Wer hat Angst vor der weissen Frau?

Es ist so lustig zu sehen, wie unterschiedlich die Kinder auf mich als Muzungu reagieren. Interessant ist es auch, dass es extrem auf das Alter ankommt. Mein kleiner Sonnenschein Samuel war so herzig als Baby (also noch vor 5 Monaten): er hielt immer seine Arme offen, wollte immer bei mir kuscheln, war immer überglücklich, wenn er mich zu sehen bekam. Jetzt ist es damit vorbei. Er schaut kritisch, macht sich dann langsam daran, seinen Mund zu verziehen und dann folgt meistens ein Geplärr.

Mit Kilian war das von Anfang so: er schrie und brüllte, wenn ich ihm auch nur in die Nähe kam und wir machten uns wirklich schon fast einen Spass daraus. Ich versuchte bereits im Januar, ihm näher zu kommen aber ich hatte keine Chance. Es ist so, als ob er in mir eine weisse Dämonin gesehen hätte. Er konnte sich schon fast nicht mehr beruhigen.

Als ich aber an die Graduation Party von Priscila ging war es etwas kompliziert: er erkannte natürlich sofort wieder, dass dieses Ungeheuer jetzt wieder auf ihn zukam und er hielt sich am Rockzipfel seiner Mutter. Nur gehörte diesem Ungeheuer auch das Auto, in dem er zusammen mit seiner Mutter fahren wollte und so mussten wir alles Mögliche erfinden, damit er nicht mehr brüllte. Wenn ich ihn nicht anschaute und er sich bei seiner Mutter auf dem Hintersitz verstecken konnte, dann klappte es einigermassen. Aber nachher beim Mittagessen mussten wir einen Trick herausfinden, wie man ihn beruhigen konnte. Gemäss Priscila haben sie ihm erklärt, dass er nicht weinen dürfe, denn diese Muzungu sei eine extrem intelligente (smarte) Person und er müsse immer lächeln, wenn er sie sehe! Irgendwie begann es zu funktionieren: er strahlte mich an und es gab sogar ein bisschen Winkewinke aus der Ferne. Zurück im College brüllte er immerhin nicht mehr los und ich konnte ihn dann mit ein paar Schokolädchen versöhnlich stimmen. Er kommt immer näher und näher und ich bin mir fast sicher: bis Ende August habe ich einen neuen Freund hier. Kilian, rafiki yangu… und auch bei Samuel werde ich daran arbeiten und versuchen, sein Vertrauen wieder zu erlangen (vielleicht sogar ohne Bestechungsmaterial wie Schokolade).

Ich habe mir auch überlegt, wie das mit weissen Schweizer Kindern so ist: haben die auch erst Mal Angst vor schwarzen Menschen? Ich glaube, das ist ganz unterschiedlich und hängt von der Erziehung und vom Umfeld ab. Der Sohn von Olivia zum Beispiel hatte schon immer eine riesengrosse schwarze Puppe zum Spielen und er ist bis heute ein grosser Fan von Peter. Noch nie hatte er Angst vor ihm – ganz im Gegenteil. Er – und neustens sogar sein kleiner Bruder sind ganz und gar aufgeregt, wenn sie den „Schwarzen Peter“ sehen. Es leben die Unterschiede.

Auch hier in Kenia waren die Kinder von Alex, der ebenfalls hier in Marere lebte, vollkommen anders. Man hat ihnen gesagt: das ist deine Grossmutter (Nyanya) und das hat gereicht. Sie waren ja schon fast übertrieben anhänglich, wollten dauernd an oder noch lieber auf mir sitzen und wenn ich nachhause kam gab es schon ein Riesengeschrei: Nyanya Muzungu, Nyanya Blablabla, Mama Kaya und schon hingen sie wieder an mir. Aber darauf muss ich jetzt verzichten: die Mutter wurde nach Kilifi befördert und arbeitet nicht mehr an der Marere Primary School und somit sind auch meine „Grosskinder“ nicht mehr täglich zu knuddeln. Und mit den 20 – 27-jährigen Marere College Student:innen geht das natürlich nicht mehr.

Nyanya

Aber irgendwoher sind zwei Katzen aufgetaucht. Ohne jetzt einen grossen Streit zu beginnen: ich bin nicht so die Katzenfrau aber ich überlege mir momentan schon, ob ich die eine nicht doch einmal streicheln soll. Süss sind sie irgendwie schon und ich müsste sie alleine schon als Belohnung dafür streicheln, dass sie die Ratten fernhalten… Denn davor habe ich Angst…

#fearofmuzungus #annäherung

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