Allzeit bereit – be prepared

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Vor ein paar Tagen hat Enrico, der Leiter der hiesigen Pfadi
angekündigt, dass sie den Geburtstag von Sir Robert Baden Powell – dem Gründer
der Pfader – hier feiern möchten. Sie würden 2 Ziegen organisieren und es wäre
toll, wenn ihr Chairman (dazu haben sie Peter vor 2 Jahren ernannt – er konnte
sich nicht wirkich mehr daran erinnern) erlauben würde, dass sie das in Marere
machen. Da sie sich immer am Samstag treffen, würden sie das 2 Tage vor dem
Geburtstag machen. Funfact: Baden Powell hat in seinen letzten Jahren seines
Lebens (er wurde 84) in Kenia gelebt und ist in Kenia beerdigt und daher ist es
heute für alle Kenianischen Pfadis ein grosser Festtag – es wird sogar am TV
übertragen!

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Seine schönsten Aussagen waren:

“But the real way to get happiness is by giving out
happiness to other people. Try and leave this world a little better than you
found it”

„Doch der
wahre Weg, Glück zu erlangen, besteht darin, andere Menschen glücklich zu
machen. Versucht, die Welt ein bisschen besser zurückzulassen, als ihr sie
vorgefunden habt.“

Dieser Enrico – der Leiter der hiesigen Pfadi ist ein ganz
witziger Typ, immer cool angezogen mit seinem Hustler Hut und mit bunten
Outfits (dafür habe ich einfach eine Schwäche) und er scheint auch sehr
entschlossen zu sein, mit 50 Leuten hier aufzukreuzen Er schickt mir dann auch
sein Programm via Facebook, er ist also auch vernetzt. Und das bin ich auch und
so frage ich ihn, ob ich mal meine Fühler ausstrecken soll, denn ich kenne in
der Schweiz ja DEN Pfader schlechthin. Mein guter Freund Maurin Büche. Ich sage
guter Freund, denn ich kenne kaum einen anderen jungen Mann (ausser seinem
besten Freund, gäll Raphi…), mit dem ich besser zusammengearbeitet hätte, dem
ich mehr vertrauen würde und der mir sogar schon zu spannenden Kooperationen
verholfen hat.

Ich weiss, er ist extrem spontan aber ich weiss zu dem
Zeitpunkt noch nicht, dass sein Pfadiname Flex ist, weil er schon – wie er
später selber sagt – seit er 7 ist flexibel ist – und es definitiv geblieben
ist bis zum heutigen Zeitpunkt. Nie ist er sich für etwas zu schade, nie scheut
er sich vor Veränderung, nie hört er auf sich weiterzubilden. Ich weiss. ich komme
ins Schwärmen und ich habe allen Grund dafür. Also diesen Maurin kontaktiere ich
via WhatsApp und es geht nicht lange kommunizieren wir bereits für das Drehbuch
dieses Anlasses. Wir spinnen ein paar Ideen und die Sache läuft. Ich
organisiere ein Zoom Meeting und er ein paar seiner Kolleginnen und Kollegen
(die Pfadi Speicher hat vorbildlicherweise auch Frauen dabei) und sie hecken
einen Plan aus.

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Enrico ist natürlich begeistert, denn das Thema auf der
Einladung ist – nebst der Geburtstagsfeier – „Technologie“ dann passt eine Zoom
Session ja hervorragend.

Ich plane auf eine Zeit, die meines Erachtens klappen
könnte, denn die Verspätungen müssen mit eingerechnet werden. So legen wir das
Meeting auf 10.00 h CH Zeit und 12.00 h Kenia Zeit fest. Um 09.30 h machen wir
einen Testlauf und es klappt hervorragend. Ich habe am Morgen noch eine geniale
App heruntergeladen, die es mir erlaubt, das i-Phone als 2. Kamera einzusetzen.

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Die Pfader machen dann irgendwann ihre Eröffnungszeremonie.
Alles recht militärisch aber das gehört auch dazu. Sie beginnen dann mit dem
Aufräumen des Gartens und ich muss sie dann doch noch zusammentrommeln, damit
sie um 12.00 Uhr auch wirklich in der Halle erscheinen. Es sind etwa 35
Personen und sie sitzen alle gespannt da und warten, was da abgehen wird. Wir
kämpfen mit ein paar Schikanen: der Ton kommt nicht über den Beamer bei einem
Zoom Meeting, obwohl wir via HDMI Kabel verbunden sind und so muss ich halt
noch wiederholen, was gesagt wird. Die Crew in der Schweiz hat eine megatolle
Präsentation vorbereitet. Ein bisschen Fakten zur Schweiz, dann die Vorstellung
des Speicher-Teams und dann die allerlustigste Idee: sie singen einen Song vor,
bei dem man gewisse Bewegungen machen muss und das gibt jetzt in Kenia richtig
Stimmung. Das Lied von Olaf verstehen sie zwar nicht, aber die Body Percussion
machen sie enthusiastisch mit.

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Irgendwann mittendrin haben wir auch noch einen Stromausfall
aber nachdem Peter persönlich auf Solar umgestellt hat geht es wieder weiter. Die
Kenianer lassen sich nach der Songeinlage nicht lumpen und singen ein Lied, das
sie kennen. Damit haben die Kenianer ja nie Probleme.

Kenias Antwort auf das Schweizer Lied:

https://youtu.be/MgB-nN9b6EU

 Danach können sie noch
ein paar Fragen stellen und wir verabschieden uns mit viel Gewinke voneinander.

Danke an die Schweiz

 https://youtu.be/DuQU5CIkIfY

Was für eine sensationelle Umsetzung von einer schweizerisch
– kenianischen Kooperation. Natürlich möchten jetzt alle, dass die Schweizer
nach Kenia kommen und hier vielleicht ein Camp veranstalten. So wie ich Maurin
kenne ist das kein Ding der Unmöglichkeit! Das wäre ja ein Riesenspass! Und wer
weiss, vielleicht haben wir die Pfadi Speicher (oder auch eine an einem anderen
Ort) jetzt dazu animiert eine Sammlung für Kenia durchzuführen, damit sie auch
hier bald die Uniformen kaufen können, auf die sie so stolz sein werden!

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Danach gibt es noch Infos über das Kauma CBO und natürlich
hat Peter auch noch einen Speech zum Marere College, denn das ist ja genau
unsere Zielgruppe. Danach gibt es noch ein Defilee vor der Halle und natürlich
nochmals Speeches, bei denen auch ich wieder dranglauben muss. Sie wollen mich
auch zur Chairlady machen und meinen, ich müsse dann eine Uniform tragen. Das
baue ich gleich in einen Speech ein: Barbara und Uniform das geht nicht (das
letzte Mal 2006 war an der Academia Euregio Bodensee als ich 1 Jahr lang einen
Nadelstreifen Blazer tragen musste – Hilfe!!). Ich erkläre ihnen, dass wir sehr
viel Verständnis für ihre Anliegen haben (sie brauchen Transport, sie können
die Uniformen nicht selbst finanzieren, sie haben kein Wasser und keinen fixen
Ort an dem sie sich treffen können). Ich erkläre ihnen aber auch, dass Peter
ebenfalls seit 2017 keine Anstellung mehr hat und dass ich nicht das ganze Jahr
in Kenia sei, weil es für mich einfach auch anstrengend ist (das gerade etwa 10
Minuten nachdem mich so eine aggressive Ameise in den Zeh gebissen hat).
Vielleicht verstehen sie es, vielleicht auch nicht, ja vielleicht verstehen sie
ja nicht einmal alle Englisch.

Ich erzähle ihnen dann von Schweizer Werten und darüber,
dass ich manchmal sehr pingelig sein kann und in jedem Brief einen Fehler
entdecke. Ich erzähle dann die Geschichte vom Kalenderdruck – der mit dem
Fehler Tailorifng (ist ein Blogeintrag) und ich erkläre, dass sie jetzt von
diesem Fehler profitieren können, denn ich werde ihnen jetzt diese teuren
Kalender schenken und sie werden sich beim Fehler anschauen immer daran
erinnern, was ich ihnen sage: Du darfst Fehler machen – aber nicht zweimal
denselben.

Damit diese Kalender auch heil nachhause kommen verschenken
wir allen diese Raiffeisen Turnbeutel, die ich erhalten habe. Sie sind farblich
schlecht gedruckt und wären in der Schweiz entsorgt worden, daher durfte ich
sie nach Kenia mitnehmen. Ihr könnt euch kaum vorstellen, was das für eine
Freude auslöst! Es ist echt herzerwärmend (wobei ich ja schon genug heiss habe,
heute ist wieder mal so ein Tag, wo ich im Dauertropfzustand bin) wie stolz sie
sind: sie machen Fotos, Selfies, wollen mit mir fotografieren und sind
schlichtweg begeistert von unserer Gastfreundschaft.

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Wer das liest (Raiffeisen oder andere Grossfirmen): wenn ihr
solche Werbearitkel habt, die ihr den Kunden aus irgendeinem Grund nicht mehr
verschenken könnt (z.B. ab Sommer die Raiffeisen Bälle, weil es nicht mehr
Raiffeisen Superleague heisst) bitte bitte meldet euch bei mir. Diese Geschenke
bereiten einfach eine Riesenfreude hier.

Danach werden die Ziegen und der Reis verspiesen und es gibt
noch die Baumpflanzaktion. Rund um unseren Zaun werden kleine Bäumchen
gepflanzt. Zuerst von Peter, dann von mir und dann alle restichen. Ich
fotografiere zwischen der Unterwäsche, die am Stachelzaun hängt und sehe
einfach nur glückliche Gesichter. 

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Später „erwische“ ich sie noch dabei, wie sie
an meinem Laptop sitzen und Fotos machen und dann muss ich natürlich noch für
eine Fotosession-Runde mit allen hinhalten. Aber das mache ich gerne, denn
heute habe ich eine grosse Hoffnung gesehen in der Jugend von Ganze.

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Allzeit bereit haben sie bewiesen wie noch nie und am
Schluss hat niemand auch nur nach einem Shilling für die Rückreise gefragt. Ich
bin zutiefst beeindruckt: von der tollen Schweizer Vorstellung und von den
jungen Leuten hier vor Ort! So geht nachhaltiger Einsatz! Be prepared for this
generation!