Super Service

Ich weiss auch nicht weshalb ich über mehrere Jahre einen Denkfehler gemacht habe aber immer wenn ich jemanden gefragt habe, ob sie mich zum Bahnhof bringen können habe ich für St.Gallen gefragt, weil ich ab Rorschach Stadt zum Flughafen dort umsteigen muss. Ich will aber meine Freundschaften nicht überstrapazieren und plötzlich kam mir in den Sinn, dass ich ja auch ab Rorschach Hauptbahnhof fahren könnte. Dann ist ein Taxi auch nicht so teuer. Ich rufe früh genug an und erwähne, dass ich Hilfe brauche bis zum Perron. Kein Problem wird mir versichert. Ich bringe meine zwei 23-Kilo schweren Koffer, das Boardcase und meinen Rucksack rechtzeitig runter. Der Taxichauffeur macht keine Anstalten mir zu helfen. Erst als ich ihn darum bete steigt er zum Taxi aus und meint sofort: au das ist viel zu schwer, da müssen sie schon mithelfen – was ich mache. Er macht dann auch gleich klar, dass er überhaupt keine Zeit habe bis zum Gleis mitzukommen. Er fahre mich zum Lift und von dort aus lande ich direkt auf Gleis 4 wo die Schnellzüge fahren. Da dieser Lift aber auf meinem Standard Spaziergang liegt weiss ich, dass das nicht stimmt. Von dort muss ich die Koffer doch noch selber aufs Gleis fugen. Nein, da sei ich falsch gewickelt – der Lift halte dort. Vielleicht gibt es da noch einen Magic Zugang so wie bei Harry Potter oder in anderen Fantasiefilmen?

Dann fängt er an zu fragen, weshalb ich so viel Zeugs habe, das sei ja unmöglich. Wie denn das gehen soll bis zum Flug? Ich versuche zu erklären, das ich das schon oft so gemacht habe und als er mit Stänkern nicht aufhört sagte ich ihm ganz deutlich: jetzt hören sie mir Mal zu: ich habe ein Taxi bestellt und bezahle es auch weil ich Hilfe erhofft habe. Mein Gepäck zu kommentieren geht sie grad mal überhaupt nichts an. Fahren sie mich jetzt einfach zum Bahnhof und behalten sie ihren Kommentar für sich. Dann meint er: Ich wette, sie haben auch noch Schokolade und Raclettekäse mit dabei! Und so antworte ich: ja und Aromat und Zwetschgengonfi und Weihnachtsguetzli ebenfalls… und trotzdem geht sie das nichts an. Er findet mich wahrscheinlich eine doofe Schnepfe. Aber ich finde ihn frech und total im falschen Job. Da frage ich nächstes Mal lieber wieder eine Freundin und bringe ihr ein hübsches Geschenk mit. Ich bin sicher, die haben auch Fachkräftemangel, denn das ist definitiv keine Fachkraft. Wiedergut macht hat das eine sehr junge Frau, die mir ihre Hilfe schon fast aufdrängt und mich bis zum Perron begleitet. Vom Lift, der definitiv keinen Halt auf Gleis 4 macht. Im Zug drin treffe ich auf eine sympathische und sehr gesprächige Walliserin. Sie kommt grad von einem Kongress aus München mit dem Motivationscoach Jürgen Höller, an dem 37’000 Euro für sein Hilfsprojekt in Afrika gesammelt wurde! Vielleicht muss ich auch mal eine Grossveranstaltung machen!

Wir diskutieren alle Esoteriker (lustigerweise lauter Männer) und welche wir nicht mehr brauchen, weil es bei vielen am Schluss doch nur ums Geld geht. Wir finden sogar heraus, dass wir im Wallis gemeinsame Bekannte haben und die Zeit geht wie im Flug (auf dem ich allerdings noch nicht bin).

Ich habe im Restaurant Upperdeck reserviert und den “Geheimzugang” (schon wieder) via OZ erhalten für meinen riesigen Gepäckwagen. Bei Ethiopian ist leider weder Vorabend noch früher noch Online Check-In möglich. Dann beginnt eine angeregte Konversation mit meinen Freundinnen  die ganz pünktlich sind und bis wir wieder alle updated sind dauert es eine ganze Weile. Das Essen ist soweit ok aber der zwar freundliche Kellner ist eher eine Nervensäge. Jedes Mal wenn er vorbei läuft fragt er nach etwas und kaum haben wir den ersten Biss vom Salat gegessen kommt auch schon der Hauptgang. Wahrscheinlich ist er sich gewohnt, dass alle in Eile sind aber wir sind es nicht. Kurz vor dem Kaffee gehe ich mal aufs Display schauen und ich habe einen Schock: 20.45 und nicht 21.45 ist die Abflugszeit!!! Ich hatte es einfach falsch im Kopf, ja sogar im gestrigen Blog habe ich es falsch geschrieben und jetzt bricht grad Hektik aus, denn den Flug verpassen – das ist definitiv keine Option. Françoise bietet an meinen Teil zu bezahlen, die Umarmungen gehen razz fazz und ich begebe mich mit meinem Gepäck an den Schalter. Es ist fast niemand dort und ich wundere mich. Der Check-in geht schnell und ich bin bei den fünf letzten die noch abgefertigt werden. Jeder Koffer ist knapp 24kg und niemand fragt nach dem Handgepäck. Es hat also durchaus auch Vorteile, so spät dran zu sein… Die Flüge verlaufen absolut problemlos.  Von Zürich bis Milano ist der Flieger fast leer und von Milano nach Addis Ababa nur so voll, dass ich neben mir einen freien Platz habe auch wenn ich auf den Bildschirm neben mir schauen muss weil meiner kaputt ist.

Auch die Einreise in Kenia ist schnell und alle Koffer kommen an. Einzig der Kofferkontrolleur will mich noch stressen, weil man anscheinend nur 250 ml Parfüm mitnehmen darf. Ich hatte noch nie davon gehört und rede mich raus, dass Parfüm nicht dasselbe wie After Shave sei und dass ich es mir fürs nächste Mal merken würde. Und dann nützt es auch immer zu erwähnen, dass ich Leute in wichtigen Positionen kenne. Und diese wichtige Person wartet dann auch freudestrahlend bei der Ankunft und wir fahren – ausgerüstet mit frischem Passionssaft – bis zum Hotel in Diani, das ich für einen guten Preis gebucht habe. Und für eine Nacht und einen ganzen Tag geniessen wir ein ganz normales Paarleben, auch wenn Peter auf meine Fragen oft mit: „you are asking me a very difficult question…“ antwortet. Und die Fragen sind nicht einfach zu beantworten.

Am 3. Tag – ich habe ein paar Wetten gewonnen, die ich lieber verloren hätte – muss Peter aber tatsächlich zurück nach Kilifi, weil der Gouverneur gerufen hat und es unmöglich ist, da nein zu sagen. Als Politiker bist du in Kenia definitiv kein freier Mensch. Ich versuche mich zu akklimatisieren aber die Hitze ist wieder fast unerträglich, selbst in einem Hotel am Meer. Ich mache ein paar Fotos, beantworte noch ein paar Mails, esse, schlafe und geniesse die Ruhe „vor dem Sturm“. Wir verlängern eine Nacht, damit wir Peter’s Geburtstag feiern können und Peter auch noch seine Badehose brauchen kann – auch wenn er nicht gerne ins Wasser kommt – aus Liebe macht er es. Ich habe natürlich mit Ballonen und Deko für einen stimmungsvollen Geburi vorgesorgt und am Abend singt dann auch noch die Restaurant Crew ein Jambo Bwana und Happy Birthday. Die machen es ziemlich gut im Jacaranda Hotel. Sehr freundlicher Staff und sonst alles guter Durchschnitt (Essen, Unterhaltung etc.) und ein sehr guter Preis und ein besonders schöner Garten mit riesigen Baobab Bäumen.

Es war eine gute Entscheidung, zuerst diese Tage zusammen zu verbringen, denn die Probleme tauchen bereits vor der Abreise auf: in Marere warten bereits einige Herausforderungen auf uns… Aber davon dann zur entsprechenden Zeit mehr.

#happybirthdaypeter #jacarandahotel #difficultquestions

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2 Kommentare zu «Super Service»

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