Karibu tena (welcome back)

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Dinge verändern sich wirklich in Kilifi County oder mindestens nehme ich es so wahr. Ich glaube sogar, dass sich die Dinge in Kenia verändern. Klar, dass ich nicht total objektiv bin, denn es sitzt der Präsident an der Spitze des Landes, den ich für den kompetentesten aller zur Auswahl stehenden halte. Und in Kilifi County ist ein Freund von Peter der Governor, wir kennen sämtliche Minister, das Member of Parliament von Ganze ist ein Freund von uns und Jaribuni hat den allerbesten MCA (Member of County Assembly), nämlich meinen Mann. Aber ich kann schon differenzieren und glaube daher wirklich an diese ganze Truppe.

Ruto ist extrem gescheit und er bietet auch mal dem französischen Präsidenten Macron die Stirn an einer internationalen Konferenz, wenn dieser die afrikanischen Staatsmänner einfach nicht als gleichwertig betrachtet. Denn genau das passiert an so vielen Konferenzen: man lädt zwar alle afrikanischen Länder ein, aber man behandelt sie von oben herab, man will gar keine wirklichen Lösungen, man will nur zeigen, dass man den armen, unterentwickelten Ländern Hilfe anbietet, womöglich noch „Entwicklungs“hilfe, ein Wort auf das ich auch ziemlich allergisch bin. Aber man begegnet ihnen nicht auf Augenhöhe. Das wird sich ändern müssen. Ruto setzt sich auch dafür ein, dass die Währung nicht an den USD gekoppelt ist und er spricht sogar von einer Einheitswährung für ganz Afrika, oder mindestens für Ostafrika. Wir Europäer und Amerikaner haben da schon manchmal eine sehr herablassende Art und Weise, Hilfe anzubieten. Im Umfeld von kleinen Hilfswerken nicht mal böse gemeint aber einfach mit der falschen Einstellung. Hilfe zur Selbsthilfe, das ist das einzige was funktioniert und das versuchen wir auch täglich durchzuboxen. Enabling finde ich auch noch ein gutes Wort: Die Leute befähigen, dass sie es können. Zugegebenermassen machen auch wir das mal mit mehr und mal mit weniger Erfolg. Ein kleines Beispiel aus dem College Alltag. Wir haben 11 Student:innen, die im Dezember eine Prüfung machen möchten in ihrem Beruf. Sie müssen sich bis heute anmelden und die Prüfungsgebühr sowie die Materialkosten schon jetzt bezahlen. Es handelt sich um ein total von KES 7500, was etwa CHF 50 entspricht. Ich könnte jetzt einen Aufruf starten, euch beten, dass ihr doch auch jemanden unterstützt und dann die Kosten sponsoren. Das wäre ein Aufwand aber vielleicht könnte ich sogar damit erfolgreich sein und das Geld zusammenbringen. Aber was wäre das für ein Signal: ich kriege gratis Ausbildung, gratis Essen und jetzt bezahlen sie mir auch noch für die Prüfungsgebühr und am Schluss vielleicht sogar noch für den Transport zum Prüfungscenter? Das sind falsche Signale. Also hatte mein Peter die glorreiche Idee, dass wir für die neuen Schulgebäude unsere Bausteine selber herstellen werden. Er stellt seinen Lastwagen für den Transport des Materials zur Verfügung, wir „betteln“ bei den Steinbrüchen für gratis Sand, wir kaufen Formen und Zement und dann helfen die 11 Schüler:innen mit, die Bausteine herzustellen in den Schulferien. Das nenne ich eine echte win/win Situation. Das aber wie gesagt nur ein kleines Beispiel aus unserem College Alltag.

Der Präsident hat momentan aber ein viel gröberes Problem, denn der ewige Verlierer Raila Odinga mit seiner Azimio Partei versucht, die Massen zu bewegen für Proteste. Raila macht Ruto dafür verantwortlich, dass momentan alles teurer ist, dass der Kenya Shilling an Wert verliert, dass das Benzin teurer geworden ist etc.  etc. Das stimmt zwar, aber es ist nicht der Fehler von Ruto und ich bin sicher, wenn ich euch fragen würde: ihr würdet mir auch bestätigen, dass in eurem Land alles teurer geworden ist dieses Jahr. Während Ruto wirklich in der ganzen Welt um Anerkennung und Entwicklung kämpft, sich gegen Korruption einsetzt und auf allen Ebenen zu sparen versucht, organisiert Raila Leute, die jede Woche auf die Strasse gehen und sich gegen Ruto auflehnen. Das hat leider an vielen Orten (vor allem in seiner Heimat Luoland) funktioniert und wie immer bei einer Demo (ist ja selbst am 1. Mai in der Schweiz in Zürich so) sind so viele dabei, die einfach kriegen und Unruhe stiftenwollen. So kam es zum Einsatz von Tränengas. Die Gegner von Ruto behaupten, dass die Polizei zu viel Gewalt einsetzt und dass es das Recht eines jeden Bürgers, einer jeden Bürgerin sei zu protestieren. Man hat aber bereits herausgefunden, dass die Gegner diejenigen sind, die geschossen haben, weil nämlich Waffen an sie verteilt wurden und sie dann behaupten, die Polizei habe das gemacht. Ein rechtes Chaos. Zudem hat Raila die Leute aufgefordert, mit den Pfannen – hier Sufurias genannt – auf die Strasse zu gehen und daraufzuhauen um zu zeigen, dass sie zu wenig Geld zum Essen haben. Die Fahrer, die das sehen sollen dann blinken und hupen. Klingt ja noch ziemlich originell und kommt in etwa einem Schulsylvester gleich aber irgendwie haben einige das falsch verstanden und tragen jetzt die Sufurias auf den Köpfen, was ziemlich dämlich daherkommt. Diese ganze Bewegung heisst „Sufuria Movement“ und sieht teilweise sehr lächerlich aus. 

Ruto bleibt aber sehr hart und verbietet diese Demos bei denen schon Millionen an Schäden entstanden sind, zum Beispiel wenn sie auf ganz neuen Strassen Pneus verbrennen, die dann die ganze Strasse kaputt machen. Es ist wirklich sehr dumm, denn Ruto macht alles um vorwärts zu kommen und diese Proteste verursachen nur pures Chaos und zerstören, was aufgebaut wurde. Teilweise werden an den Tagen, an denen die Proteste angekündigt sind, Geschäfte und Schulen geschlossen und sogar der Zug wurde an einem Tag eingestellt. Das sind riesige Verluste. So gibt es keinen Fortschritt. Zudem fordern sie natürlich, dass man Ruto stürzen muss aber es gibt gar keine Basis dafür, denn Ruto ist für fünf Jahre gewählt und ausser er macht einen riesigen Scheiss gibt es keinen Grund und auch keine rechtliche Basis, ihn abzusetzen. Jetzt beginnen sogar alteingesessene Azimio Mitglieder die Partei zu verlassen und – das ist die grösste Ohrfeige – zu UDA von Ruto zu wechseln. Gibt dem Mann eine Chance! Er ist erst ein Jahr im Amt und hat ein grosses Chaos übernommen, das er jetzt langsam aussortiert. Weil sich der ehemalige Präsident Uhuru Kenyatta ja kurz vor seinem Abgang auch noch mit Raila verbrüdert hat und man bei seinem Sohn ein Waffenarsenal gefunden hat kommt der jetzt am TV auch noch zu Wort. Das disqualifiziert ihn aber total, denn er hat sich seit seinem Amtsende nicht wirklich positiv entwickelt. Dass er säuft und Drogen nimmt war ja schon lange bekannt, aber jetzt ist es auch sichtbar und in einem Interview am TV war er nur noch peinlich: aufgedunsen und fast lallend hat er Ruto aufgefordert: „come and get me but don‘t disturb my 90-year old grandmother and my son“. Es ist aber niemand da, der ihn „getten“ will nur will man verhindern, dass er eine halbe Armee aufbaut im Hintergrund und Leute aufwiegelt bzw. dafür bezahlt, dass sie Probleme machen. Aber im Gespräch mit unserer DCC Pamela am anderen Abend hat sie es auf den Punkt gebracht: “People want to be relevant.” Menschen möchten relevant sein und gebraucht werden. Und genau das ist der Punkt bei den meisten, die viel Lärm machen. Niemand hört ihnen zu, sie haben weder Einfluss noch sind sie in irgendeiner Weise relevant. Das kommt mir irgendwie bekannt vor von Leuten, die „pensioniert“ wurden: wenn man nicht mehr gebraucht wird dann beginnt man sich zu fragen: weshalb bin ich überhaupt auf dieser Welt? Und ihr könnt euch vorstellen, dass das jemandem, der sein Leben lang verwöhnt wurde wie ein Prinz, der zwei Amtsperioden lang Kenia geführt hat und jetzt einfach noch vor sich hin trinkt und kokst sich nicht mehr relevant fühlt. Ruto hat ihm zwar einen wichtigen Job zugesprochen, bei dem er für die ganze Ostafrika-Connection zuständig ist aber ich glaube, er ist schon so am Boden, dass er das gar nicht mehr kann. Schade für jemanden, der die besten Ausbildungen in den USA genossen hat und einer der reichsten Männer von ganz Afrika ist.

Die Küste ist ja auch noch ziemlich in ODM Hand (Orange Democratic Movement) und ODM gehört auch zu Raila’s Azimio Partei (ein Zusammenschluss von verschiedenen Parteien). Als also der Besuch des Präsidenten in Kilifi angekündigt wurde bekam selbst die DCC zu spüren, was es heisst, Gegenwind zu haben. Man wird aus allen Wards – auch aus Jaribuni – Leute in Bussen nach Kilifi fahren, damit es eine grosse Menschenmenge gibt, die dem Präsidenten zuhört und klatscht. Aber in gewissen Gegenden haben sich die Leute geweigert an den Anlass zu kommen, weil der Präsident einer anderen Partei angehört. Fehlt nur noch, dass sie mit den Pfannen auf dem Kopf auftauchen. Ich glaube aber kaum, dass es passieren wird, denn die Sicherheitskräfte stehen heute an jeder Ecke und jede Person, die an den Anlass kommt musste ihren Namen und die ID angeben (mich inklusive). Der Hauptgrund, weshalb Ruto kommt ist ein sehr schöner: es gibt viele Leute von der Insel Pemba, die staatenlos sind. Die Insel gehörte mal zu Tanzania aber ich kenne jetzt auch nicht mehr alle Hintergründe, weshalb sie staatenlos geworden sind. Die meisten leben auf jeden Fall an der Küste, weil sie ein Volk von Fischern sind. Heute wird Ruto ihnen die kenianische Staatsbürgerschaft übergeben – eine sehr tolle Geste, deren Prozess jetzt Jahre gedauert hat. Ich bin ja gespannt, was der Tag bringen wird. Peter haben wir schon mal abgeliefert im “Stateshouse” (Notiz an Olivia: in dem Haus warst du auch schon, das hat mal Amason Kingi gehört – weisst du: das mit dem sagenhaften Blick auf den ganzen Kilifi Creek mit den schönen Ornamenten an der Wand, kurz: DAS Haus, in das ich morgen einziehen würde… also natürlich nur wenn es meinem Mann gehören würde…) und ich warte jetzt bei einem feinen Frühstück im Fayaz Café und schreibe meinen Blog und erledige noch ein paar andere Dinge und warte auf den “Marschbefehl”…

Es ist ja nicht so, dass mir die Arbeit ausgeht nur weil der Präsident zu Besuch ist.

Ihr hört wieder von mir!

#rutoisgreat #pembapeople

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