Kreativität ist ansteckend

In meinem vorletzten Blog-Beitrag habe ich darüber berichtet, wie mich die Kreativität aus einem Loch geholt hat und ich habe so viele Zuschriften gekriegt, dass einige von euch das Malen auch als Ventil nutzen um wieder ins Lot zu kommen – fast ähnlich wie Yoga. Bei mir ist es manchmal ja so, dass ich gerne die Kreativität noch mehr ausleben möchte aber auch in meinem Berufsleben keine Zeit dafür hatte. Aber so zwischendurch hatte ich immer wieder solche Phasen und mein Haus in Arbon war ja an Weihnachten schon fast legendär, weil es schon fast voll war mit Laternenbildern von oben bis unten. Dieses Hobby führe ich ja bei Weihnachten in Rorschach auch weiter. Aber schon früher habe ich mit meiner Mutter mit FIMO allerlei Schmuck gebastelt und wir haben dann sogar zusammen an Märkten einige Dinge verkauft. In Goldach hatte es mal einen so coolen Schmuckladen und dort habe ich auch gelernt viele meiner eigenen Ketten herzustellen. Meine Colombe ist ja in den USA auch kreativ tätig und macht ihren eigenen Schmuck, natürlich auch mit Beads, denn das hat ja dort auch Tradition. Da ich mir für die Kaya auch eigenen Schmuck herstellen möchte, der nicht 08/15 ist habe ich auch genügend Material eingekauft für unserer Tänzerinnen und mich selbst, damit wir da kreativ werden können. Ich habe auch so einen Bead-Loom, also einen Mini-Webstuhl gekauft, denn damit kann man schöne Armbänder herstellen. Als ich an Weihnachten beim Suchen nach Weihnachtsdeko zum selber machen auf etwas Cooles gestossen bin habe ich alle WC Rollen aufbewahren (lassen). Via Jumia konnte ich mir dann auch noch eine Heissleimpistole kaufen und so habe ich das „Aus WC Rollen Blumen machen“ Projekt umgesetzt. Vorerst nur mal eine – ich musste da recht zirkeln, bis es gehalten hat aber ich finde, dass es noch ganz hübsch aussieht.

Aber natürlich bin ich nicht die einzig Kreative und so hatte ich bereits letztes Jahr mit Dominic, unserem Gärtner, darüber gesprochen, dass er eben viel lieber Schmuck herstellen würde als nur immer zu arbeiten. Ich fand es ziemlich mutig, dass er mich darauf angesprochen hat und ich habe ihm aus der Landi ein ganzes Set zum Schleifen und Feilen mitgebracht. Ok, ich weiss jetzt, dass ich das bestimmt nicht teurer über Jumia hätte kaufen können, aber diese Erfahrung hatte ich nicht. Ich habe ihm jetzt auch ein paar Beads gekauft und auch Verschlüsse für Ketten und allerhand Werkzeug. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sehr er sich jetzt ins Zeug legt. Aus den geschlachteten Ziegen gerbt er sogar das Leder und hat jetzt einige sehr originelle Schmuckstücke hergestellt. Bei seinen Maskenfiguren aus Kokosnuss ist er noch nicht so happy, weil sie ihm noch zu bleich sind. Es sind quasi noch Muzungus aber er hatte halt noch kein Geld für die Farbe ich habe ihm dann ein paar Schillinge gegeben und habe ihn gelobt. Ich finde es einfach sehr cool, dass er plötzlich diese Ader ausgebaut hat und manchmal höre ich ihn spät in der Nacht, wie er noch am Fräsen und am Schleifen ist.

Es ist ja nicht so, dass das unbedingt notwendig wäre aber es tut einfach auch der Seele gut, etwas Kreatives zu machen und dann sagen zu können: das habe ich gemacht. Genau so verhält es sich ja auch mit der Musik und darüber habe ich bereits berichtet. Die beiden Gitarren werden bestimmt ganz viel Freude bereiten. Mbuche unsere Haushalthilfe ist ja auch in der Nähschule und sie freut sich über jeden Stofffetzen oder alte Kleider, die ich ihr gebe und die sie zu neuen Kreationen verarbeiten kann. Und Kreativität steckt auch wieder die anderen Menschen, etwas zu gestalten und zu zeigen, was ihnen noch schlummert. Ich freue mich sehr darauf, im Dezember zu sehen ist. Dominik meint übrigens, dass man diesen Schmuck auch bestellen kann. Er würde also gerne Bestellungen entgegen nehmen. Ich würde ihm Geld auch weiterleiten, falls ihm jemand einfach ein paar Fränkli twinten möchte. Einfach mit dem Vermerk „Dominik“ und ich schicke es ihm per Mpesa nach Kenia.

Auf meiner «Fototournee» für alle Kindergärten sind mir auch zwei sehr kreative Sachen aufgefallen. Zum einen muss wohl eine Lehrerin – weil sie keine andere Mittel hatte – die Buchstaben des Alphabets einfach aus Karton zugeschnitten haben und an die Decke gehängt haben. Und bei einem der schlimmsten Kindergärten, die ich gesehen habe traf ich auf einen Jungen, der ein sensationelles Fahrrad aus Holz gebastelt hat. Mich habe ja schon immer die kleinen Wägelchen fasziniert, die die Kinder hier oft basteln – aber das ist ein ausgewachsenes Fahrrad und es funktioniert. Er hat grad noch ein paar Süssigkeiten mehr von mir erhalten als kleine Belohnung. So etwas rührt mich echt.

Aber natürlich müssen auch die kreativen Schneiderinnen erwähnt werden, die immer die Kangas so zuschneiden, dass das Muster gut zur Geltung kommen und die Hairdresser, die so innovative Haare knüpfen und Häkeln und nicht zuletzt auch der Nachtwächter, der mich mit einem schönen Strauss überrascht und mir zusichert, dass er sich um meine Blumen kümmern würden, wenn ich dann endlich mal die Töpfe habe und sie bepflanze. Das dann für das nächste Mal…

Und in meinem Gepäck sind jetzt ganz viele der Korbtaschen, die ihr bei mir bestellt habt und natürlich wieder bunte Kanga Tücher, die ich auch für den Chor mitbringen, mit dem zusammen ich afrikanische Lieder singen werde am Sonntag, 24. September in St. Gallen. Die Kangas werden ein Farbtupfer sein und mich an meine andere Heimat erinnern.

Kreativität hat keine Grenzen und sie beflügelt.

#becreative #kreativitaethatkeinegrenzen

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