Kreativität kann Leben retten

Witzig: ich kenne Miguel Schwendener nicht besonders gut. Ich habe ihn mal an einer Party einer Freundin kennengelernt und dann ein bisschen mitverfolgt, wie er mit diesen freien Gewichten bei www.street-workout.com arbeitet. Natürlich mega beeindruckend, was er da körperlich gemacht hat und ich bin definitiv nicht abgeneigt von Mukis – verdammt er hatte wirklich einen sagenhaften Body. Er war mit seiner Show-Truppe auch mal an einem Raiffeisen Fest und ich weiss noch, dass mir niemand geglaubt hat, dass ich ihn kenne. Sie dachten vielleicht: jetzt übertreibt sie aber (vor allem weil ich ein Wonderwoman Kostüm trug hahaha) als ich dann kurz mit ihm geplaudert habe glaubten sie mir doch.

Plötzlich hat Miguel in den Sozialen Medien begonnen zu schreiben, dass er anscheinend eine schwere Zeit hinter sich hatte und eine Sinnkrise, vielleicht sogar Depressionen und dass ihm das Malen geholfen hat, da rauszukommen. Miguel ist ursprünglich aus der Dominikanischen Republik und als ich gesehen habe, wie enthusiastisch und farbenfroh er diese Bilder malt war ich völlig begeistert. Er stellt sie übrigens auf Instagram und https://www.instagram.com/fino_swiss/ aus.

Was viele von euch nicht wissen und ich nur ein paar Eingeweihten erzählt habe: mir ging es vor meiner Abreise in der Schweiz überhaupt nicht gut. Ich finde es wichtig, gerade auch über solche heikle Themen zu berichten und sie nicht für sich zu behalten. Vielleicht helfen meine Erfahrungen auch anderen, eine Krise zu überwinden und es muss nicht immer alles kitschig schön sein nach aussen. Aber daran seid ihr euch in meinem Blog ja schon gewöhnt.

Ich glaube, ich hatte die grösste Lebenskrise meines Lebens. Meine hart abgespeckten Kilos waren zurück (und wahrscheinlich noch ein paar dazu) mein Traum von einer akzeptablen Kleidergrösse war geplatzt, ich hatte überall Schmerzen, ich war lustlos und auch wenn ich ein paar ganz tolle Aufträge hatte so musste ich mich richtig aufraffen, sie zu erfüllen. Unter Leuten ging es einigermassen aber zuhause kam ich aus dem Grübeln fast nicht mehr heraus. Mein Hirn drehte irgendwie im Leeren. Ist es das jetzt gewesen mit meinem Leben? Mache ich wirklich das Richtige mit Kenia, mit Peter, mit meinem Leben? Es gab Tage, da wollte ich einfach nur schlafen aber selbst das fiel mir schwer, weil es in meinen Beinen zuckte und ich Schmerzen hatte an meinen Fusssohlen. Ich war wirklich fast verzweifelt und auch wenn ich gute Ratschläge hier und dort erhielt: ich konnte mich einfach nicht mehr aus diesem Loch rauskriegen. Ich hörte zwar wunderbare und inspirierende Bücher und las auch viele positive Dinge von Joe Dispenza über Eckhart Tolle bis zu Michael Singer und Oprah Winfrey. Ich konnte es auch nicht fassen, dass ich, die ich so oft eine Inspiration für andere bin, plötzlich in so ein Loch fallen konnte. Nicht einmal Dinge, die sonst immer ein grosser Aufsteller waren machten mir so richtig Freude. Ich hangelte mich einfach durch die Tage. Ich war schon so weit, dass ich mir vom Hausarzt Psychopharmaka verschreiben liess. Er meinte, das grösste Problem sei, dass die Medis meistens auch noch dick machen – ja und davon wollte ich jetzt gar nichts hören. Ich versuchte, Peter nicht allzu fest zu beunruhigen, denn er hatte ja auch genügend Probleme am Hals in Kenia aber er spürt es halt auch einfach so, wenn es mir nicht gut geht. Ich sagte aber zu meinem Hausarzt, dass ich die Pillen nach Kenia mitnehmen werde und dann einen Monat vor Rückreise entscheiden werde, ob ich sie nehme oder nicht weil es anscheinend so lange geht bis sie Wirkung zeigen.

Und ich kann heute zum Glück sagen, dass ich sie nicht schlucken werde. Hier in Kenia habe ich wieder eine Ader in mir entdeckt, die ich fast allzu stark lahmgelegt hatte: meine Kreativität. Ok, Blog schreiben kann man auch kreativ nennen: aber ich wollte endlich wieder einmal etwas mit meinen Händen gestalten. Und insofern war Miguel ein Vorbild für mich.

Ich hatte Peter vor meiner letzten Abreise damit beauftragt, einen Sitzplatz für mich zu bauen und er hat mir regelmässig updates geschickt.

Als ich den hübschen Sitzplatz sah, den Peter für mich bauen liess, war ich schon darüber sehr happy. Nicht alles daran war perfekt, aber er war grösser, als ich ihn mir vorgestellt hatte (und auch teurer, aber lassen wir das) . Wir konnten endlich zusammen draussen frühstücken, wir luden Freunde ein, wie erholten uns auf den Beachbetten, ich arbeitete ein bisschen draussen an der frischen Luft und ich liess mal vorsorglich die ganze Wand weiss streichen.

Plötzlich inspirierte mich diese weisse Wand zu einem Projekt. Ihr kennt mich: lieber klotzen statt kleckern und so entschied ich mich, die ganze Wand zu bemalen. Ich kenne mich ein bisschen mit Procreate auf dem iPad aus und so entstanden die ersten Entwürfe, wie ich die Wand gestalten könnte. Ich machte auch eine kurze Umfrage auf Facebook und erhielt ein paar witzige Antworten: so zum Beispiel von Olivia, die sich etwas Graphisches vorgestellt hatte. Ich selber wollte eine bunte Blumenwand aber plötzlich fand ich dann auch, dass es etwas kenianischer sein sollte und das Thema Regenbogen tauchte ebenfalls auf, wie meine geliebten Baobab Bäume. Und so entstand eine Mischung aus afrikanischen Mustern, einem Sonnenuntergang und einem Baobab Baum. Das ganze projizierte ich mit dem Beamer an die Wand und begann dann, alles in langwieriger Einzelarbeit zu zeichnen und vorzubereiten. Die Farbsuche war auch nicht besonders einfach, denn in Kilifi kriegt man wirklich fast nichts. Jumia kannte ich noch nicht und so besorgte man mir in Mombasa das notwendige Material. Plötzlich kam mir auch noch in den Sinn, dass ich einmal Pinsel für ein anderes Projekt aus der Schweiz mitgebracht hatte. Ich entschied mich für Acrylfarben, denn damit hatte ich ja auch schon Malerfahrung in meinem Selbstfindungsworkshop mit Aviva Gold gemacht in „Painting from the Source“.

Und von jetzt an verbrachte ich Stunden in meinem kleinen Gärtchen und zeichnete und malte vor mich hin. Ich hörte sehr inspirierende Hörbücher, mal hörte ich kenianische Hip Hop Musik, dann wieder SRF3 und natürlich auch immer wieder mal Sam Himself und Marius Bear. Ich hatte immer wieder Beobachter:innen und die meisten konnten nicht glauben, dass jetzt Mama Kaya auch noch eine „Artist“ ist. Es hatte etwas sehr meditatives an sich und diese kreative Arbeit brachte mich langsam aber sicher wieder in die Normalität zurück. Ich hatte etwas Grosses gewagt, das ich noch nie gemacht hatte, ich nahm mir Zeit einfach für mich. Ob das nun Sinn machte oder nicht – unterm Strich war es für mich die beste Therapie. Und ihr könnt euch vorstellen, wie stolz mein Peter wieder einmal auf mich war. Es war einfach das Beste, was ich mir antun konnte. Nicht immer nur Dinge tun, die unter dem Strich „etwas bringen“ wie Geld und Ruhm. Ich wollte unbedingt noch ein Wort oder einen schönen Spruch hinschreiben. Peter schlug vor, dass ich ein Kauma Wort wähle: Mudzini. Es bedeutet „Home“ oder „Zuhause“. Ich lachte ihn aus und meinte, dass er mich wohl bestechen oder reinlegen wolle. Wenn ich das mein „Home“ nenne, dann werde ich kein Haus mehr wollen, weil mein Heim ja hier ist aber er verstand meinen Scherz und versprach, dass wir eines Tages auf jeden Fall noch unser eigenes Haus haben werden. In der Zwischenzeit gebe ich aber zu, dass genau dieses Mudzini dazu beigetragen hat, dass ich mich jetzt hier mehr und mehr zuhause fühle. Danke Miguel für deine Inspiration. Du hast nicht nur Mukis sondern auch ein riesengrosses Herz. Und in der Zwischenzeit konnten wir im Mudzini schon so viele Gäste begrüssen und Feste feiern, dass es sich wirklich wie ein Zuhause anfühlt.

#mudzini #mudziniishome #thankyoumiguel

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6 Kommentare zu «Kreativität kann Leben retten»

  1. Wir (Margrit und ich) sind total begeistert von deinen Malkünsten! Es ist wunderschön und passt. Ja, manchmal ist es gut und auch wichtig, sein Leben zu überdenken und Neues zu wagen! Es freut uns dass du dich wieder gefunden hast. Liebe Grüsse
    Peter und Margrit

  2. Doris Curatolo

    Hoi Barbara. Ich bin sehr berührt über deinen Bericht – dass du offen darüber sprichst, dass es dir nicht immer gut geht. Obwohl du nach Aussen immer als sehr taff und optimistisch rüberkommst. Wer aber deine Bloggs regelmässig verfolgt und dich kennt, weiss, dass es auch dir nicht immer gut geht. Du hast ein riesengrosses Herz für alle in deinem Umfeld. Du setzt dich für so Vieles ein. Schön, das mit dem Malen – hilft auch mir immer. Umarme dich ganz fest Doris

  3. Wau .. muätig so offä über dini Gschicht chönä z verzelä.. und zghörä, dass äs dir besser goht, freut mi speziell… dis Mudzini isch jo au sehr schö glungä und treit zu dim wider Wöhler-befindä däzuä …freu mi aber scho au, wenn wider zrugg idä Schwiz bisch 🤗

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