Einfache Veränderung – grosse Wirkung

Manchmal wird man betriebsblind. Das geht mir hier in Marere oft so. Ich hatte ja von Anfang nicht gedacht, dass ich so lange in Marere bleiben würde und daher war es mehr so ein Ort an dem ein paar Wochen meines Jahres verbrachte. Dass die Einrichtigung so zusammengewürfelt war entstand durch das Zügeln unserer Möbel von Nairobi nach Marere. Es waren eher City-Möbel aber was soll’s: es waren die einzigen, die wir hatten. Dazu noch alle holzwurmzerfressenen Kästen aus Peter’s Kilifi Haus, die aber wenigstens farblich zum Ganzen passten. Die Böden waren auch aus Restplatten zusammengesetzt usw. usf. Und es gab auch einzelne Teile, die mir richtig gefallen, nämlich unser schönes Bett mit dem Moskitonetz oder unser Esstisch: währschaft mit bequemen Stühlen.

Zum Glück hatte ich vor einem Jahr die Idee, dass ich die Küche auslagere. Seither muss man nur noch an meinen Kühlschrank aber gekocht (spricht mit allen Düften und Geschnorr) wird nur noch in der Küche, ausser, wenn ich einen Kuchen backe oder die Nachos präpariere. Beides sehr angenehme Dinge.

Mohammed macht seinen sensationellen Chabis

Schon als ich letztes Mal wieder in die Schweiz geflogen bin habe ich Peter in Auftrag gegeben, dass er mir einen Sitzplatz bauen lässt. Darüber folgt dann noch ein separater Blog. Als ich aber so auf diesem neuen Sitzplatz sass stach mir plötzlich die absolut hässliche Verkleidung unserer Wasserpumpe ins Auge. Sie war mir natürlich vorher schon negativ aufgefallen aber wie gesagt: ich dachte gar nicht gross darüber nach. Jetzt wollte ich aber plötzlich, dass auch das schöner aussieht und ich beauftragte unseren Hausbaumeister damit. Er war einmal mehr blitzschnell und es war sehr interessant, ihn zu beobachten. Er arbeitet mit einer Hingabe, die wirklich einzigartig ist. Er organisierte auch, dass ein schmiedeisernes Tor montiert wird, denn diese Pumpe ist ja teuer und es könnte mal jemandem in den Sinn kommen, sie zu klauen – so wie sie auch die Batterie aus unserem alten Demo-Auto geklaut haben. Jetzt sieht es tatsächlich richtig hübsch aus und ich freue mich, dass ich diesen Batzen investiert habe.

Die nächste Verschönerung war dann das Einbauen von Türen. Bisher hatte ich mir behelfsweise mit Vorhängen eine Zwischenlösung gemacht. Vom Wohnzimmer zum Schlafzimmer hatte es einen Vorhang und vom Schlafzimmer in die Toilette ebenfalls. Nicht weiter tragisch wenn Peter und ich nur zu zweit sind aber es gibt ja auch immer Leute, die ins Wohnzimmer müssen: um etwas aus dem Kühlschrank zu holen, um das Frühstück vorzubereiten, um das Geschirr einzuräumen. Und in ganz seltenen Fällen haben wir auch Gäste. Durch die zwei Vorhänge war es aber so, dass man durchaus auch mal hören konnte, wenn jemand im WC Durchfall hatte, bzw. ich war manchmal auch etwas gehemmt wenn Gäste im Wohnzimmer waren und ich einfach mal musste. Zudem haben Peter und ich ja dermassen unterschiedliche Schlafmuster. Peter geht so ab 22.30 h ins Bett um seine vielen WhatsApp und E-Mails zu lesen und ich bleibe auch hier in Kenia meistens noch bis Mitternacht wenn nicht noch ein bisschen länger auf.

Wir holten also einen Fundi, der uns diese Türen einbaute. Da das Holz dermassen teuer ist haben wir uns für Glastüren mit Sichtschutz entschieden. Die Lieferung dauerte ziemlich lange und Peter musste ihnen „drohen“, dass Madame bald in die Schweiz zurückreisen würde und da sie bezahlt müsse das auch sofort gemacht werden. So kamen sie also noch mitten im Nachmittag angereist und begannen mit der Installation, die dann bis in die dunklen Abendstunden dauerte. Was für eine verbesserte Qualität das unserem Leben aber gab: am Morgen konnte ich in aller Ruhe weiterschlafen und Mohammed, der ja sooooo anständig ist, gestand mir auch, dass er immer zur Seite schauen musste, weil er ja nicht wollte, dass er in mein Schlafzimmer schaut. Da haben sie einen Heidenrespekt und nur Mbuche kommt überhaupt in unser Schlafzimmer. Das ist auch gut so. Und jetzt kann Peter am Morgen duschen, so lange er möchte (und er macht es ausgiebig) und ich habe dann auch meine Ruhe.

Wenn etwas installiert ist fragt man sich manchmal, weshalb man es nicht schon vorher gemacht hat… Das waren etwa CHF 300, die richtig gut eingesetzt wurden von meinem Privatbudget. Peter (nicht ich!!! ich dachte schon, das sei halt so) war übrigens noch entsetzt, dass der Fundi schwarze anstatt weisse Scharniere gewählt hatte – da sieht man mal, wie angepasst ich bin). John als Jungfrau und Buchhalter ist dann auch derjenige, der mir geholfen hat die Kästen neu einzuräumen. Mbuche kennt leider nur: waschen und „reinmosten“ und ich habe halt (Aszendent Jungfrau) auch mein System: eine Beige mit Hosen, eine mit Kleidern, eine mit Pyjamas etc. und diese Ordnung ist jedes Mal wenn ich wieder ankomme vollkommen zunderobsi.

Auch wenn wir durchaus noch Pläne haben zu bauen so fühlt es sich durch diese kleinen Verbesserungen viel besser an. Die einzige Verschlimmbesserung: nach dem Brand hat der Elektriker den allerbesten Durchlauferhitzer, den es überhaupt gibt, installiert. Also gemäss seiner Aussage. Ich habe aber sofort nach der Installation nach einem Schalter zum Regulieren der Hitze gesucht. Der ist aber nicht vorhanden. Also entweder zum Verbrennen heiss, oder dann schon fast wieder kühl. Man muss zuerst also mal Wasser verschwenden (was hier definitiv nicht im Übermass vorhanden ist) bevor man zu duschen beginnen kann. Wer sich so etwas ausgedacht sollte bestraft werden… Fürs tägliche Duschen ist es mir egal, denn für mich ist es eine schöne Abkühlung aber beim Haare waschen habe ich es schon lieber warm – zudem lässt sich auch das Shampoo besser entfernen.

Aber unter dem Strich ist jetzt vieles besser und sogar auf dem TV kann ich Netflix und Youtube schauen und so kann Peter seine heissgeliebte Tagesschau um 19.00 Uhr auch etwas retour drehen, wenn er den Anfang verpasst hat. Als nächstes wird das grässliche Sofa mit den Holzwürmern ersetzt mit zwei schönen Swahili Daybeds.

Was definitiv noch fehlt ist die Klo-Brille. Keine Ahnung, weshalb die immer kaputt gehen, aber der Sitz ist jetzt schon fast ein Balance-Akt und bei meiner nächsten Reise nach Mombasa muss das mit auf die Einkaufsliste – oder ich schaue mal bei Jumia nach, ob die auch Klobrillen verkaufen… Und sonst bringe ich dann eine stabile aus der Schweiz mit.

#smallchangegreateffect #embracechange

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