Uniformen machen stolz

Eine der letzten Handlungen, die Maurin und ich in Marere vornahmen war eine Mitarbeiter:innen-Sitzung. Wir versammelten Mbuche, die für das Housekeeping zuständig ist, Samuel, unseren Koch und Dominic, den Gärtner. Sie hatten begonnen etwas gegeneinander zu arbeiten. Das heisst, wenn mal einer nicht da war, dann wurde die Arbeit des anderen nicht automatisch übernommen. So sagten wir allen drei, dass sie zusammenstellen müssen, was sie denn täglich so tun. Bei Mbuche hatte ich das schon längst gemacht und es fruchtet jeweils nicht besonders viel aber für die anderen zwei war es neu. Es ging auch darum, ihnen aufzuzeigen, dass sie nicht wirklich total überlastet sind und schon noch ein paar Zusatzaufgaben erledigen können.

Sie waren ganz stolz darauf, dass es eine solche Sitzung gab, denn wir veranstalteten sie in unserem kühlen Wohnzimmer und das ist dann schon fast «Executive Style». Auf jeden Fall haben alle versprochen, dass sie in Zukunft mehr kooperieren würden, auch wenn mal jemand nicht da ist. Wir werden sehen – bzw. ich werde das nächste Mal sehen ob es wirklich klappt aber die Hoffnung ist da. Es war für sie auf jeden Fall eine Wertschätzung gehört zu werden. Mit dem Principal des College habe ich ja jede Woche ein Zoom Meeting wenn ich in der Schweiz bin und das läuft ganz gut so.

Am Schluss haben sie sich dann irgendwie rumgeduckt und wollten noch etwas sagen. Dann sind sie endlich damit herausgerückt: sie möchten unbedingt Uniformen haben meinten sie unisono. Maurin und ich tauschten verwunderte verdutzte Blicke aus. Ich fragte mich, wie man überhaupt auf so eine Idee kommen könne. Aber das bin einfach ich – Barbara – die gar nicht gerne in Uniformen gesteckt wird (Erinnerungen an ein Jahr in Blau mit Nadelstreifen an der Academy Euregio Bodensee kamen hoch…) aber ich war bereit zuzuhören.

Schweizer Sackmesser nach der Sitzung

Das würde ihnen eben mehr Gewicht geben. Man würde dann erkennen, dass sie eine gewisse Wichtigkeit hätten und so könnten sie sich gegenüber den anderen abheben. Auch wenn Besucher kommen würden, dann wüssten diese gleich wer denn hier zum Staff gehört. Und ich fragte wirklich doppelt und dreifach nach: wollt ihr das wirklich? Bei unserem Security Guard Bonstone wusste ich ja, dass er schon lange wie ein Polizist aussehen wollte aber ich kam irgendwie aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ich versuchte, mir nichts anmerken zu lassen und sagte dann mit einer sehr offiziellen Stimme: Diese Idee finde ich gar nicht schlecht. Dann seid ihr auch immer sauber angezogen und müsst nicht die eigenen Kleider zum Putzen, Gärtnern und Kochen benutzen.

Holt doch mal eine Offerte bei der Schneiderin Dama ein und dann werden wir weiter sehen. Das Ganze hat mich am Schluss dann einiges gekostet, denn beide brauchen ja 2 Sets und der Kuhirt und später noch der Ziegenhirt und die Kinderpflegerin und eben der Security Guard kommen ja dann auch noch mit dazu. Und ja klar: Schuhe bräuchten sie auch noch und Schürzen…

Ich habe also nicht wenig für all das ausgegeben. Aber wenn ich jetzt beim Foto und bei den Videos (Marere’s next Topmodel lässt grüssen) reinschaue, dann muss ich schmunzeln. Diese Leute haben einen höheren Status durch Uniformen gekriegt und ich habe ihnen diesen Wunsch noch so gerne erfüllt. Bonstone, der Security Guard, hat mir geschrieben, dass sein grösster Wunsch in Erfüllung gegangen sei und er mir aus seinem ganzen Herzen danke. Es gibt jetzt noch Namenstäfelchen und weitere Bilder folgen… Die Muzungu und Nicht-Uniformen-Trägerin Mama Kaya hat etwas dazugelernt.

Hier geht es zum Video:

#uniformsmakeproud #proudjob

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2 Kommentare zu «Uniformen machen stolz»

  1. Peter Füllemann

    Hoi Barbara
    wirklich schön zu sehen, wie sie sich darüber freuen, 🤗 es sind ja auch sehr schicke Uniformen. 👋 Danke für den Blog. Wir sind jedesmal gespannt auf deine Nachrichten. 👍🏼
    Liebe Grüsse Onkel Peter und Margrit 🙋‍♂️🙋🏻‍♀️

    1. Ja gell, die Dama ist schon eine Künstlerin. Ich habe gesagt: das nächste Mal müssen sie noch etwas lächeln 😝

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