten Geld hat sie gebrauchte Spielsachen gekauft, mit denen die Kleinen jetzt begeistert spielen. Die Aufbewahrungsschachtel wurde bereits zum Auto umfunktioniert und die Schaukel macht grossen und kleinen Kindern Freude.

Die Mütter sind überglücklich: in der Pause und über den Mittag können sie die Kinder stillen und es herrscht Friede, Freude, Eierkuchen. Ich wurde allerdings schon vorgewarnt: wenn das mal die Runde macht werden wir noch mehr Mütter mit ihren Kindern hier haben. Mir soll‘s recht sein – diese Mütter haben eine gute Ausbildung verdient und es ist gut möglich, dass ihre Kinder dadurch auch eine bessere Zukunft haben.

Ich bin grad sehr sehr glücklich über meine revidierte Entscheidung und auch darüber, wie alle mitgeholfen haben und ihren Beitrag geleistet haben.

Ach was habe ich Kinder gern!!!

Kinder halten uns nicht von Wichtigerem ab. Sie sind das Wichtigste.

C.S. Lewis Schriftsteller

#childrenarethefuture #ilovechildren

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1 Kommentar zu «Magst du Kinder?»

  1. Danke für deinen tollen und interessanten Blog! Auch ein schönes Zitat von einem meiner Lieblingsschriftsteller. Hier noch ein anderes passendes, welches ich kürzlich gelesen habe:
    „ Wenn du ein Kind siehst, hast du Gott auf frischer Tat ertappt!“ (Martin Luther)
    Ganz liebe Grüsse dir und viel Erfolg deiner tollen Arbeit!

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