Eine heisse Nacht

Manchmal realisiert man, an was für einem dünnen Faden das Leben hängt. Wir hatten schon viele Probleme mit der Elektrizität in Marere, da die Elektrizität vom Staat immer wieder Fluktuationen hat. Wir haben schon einige Laptops und andere elektrische Geräte deswegen verloren bis wir dann ein Zwischenstück eingebaut haben, das die Fluktuationen ausgleicht. Das Ding ist fast den ganzen Tag am Rattern aber seither hatten wir nie mehr Probleme.

Ich habe mich ja immer über den elektrischen Wasserheizer von Peter lustig gemacht, weil ich auch gut kalt duschen kann, ja es sogar angenehm empfinde bei diesen Temperaturen. Aber zugegebenermassen: momentan ist es nachts oft kühl und das Haare waschen ist definitiv angenehmer, wenn das Wasser etwas wärmer ist. Unser Gerät war kaputt und wir hatten temporär eines der Geräte aus einem Gästezimmer installieren lassen. Unser Gerät wurde repariert. Ich meinte noch zu Peter: sollen wir nicht besser ein Neues kaufen? Aber er fand, dass wir das gesparte Geld für etwas anderes  einsetzen können, denn es gibt ja weiss Gott genügend zu tun und zu kaufen hier.

Also wurde das Gerät wieder sauber installiert von unserem Hauselektriker. Ok sauber ist das falsche Wort: der Hebel, mit dem man das Wasser zum Laufen bringt hat er nämlich verkehrt rum montiert. Ich habe mich noch lustig gemacht darüber, denn sogar ich als absoluter Laie (was ist eigentlich das weibliche Wort für Laie?) habe es sofort bemerkt. Aber es war ja weiter kein Problem und das warme Duschen war angenehm.

Gerade als ich diese Woche auf dem Klo sass (sorry für die intimen Details) schaute ich mir die Installation an und dachte: ich mag die Kombination von Elektrizität und Wasser einfach nicht besonders – aber was soll’s : es funktioniert.

Jetzt kommt noch etwas Intimes: bei mir wurde vor einigen Jahren „Schlafapnoe“ diagnostiziert. Man hat das im Schlaflabor in Münsterlingen herausgefunden und ein sogenanntes CAP Gerät sollte mir Linderung verschaffen und meine Tagesmüdigkeit reduzieren. Ganz ehrlich: das funktioniert so so lala aber nachdem ich das Gerät vor zwei Jahren etwas frustriert retourniert habe, dachte ich diesen Frühling doch plötzlich, dass es vielleicht doch besser ist, wenn ich es benutze, denn meine Müdigkeit wurde fast unerträglich. Ich konnte das Gerät nicht einfach abholen sondern es begann wieder ein ganzes „Rösslispiel“ und mein Hausarzt musste mich an einen Pneumologen verweisen, bei dem musste ich einen Termin machen und dann musste ich mich wieder bei der Lungenliga für einen Termin melden. Dort hatte man einen 90 minütige Einführungssession für mich eingeplant. Die Explosion der Gesundheitskosten erstaunt über so viel Aufwand wirklich nicht. Die Dame bei der Lungenliga war aber äusserst freundlich und gleichzeitig konnte sie mit mir als Beispiel gerade noch eine Lernende einführen, was ich immer gut finde. Allerdings habe ich als Erstes zur Lernenden gesagt, dass sie mir besser nicht die Hand entgegenstrecken sollte bei der Begrüssung wenn draussen steht: bitte keine Begrüssungen durch Händedruck… So aber das war jetzt nur die Einführung zur ereignisreichen Nacht.

Ich habe dieses neuste Modell mit nach Kenia genommen. Es hat sogar einen Chip drin, der alle meine nächtlichen Nicht-Aussetzer beim Atmen dokumentiert und meldet. Ich finde es ein bisschen creepy aber es führt mindestens dazu, dass ich es sozusagen jede Nacht benutze weil ich mich kontrolliert fühle (und die Krankenkasse sonst irgendwann nicht mehr zahlen würde…). Den Schlauch muss ich jede Woche reinigen und das ist manchmal etwas kompliziert, denn zuerst muss ich ihn unter Laufendem Wasser reinigen, dann zum Trocknen aufhängen und wieder installieren. Gestern habe ich endlich dran gedacht, aber wir hatten fast den ganzen Tag keinen Strom = kein fliessendes Wasser. Also hing der Schlauch am Abend noch ungereinigt im Badezimmer. Ich dachte mir: ach was soll’s – eine Nacht ohne Gerät wird mich nicht umbringen. Dass es aber mein Leben retten würde, daran habe ich keinesfalls gedacht.

Wir gingen etwas spät ins Bett, da wir noch einen wichtigen Besuch hatten, fielen dann aber in einen tiefen Schlaf, denn der Tag war sehr anstrengend. So etwa um 02.30 h erwachte ich und meine Spürnase meldete mir: da stimmt etwas nicht, es riecht sehr sehr komisch im Badezimmer (und es waren keine Gase unter der Decke). Und das Geräusch kam mir allzu bekannt vor. Freunde von mir wissen, dass ich vor über 10 Jahren einmal fast mein Haus in Arbon abgefackelt habe mit meiner Weihnachtsdekoration. Auch damals hatte ich viel Glück und es blieb bei einem Efeubrand. Aber auch damals sass ich zuhause und dachte: habe ich einen Wasserbruch weil es klang wie Wasser und damals bemerkte ich dann das Feuer am ganzen Gebäude. Seither bin ich so sensibel auf Feuer. Selbst wenn eine Kerze auslischt gerate ich fast in Panik und frage sofort: brennt es irgendwo? Und meistens lachen mich die Leute aus und sagen: ach was, das war nur eine Kerze…  Aber letzte Nacht hat mich dieser Sinn gerettet und vielleicht auch noch alle anderen, die im Marere Community Center wohnen.

Ich bin aufgewacht und war sozusagen sofort hellwach. Dann dachte ich: weshalb rauscht denn das Wasser im Badezimmer und weshalb hat es dort Licht, obwohl Peter neben mir liegt? Ihr ahnt es: der Durchlauferhitzer war in Flammen aufgegangen und als ich reinschaute, waren die Flammen bestimmt schon einen Meter hoch und züngelten bereits bis zum Dach. Oh mein Gott! Ich rief Peter wach, er war sofort da und hat geistesgegenwärtig einen Kübel mit Wasser gefüllt (obwohl vielleicht nicht wirklich das, was wir im Feuerlöschkurs gelernt haben) diesen einfach auf den Brandherd geschüttet. Mein Herz pochte so schnell wie noch nie in meinem Leben. Ich hatte das Gefühl, mein Herz sei bis zum Hals hinauf gerutscht (immerhin nicht in die Hose) und mein Puls raste.

Der Gestank war unerträglich und der Rauch hing in Schwaden im Raum. Nachdem wir uns versichert hatten, dass nichts mehr brannte öffneten wir alle Fenster und Türen und beruhigten uns erst einmal. Wir sassen völlig gehyped auf dem Sofa und wir besprachen, was wir tun könnten. Eine Rückkehr ins Zimmer war undenkbar. Ich schlug vor, die beiden Beach-Chairs in das Wohnzimmer zu holen und dort drauf zu schlafen. Aber Peter verneinte wegen der Moskitos und sie waren auch schon in Scharen da und ich musste mich wehren um nicht an Malaria anstatt am Erstickungstod zu sterben… Für eine geraume Zeit sassen wir einfach im Schock und dann schlug ich vor, dass wir in eines der Gästezimmer übersiedeln. Wir wählten nicht gerade das Zimmer mit dem besten Bett aus: es quietschte und knarrte selbst beim ruhig liegen. Ich musste dann plötzlich einfach Lachen. Vielleicht aus Dankbarkeit, dass ich noch am Leben bin und vielleicht einfach auch, weil die Situation so unglaublich surreal schien. Aber selbst beim Lachen wackelte das Bett dermassen, dass ich fast aus lauter Angst, dass es zusammenkrachen könnte nicht mehr einschlafen konnte. Am Morgen dann, als ich aufstehen musste, hätte ich noch viel liegen bleiben können… das holte ich dann am Nachmittag nach bzw. auch das blieb beim Versuch, denn bei einem laufenden College-Betrieb mit fast 100 Personen ist es ein Ding der Unmöglichkeit. Und daher mache ich jetzt noch meinen Blog fertig und bedanke mich bei der ganzen Schar an Schutzengeln, die alle Umstände so miteinander verknüpft hatten, dass wir vom Schlimmsten verschont wurden. Irgendwie fühlt es sich momentan grad an, wie wenn ich ein neues Leben gewonnen hätte und selbst Mica in der Schweiz meinte: Schicksal! Schicksal, dass am Tag zuvor kein Wasser gab um meinen Schlauch zu reinigen, Schicksal, dass ich genau an dem Abend ohne Gerät geschlafen habe, Schicksal, dass ich einen so ausgeprägten Geruchssinn habe und Schicksal, dass Peter solche Situationen ebenso abgeklärt und souverän gemeistert hat wie ich. Es wurde uns ein neues Leben ge-schickt!

Das Feuer und Gottes Segen waren dann natürlich den ganzen Tag DAS Thema am College und ich glaube, nicht nur ich habe einen Schock erlitten sondern alle rundherum, die sich vielleicht überlegt haben: was wäre, wenn Mama Kaya und Hon. Peter Shehe nicht mehr hier wären. Mbuche kriegt einen Bonus, denn sie musste die ganze Sache reinigen, obwohl sie ja im Normalfall schon Allergien hat, wenn sie etwas putzen muss. Sie sah wirklich aus wie ein Gangster aber sie putzte ohne Murren mit Javel, was auch wieder etwas den beissenden Geruch killte. Der Tag ging rasend schnell vorbei, da wir auch noch Besuch von Peter’s Sohn Paul erhielten und Peter noch mindestens 60 Personen für den Besuch des Präsidenten vom nächsten Freitag organisieren musste. Also nicht viel Zeit zum Studieren, was hätte sein können…

Wir sind noch am leben und wir werden noch richtig viel Gutes damit anstellen!

#Iamonfire #babylightmyfire #schicksal

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1 Kommentar zu «Eine heisse Nacht»

  1. Ach du mini Güäti..🫢 was für ä Horrorgschicht und au i bi meeeega froh, händ ihr 2 das guät überstandä 💜

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