Eine neue Generation

Der Grund, weshalb ich mit meinem Blog ins Hintertreffen gekommen bin hat einen Namen: Maurin Büche, 29 Jahre jung. Er ist am 2. Januar in Kenia angekommen. Was er hier machen wird: das sind wir momentan gerade konkret am Herausfinden.

Maurin war mir bei Raiffeisen schon immer positiv aufgefallen. Er hatte mal bei mir ein Seminar besucht und in einem grossen Projekt haben wir zusammen einiges bewegt und erreicht. Wir haben noch einen gemeinsamen Bekannten, zu dem ich ebenfalls einfach einen guten Draht habe, das ist Raphi Baer. Meine engeren Freunde wissen: ich habe schon immer von diesen beiden jungen Männern geschwärmt. Ich fand sie einfach aussergewöhnlich und anders als Männer jeglichen Alters. Also gewissermassen „alles ausser gewöhnlich“. Ich finde sowieso, dass Männer um die 30 in der Schweiz echt eine ”neue Generation” sind. Intelligent, interessiert, nicht karrieregeil, ohne Gender Bias und einfach rundum tolle Menschen mit denen ich mich gerne austausche und mit denen ich gerne über das Leben (und den Tod) philosophiere. Mit dem Fakt, dass diese beiden auch Pfader sind hat, es bestimmt auch einen Zusammenhang. Die Werte, die in der Pfadi weitergegeben und gelehrt werden diese transportieren sie auch in die Arbeitswelt und in ihr privates Leben. Kurzum: ich liebe den Austausch mit ihnen.

Mit Raphi und Maurin hatte ich also immer wieder Kontakt. Mal kamen sie an ein Benefizessen von Pro Ganze, mal trafen wir uns auf einen Burger, dann kochte ich etwas zuhause und das in unregelmässigen Abständen. Maurin verhalf mir zu einem Auftrag beim KFMV Ostschweiz und vor allem entstand dort wieder ein wunderbarer Kontakt zu einer Namensvetterin, deren Freundschaft ich enorm schätze und bei einem Seminar, das ich dort halten durfte entstand wieder eine tolle Freundschaft mit einer Seminarteilnehmerin, die es total drauf hat. So lebe ich das Thema „Netzwerk“ täglich und egal, ob ich in Kenia oder in der Schweiz bin.

Maurin habe ich bisher (ausser bei PWC, die Firma ist mir einfach zu wenig sympathisch) an all seinen neuen Arbeitsplätzen besucht. Er ist sich stetig am Verändern, bildet sich weiter, nutzt seine Karriereschritte nicht nur vertikal sondern auch horizontal. Ihm ist es wichtig, dass er seine Werte auch in der Firma, in der er arbeitet wieder erkennen kann. Und in diesem Zusammenhang hat er letztes Jahr seinen Job gewechselt und sich überlegt, ob er in der Zeit zwischen Jobs etwas Sinnvolles machen kann. Sinnvoll für seinen Lebensweg aber auch sinnvoll für die Menschheit. Er setzt sich nämlich auch intensiv mit Umweltthemen auseinander, ist sein ganzes Leben schon Vegetarier und auch sonst ein sehr reflektierter Mensch. Durch meinen Blog und meine persönlichen Erzählungen aus meinen Kenia Erfahrungen hatte er die Idee, das Thema bei Pro Ganze bzw. bei einem Besuch in Kenia umzusetzen. Er fragte mich schon früh, was denn sinnvoll wäre, was er machen könnte bei uns und was allen etwas bringen würde. Meine Antwort auf eine solche Frage – die ich ab und zu erhalte – ist immer: ja was kannst du denn? Ich denke, dass ich das hier schon öfters erwähnt habe: Handwerker:innen sind halt eindeutig am Nützlichsten: egal, ob du kochen, zimmern, sanitärlen, nähen, frisieren, autoflicken oder bauen kannst: das kann hier als Vorbild zur Anwendung deiner Fähigkeiten kommen. Zudem zeigt es auch den Menschen hier auf, dass nicht alle an eine Uni müssen um einen guten Lebensweg einschlagen zu können. Und daher ist es manchmal mit reinen Kopfmenschen oder „Bürogummis“ eher schwierig zu sagen, was sie hier beitragen können.

Maurin hatte zu seinem Bürogummi-Sein und seinem Hirnschmalz noch das grosse Asset: Pfadi. Weil ja auch unser Radiomoderator Enrico ein Pfader ist hatten wir 2021 bereits einmal eine lange Zoom Session zwischen der Pfadi Jaribuni und der Pfadi Speicher organisiert und es war eine super Erkenntnis für beide Seiten. Ich glaube der Anlass blieb allen in bester Erinnerung.

2022 begann dann Maurin darüber zu sprechen, dass er gerne mal nach Kenia kommen möchte und in ein Projekt eintauchen möchte. Ab März 2023 fingen wir dann mit einer konkreteren Planung an und ich bereitete ihn schon mal darauf vor, dass bei uns am College das Thema „Entrepreneurship“ auf dem Stundenplan ist und ich mir sehr gut vorstellen könnte, dass er das unterrichtet, nebst nachhaltigen Projekten wie Abfallmanagement, die natürlich auch sehr wichtig sind. Auch meinte ich, dass ein Monat das absolute Minimum sei für einen Aufenthalt und wir einigten uns dann auf zwei. Als Muzungu muss man sich ja auch zuerst akklimatisieren, denn besonders in den Wintermonaten ist die Temperatur schon sehr gewöhnungsbedürftig im oberen Bereich. Seine Frage, ob er auch mit „öffentlichen Transportmitteln“ anreisen könne beantwortete ich inoffiziell mit einem Schmunzeln (vielleicht sogar mit einem kleinen Kopfschütteln) und ihm gegenüber mit dem Aufzeigen von Krisenländern rund um Kenia, die bestimmt nicht über öV verfügen sondern ihn wohl eher abknallen würden auf der Strecke… Dann war auch noch das Thema Kilimanjaro besteigen in der Luft und da ja auch im Januar/Februar jeweils die FHNW Student:innen hier sind habe ich ihnen schon mal „voneinander“ erzählt, da diese ähnliche Pläne hatten. Da er dann auch noch seinen Job wechselte gab es keinen „Aufenthalt zwischen zwei Jobs“ aber er konnte an der neuen Stelle bereits aushandeln, dass diese Auszeit folgen würde. Wobei Auszeit total das falsche Wort ist. Also auf jeden Fall für Maurin. Denn kaum kam er am 2. Januar am Flughafen an begann schon am ersten Tag das Programm: nach Marere fahren, Gepäck deponieren, weiter nach Kilifi und meine Bekannte, die französische Journalistin treffen und mit ihr heftig über Politik diskutieren, auf dem Markt einkaufen, bei Jumia den Kasten abholen, der in die Gästezimmer gehört, den Naivas kennenlernen und dann wieder retour nach Marere und gleich ausprobieren, ob er ein Piki Piki (Töffli) fahren könnte um ihn unabhängiger zu machen.  Also gar nichts von „aus“, wenn schon, dann eher „ein“. Es folgten dann weitere Abenteuer von denen ich dann auch eins ums andere berichten werde – ich kann nur sagen: unsere Konversationen zu allen möglichen Tages- und Nachtzeiten sind ein echter Deep Dive in philosophische Themen, die Gott und die Welt wie auch eine Welt ohne Gott betreffen.

Ich darf gar nicht schreiben, wie glücklich ich bin, Maurin hier zu haben, denn es könnte kitschig werden oder eifersüchtige Reaktionen hervorrufen. Allerdings stimmt das nicht, denn auch Peter ist voll begeistert von Maurin und freut sich, wenn sich jemand auch für politische Themen interessiert. Maurin bereichert mein Leben gerade über alle Massen und auch wenn ich nicht alle der vielen Fragen von ihm beantworten kann: sie geben auch mir immer wieder Gelegenheit, über Sinn und Unsinn von Entwicklungshilfe zu reflektieren, mir Gedanken zu machen über unser Engagement hier und auch meine zukünftigen Wege in einem neuen Licht zu beleuchten. Ich kann nur sagen: Blog schreiben ist spannend aber Marere aus Maurin’s Sicht täglich anzuschauen noch viel mehr.

Maurin möchte Projekte unterstützen und er hat eine WhatsApp Gruppe aufgemacht, in der er am 23. Januar von 17.30 – 18.30 von seinen Erfahrungen berichten wird. Da ihn ja auch einige meiner Freunde und Freundinnen kennen und es für meine Blogleser:innen spannend sein dürfte, da mit dabei zu sein darf ich nach Absprache mit ihm den Link hier teilen:

Bald gohts scho los und denn bini zwei Mönät in Kenya – gnauer gseit in Ganze. I mach en Deep Dive id Kultur und versueche us mim Studium und suscht bescheidene Lebenserfahrige Wüsse apasst uf d’Region de junge Erwachsene vom Marere College witerzgeh.

Wenn’s di Wunder nimmt, wa da gnau heisst, wie s’Lebe döte ufm Land isch und wiemer die Region suscht konkret chan unterstütze, ladi zumene Teams Termin am

*Dienstag, 23. Januar, 17:30 – 18:30 Uhr *i,

tritt dere Whats App Gruppe bi (kai Angst i verteile suscht kai Spam) – i teile nume döte denn de Link!

https://chat.whatsapp.com/JiVjA6tLD3k1mXFQ379eUb

Es freut mi mega wenn du dir chasch Zit neh, Lieber Gruess Maurin

Sei doch auch mit dabei und höre „live“ von Maurin’s Erfahrungen. Ich kann bereits versprechen: sie sind vielschichtig! Und vielschichtig geht es bei uns in Marere weiter. Wir bleiben dran!

#waskannichbeitragen #deepdive #philosophischegespräche

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1 Kommentar zu «Eine neue Generation»

  1. Freut mich, dass ein weiterer interessanter Mensch den Weg nach Ganze gefunden hat.

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