Ein cooles Leben

Wir waren in den letzten Tagen wirklich sehr „reduziert“ in den letzten Tagen. Ich wegen der Hitze, der ich nicht entfliehen konnte. Peter hatte bei der Hitze eine böse Erkältung erwischt und hörte nich mehr auf zu niessen aber ich muss sagen: ich bin nicht böse darüber, denn das hat uns so ruhige Weihnachten beschert, wie ich sie mir sonst gar nicht hätte wünschen oder vorstellen können. Einen ganzen Abend (am 24.) und einen ganzen Tag (am 25.) haben wir fast alleine zusammen verbracht. Das Weihnachtsessen war ein feines Raclette (obligat, wenn ich den Käse aus der Schweiz bringe) aber selbst dieses Essen hat nicht allzu viel Spass gemacht, da wir einfach zu heiss hatten. Da nützte es auch nichts, dass noch Weihnachtslieder dazu liefen. Es gibt ja viele Leute, die auch im Sommer Raclette essen und ich kann mir das zwar vorstellen, aber halt doch nicht bei 33 Grad stickiger Luft. Wir hatten schon einige Dinge zu besprechen und so waren es zwar fröhliche aber auch ernsthafte Weihnachten. Wir „hingen“ im Mudzini draussen auf der Gartenterrasse mit der neuen schönen Schutzmauer, die uns Frieden bringt und versuchten mit einem Ventilator, Früchten und gekühlten Wasser etwas Erleichterung zu bringen.

Nach einer pflotschnassen Nacht ohne viel Schlaf (hatte wohl auch mit den bumm bumm bumm Riesenlautsprechern des Nachbars zu tun) mussten wir noch den ganzen Tag eine Kostenzusammenstellung für einen Antrag um Unterstützung machen und dann beschlossen wir: die Festtage sind vorbei: wir leisten uns jetzt eine Klimaanlage fürs Schlafzimmer. Mit dieser Mission fuhren wir nach Mombasa. Wir wussten in welcher Strasse die Elektronischen Geräte sind.  Das ist in Mombasa so: in dieser Strasse kann man dies kaufen, in einer anderen Strasse etwas anderes. Vorher hatten wir aber einen feinen Zmorge Swahili Style. Es ist unser Stammrestaurant und ich kann meistens nicht widerstehen: die machen so feine Sachen, an die ich mich in den 11 Jahre seit ich nach Kenia komme gewöhnt habe. Ich glaube man nennt dies „acquired taste“. So ist es ja z.B. auch unverständlich, weshalb Leute diesen komischen Brotaufstrich der Aussies – heisst das Veggiemate oder so? mögen können und ich hatte immer Mühe mit dem Rootbeer in Amerika – ich hatte es nie gerne. Aber man gewöhnt sich an Dinge, bis man sie gerne bekommt und sie dann ein Stückchen Heimat bedeuten.

Danach wollte Peter, dass der Garagist sich den komischen Ton anhört, den eines der Räder machte. Leider bedeutete das ein grösseres Auseinandernehmen des Rades. Peter und ich hatten mit dem Tuk Tuk schon eine Erkundungstour gemacht und die optimale Air Condition gefunden. Ein portables Gerät war jetzt definitiv nicht mehr auf unserer Liste, denn erstens sind sie nicht verfügbar, da wir schon eine so lange Hitzeperiode haben und alle Geräte kaum erhältlich sind und zweitens braucht man auch bei einem portablen Gerät einen grossen Schlauch, der dann durch das Fenster gesteckt wird. Also quasi eine halbe Sache und erst noch hässlich und ein Energiefresser.

Wir kamen also zum Garagisten zurück und die News waren nicht gut. Die Wheeldrums (Radtrommeln) mussten ersetzt werden. Keine billige Sache. Ich sass so auf dem Bänkchen und plötzlich hatte ich einen solchen Hitzeschub in der prallen Sonne und es war absolut kein Schatten in Sicht: ich ergriff förmlich die Flucht und setzte mich ins erstbeste TukTuk und liess mich zum Restaurant Blue Room in der Nähe des Air Condition Ladens fahren für KES 100 (CHF 0.70). Dort erhoffte ich mir Kühlung aber selbst dieses bekannte Restaurant hatte keine AC sondern nur ein paar mikrige Deckenventilatoren. Ich musste fast aufpassen, dass ich nicht einschlief oder vielleicht sogar noch in Ohnmacht fiel. Irgendwann kamen sie dann mit dem geflickten Auto und wir erstanden dieses Klimagerät. Der Installateur wurde uns auch gleich empfohlen. Wir luden ihn unterwegs auf und brachten ihn bis nach Marere. Zeitweise guckte er etwas verdutzt aus der Wäsche, da er wohl dachte, mein Gott, die bringen ihn ans Ende der Welt. Aber vor Ort machte er sich so schnell an die Arbeit, dass wir total überrascht waren. Innert Kürze hatte er das Innengerät an die Wand montiert, Löcher gebohrt, den Schlauch via Badezimmer nach draussen geführt und dort den Ventilator montiert. Und in kürzester Zeit hatten wir eine Lösung für viele Probleme.

Zwar keine schöne, aber eine praktische: wir schliefen super durch die ganze Nacht, wir hatten mehr Energie und ich wurde in kürzester Zeit wieder viel fröhlicher und aktiver. Ich suchte mir schon ein paar Yoga- und Fitnessübungen heraus, mit denen ich dann das neue Jahr starten werde. Wir waren dermassen begeistert, dass wir den Installateur am nächsten Tag anriefen und dasselbe für das Wohnzimmer auch noch bestellten. Sie brachten die zweite Anlage mit einem Töffli von Mombasa bis nach Marere und bis am Abend war alles installiert. Gleichzeitig wurde auch der Wasserheizer ersetzt, denn das letzte Mal, als ich ihn verwendet habe hat es mir fast eine „geputzt“ und ich hatte schon Angst, eine Dusche zu nehmen. Und jetzt fragen wir uns: warum zum Teufel haben wir das nicht schon viel früher gemacht und sooo lange gewartet mit dieser Entscheidung? Es bringt so viel Positives mit sich und irgendwie habe ich grad das Gefühl, dass ich einen Schritt weiter im Wohlbefinden gemacht habe. Es fühlt sich nicht mehr an wie ein Aushalten einer unerträglichen Situation sondern mehr nach: ok, so lässt es sich effektiv leben. So langsam aber sicher wächst Marere doch noch zu meinem Mudzini = Zuhause.

Ich freue mich auf ein cooles Neues Jahr – im wahrsten Sinne des Wortes.

#coollife #mudzini

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2 Kommentare zu «Ein cooles Leben»

  1. Liebe Barbara

    Ganz herzlichen Dank, dass du deine Erlebisse und Gefühle mit uns teilst. 🤍

    Es ist jedes Mal eine wahre Freude, in deinem Blog zu stöbern und Neues zu entdecken!

    Ich glaube, die Begegnungen mit den Menschen in Marere und die Städte und Landschaften fotografisch festzuhalten, würde mir wirklich seeeehr gefallen … aber … diese von dir beschriebene Hitze würde ich nie und nimmer aushalten können. 😲🫣

    Ich bewundere deinen Durchhaltewillen und dein Engagement und ziehe ehrfurchtsvoll meinen Hut! 🤗

    Ganz herzliche Grüsse
    Nicoletta

    1. Danke für deine wertschätzenden Worte. Es wäre für dich und deine Kamera ein Paradies, vor allem weil du hier wirklich nahe an die Leute kommst. Ich würde sagen: so im Juli/August wäre es bestimmt auszuhalten. Auf jeden Fall bist du jederzeit ganz herzlich willkommen. Karibu sana!

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