Augen auf bei der Farbwahl

Wieder ein Tag oder Abend mit Erwartungen – aber meine waren auf einem Minimum. Einerseits weil ich grad eine üble Magen/-Darmgrippe durchgelebt habe und noch nicht ganz sicher war, ob ich das Essen halten konnte oder ob es oben oder unten wieder rauskommen wollte. Ich kann nur sagen: danke an mich, dass wir eine Klimaanlage haben. So lag es sich wenigstens kühl.

Ich hatte schon mal mit zwei Flaschen Prosecco vorgesorgt. Kleine Anekdote dazu: Peter wollte sie kaufen, weil er für Zigaretten in den Liquor Store musste. Als ich reinkam sah ich, dass er zwei Flaschen Champagner bei der Kasse hatte. Ich meinte: kauf keinen Champagner, der ist viel zu teuer! Er meinte: es ist schon zu spät, ich habe ihn schon gekauft! Als er aber sah, dass der Preis 11’400 (ca. CHF 60) und nicht 1’140 (ca. CHF 6) ist schluckte er nur leer und brach die Aktion ab. Ist ja wirklich auch Wucher und auch der Martini Prosecco, den ich aber wenigstens von der Schweiz her kenne, hat noch etwa KES 2’100 (ca. CHF 12) gekostet was hier definitiv genug ist.

Einer der näheren Verwandten und jemand, der auch sonst viel für Peter macht wollte seinen Bruder, der in Nairobi erstochen wurde, noch im alten Jahr beerdigen. So quasi um nicht noch Probleme und Negatives ins neue Jahr zu nehmen. Also war Peter’s Beschäftigung am letzten Tag des Jahres an diese Beerdigung zu gehen. Zum Glück werde ich schon gar nicht mehr gefragt und so konnte ich zuhause das Haus mit meinen neuen Kissen für das Sofa einrichten. Leider schaffte ich es nicht, den Überzug auf die Matratze zu bringen, da man dafür zu zweit sein musste. Also richtete ich sonst etwas ein, öffnete noch die letzten Kisten aus dem Container Transport und fand darin auch noch eine Brotmaschine, die ich gleich ausprobierte und die zu funktionieren schien…

Irgendwann wurde es hinter dem Haus ziemlich laut und ich sah schon mal Dennis Jilani und Joshua aus der Familie und dann noch einige weitere Männer. Die Whiskey-Flaschen wurden aufgefahren und ich ahnte ein gewisses “Unheil”… aber ich hielt mich raus, denn der letzte Tag des Jahres gehört ja auch gefeiert und Peter ist ja sonst extrem zurückhaltend was Alkohol angeht. Ich dachte mir: das ist die beste Zeit um noch einen kurzen Nachmittagsschlaf zu machen. Man weiss ja nicht, was sonst noch passieren wird. Ich hatte davon abgesehen ein besonderes Menü aufzugleisen und dachte mir einfach: es gibt was es gibt. Mbuche hatte aber bereits erwähnt, dass es sicher keine Bohnen und Reis sein würden, denn es sei ja der letzte Tag des Jahres.

Nach ein paar Stündchen wachte ich auf und wunderte mich, weshalb es hinter dem Haus so ruhig sei. Ich ging ins Wohnzimmer und da lag Peter auf der Couch wie bewusstlos und schnarchte friedlich vor sich hin. Alles klar: die Jungs waren weg – daher die Ruhe und Peter offensichtlich “unter Einfluss”. So halb musste ich grinsen und so halb nervte ich mich. Ich erinnerte mich an den Sylvester vor einigen Jahren als es ähnlich war und ich den Abend – ohne ein Wort Swahili zu können – mit dem Gärtner und dem Kuhhirt am Tisch verbracht hatte. Damals hatte ich aber schon begonnen, die Tradition von Dinner for One einzuführen und das hatte ich auch heute vor. Und wenn alle Stricke reissen würden, dann würde ich mir ein paar Filme reinziehen heute Nacht. Aber plötzlich war Peter quasi “auferstanden” – auch wenn ja nicht Ostern war. Er gab zu, dass er quasi out of order war, was ich aber unter den Umständen durchaus verstehen konnte.

Nach einem starken Kaffee kamen die Lebensgeister wieder zurück und wir konnten uns zu zweit ein mittelmässig feines Essen gönnen, Ziege mit Reis und Peter griff zu. Wir begannen dann einen Film zu schauen und ich schlug vor, dass wir unseren Arbeiter:innen unsere Musikanlage zur Verfügung stellen, damit sie auch ein bisschen Partystimmung machen können. Zusammen wollten wir dann Dinner for One schauen. Das Internet war allerdings ziemlich hoffnungslos überstrapaziert und ich musste einen Hotspot auf mein Telefon machen, dann funktionierte es aber super und wir mussten alle so lachen – zum x-ten Mal – über diese Geschichte mit “Same Procedure as every year”. Einfach herrlich, wenn Humor in verschiedenen Kulturen und Sprachen funktioniert. Zuerst mussten sich die Jungs aber noch mit Sofa beziehen beschäftigen – gar nicht so einfach – aber es kam super raus.

Weil ich noch Rotwein hatte, auf den ich gar keine Lust hatte, lud ich alle auf ein Glas ein, offerierte ein paar Chips und da sassen sie nun auf meinen neuen Sofas und alle fühlten sich ganz glücklich.

Mbuche hing zwar mehr in den Seilen und ich habe ihr ein Kissen, damit sie aufrecht schauen konnte. Plötzlich sagte sie au, jetzt hat es Rotwein auf dem Sofa!!! Was?! Sie war eingeschlafen und ein volles Glas Rotwein floss über mein neues Sofa und mein neues Kissen. Ich kriegte die Krise. Wie kann man so unvorsichtig sein? Ich griff sofort zu Salz, denn das kannte ich noch aus meiner Vielfliegerzeit: an Bord hat man das immer so gelöst: Salz und dann mit Mineralwasser abtupfen. Allerdings war der Fleck riesengross – aber: Augen auf bei der Farbwahl – hatte sozusagen dieselbe Farbe wie der Wein.

Trotzdem meinte Bonstone kleinlaut: I think the party is over. Und ich meinte: ja es ist wohl besser, wenn ihr jetzt schnell rausgeht. Ich weiss, sie hat es nicht absichtlich gemacht aber hier einfach zu sagen: ach das macht doch nichts, ich habe jetzt ja nur gerade ein paar Hundert Franken für neue Polster ausgegeben – nein sorry, das entspricht auch nicht meinem Temperament. Auf jeden Fall schauten wir unseren Film noch zu Ende (übrigens sehr zu empfehlen: Rustin auf Netflix) und kurz vor Mitternacht teilten wir unseren Prosecco mit den Mitarbeitende, die vor Ort waren. Mbuche war bereits im Dreamland aber wir tanzten unter dem Sternenhimmel noch ins neue Jahr, das hoffentlich viel Freude, Frieden und wenig Stress bringen wird.

Am nächsten Morgen schlich Mbuche rein und ich kann nur sagen: das neue Jahr beginnt gut, denn der Fleck ist ganz und gar nicht mehr sichtbar. So kann es weitergehen. Happy New Year an alle.

#newyearnewsofa #sameprocedureaseveryyear #happy2024

Do chasch losä – uf Schwitzertüütsch

Hear my blog entry in English

Teilen

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert