Immer wieder – Big Five for Life!

Wir wussten schon mehrere Monate, dass die 3 angehenden Primarlehrerinnen der FHNW nach Marere kommen würden. Die Neu- und Umbuchungen waren ziemlich turbulent. Die 2 Studentinnen, die nach Marere hätten kommen sollen trauten sich plötzlich nicht mehr und haben abgesagt, dafür haben wir die Anfrage von 3 anderen erhalten, bei denen ihre Einsatzländer ihnen abgesagt hatten… und dies zum Teil, obwohl sie den Flug bereits gebucht hatten.

Aber ihr kennt uns: Peter wie ich sind flexibel und so haben wir noch eine 2. Schule organisiert, die sich über die Studentin freut, die kommt. Schon beim ersten Kontakt haben Simona und Julia, die an die Marere Primary gehen werden, angemeldet, dass sie nach Nairobi fliegen würden und zuerst unbedingt noch in die Masai Mara auf Safari gehen möchten. Die dritte Studentin, Lisa, plante ihren Einsatz schon etwas früher und hatte noch 3 Tage um sich zu akklimatisieren. Nicht ganz uneigennützig schlug ich vor, ob sie nicht auch eine Safari machen möchte. Ja also alleine auf Safari, darauf hätte sie keine Lust. Aber ich war natürlich mit meinem Angebot schnell zur Stelle: ich begleite dich gerne. Bedingung ist nur, dass du mite einer Schnarcherin schlafen kannst, ich beschaffe dir aber gerne Oropax… Und so kommt es, dass ich mit Lisa aus Aesch BL und dem bereits bekannten Fahrer Alibaba auf Safari gehe. Die ganzen Offerten kamen so schräg daher, dass ich sie leserlich und verständlich aufbereitet habe. Das Angebot von Coco Safari ist preislich sensationell und natürlich ein Freundschaftspreis, da sie ausser Fahrer/Benzin/Automiete gar nichts draufschlagen. Einzig terminlich mussten wir koordinieren, weil sie ja nur einen Bus und einen Fahrer haben… Da Lisa in Mombasa ankommt haben wir dann auch Tsavo West ausgewählt und die Zeitdauer war sowieso klar: wir hatten nur 2 Nächte Zeit, da Lisa am Montag mit Schule halten beginnen wird.

Am Abend vor der Abreise schreibt mir Julia, dass sie Probleme mit dem Visum habe. Es stehe immer „invalid“ und sie habe immer noch keine Bewilligung zur Einreise erhalten – ihre Kollegin Simona aber schon… Ich versuche alles um herauszufinden, was wohl falsch gelaufen ist. Der Visumsantrag ist so etwas von kompliziert beschrieben, dass es da schon einige Fehler geben kann. Man muss z.B. unbedingt „Tourism“ auswählen, sonst braucht man noch einige Angaben vom Host etc. Zudem muss das Bild, das man herauflädt ganz genau in den Dimensionen stimmen und wenn irgend etwas fehlt oder man eine Frage falsch beantwortet hat, dann gibt es Probleme. Julia hatte das Wort „Passfoto“ falsch verstanden und dachte, dass damit die Foto aus dem Pass gemeint sei. Das habe ich gesehen und war mir sicher, dass es einer der Fehler war. Dass es damit Probleme geben kann hat mir auch Esther Wieser von Pro Ganze bestätigt, die auch keine Hilfe vom Konsulat erhalten hat und dann einfach alles ausgedruckt hat inkl. der Bestätigung der Bezahlung von USD 51. Und Lisa hat mir dann auch noch bestätigt, dass neben ihr bei der Einreise 2 Touris gar kein Visum hatten weil sie sagten, dass sie last minute gebucht hätten und daher gar keine Zeit für einen Visumsantrag hatten. Der Polizeiofficer am Flughafen hat die dann doch reingelassen. Mit dem ganzen hin und her wird es dann auch spät und ich halte Julia quasi in Gedanken die ganze Nacht die Daumen gedrückt, dass es noch klappen wird.

Und am Morgen kommt die „Entwarnung“ – sie wurde aufgefordert, eine neue Foto hochzuladen und die ID des Hosts anzugeben. Ich organsiere ihr die ID Kopie von Peter und ein paar Stunden später meldet sie: das Visum hat geklappt. Eine weitere halbe Stunde später: aber jetzt haben sie uns den Flug annulliert!!! Geplant war mit Emirates über Dubai. Mist.. das hat ja dann einen ganzen Rattenschwanz an Problemen mit sich: kein Flug, keine Safari, keine Internship??? Undenkbar. Ich bin sehr sehr froh, als 1 Stunde später wieder Entwarnung kommt: sie haben mit Lufthansa via Frankfurt gebucht und kommen ein paar Stunden später als ursprünglich geplant am Sonntag in Nairobi an. Gott sei Dank hat das geklappt.

Mit Alibaba machen Lisa und ich uns auf den Weg zur Safari. Ich habe 1 Nacht Salt Lick Lodge im Taita Hills Sanctuary und 1 Nacht in der Voyager Ziwani Lodge vorgeschlagen. Salt Lick weil vor deinem Fenster ein Tierfilm vorbei zieht und Ziwani für die Hippos, Krokodile und die Walking Safari. Ich habe alle Frauen vorher gefragt, welche Tiere sie am meisten interessieren und Lisa meinte: ich nehme, was kommt. Diese Einstellung gefällt mir natürlich, denn ich mag nicht so „Tiersammler“. Genau so wenig wie die „Destinationensammler“ im Tourismus. Das Erlebnis selber zählt, egal ob man jetzt die Big Five: Elefant, Nashorn, Leopard, Büffel und Löwe gesehen hat. Bevor wir von der Hauptstrasse abzweigen gibt es den obligaten Stop im Souvenirladen und ich streite mit dem Shopkeeper über den Preis. Ich habe schöne Wandbehänge gesehen, die ich gerne für die Gästezimmer kaufen würde aber seine Preise sind horrend. Also nicht mal überteuert sondern jenseits!!! Da fange ich schon gar nicht erst zu verhandeln an. Ich werde etwas laut und er bittet mich leiser zu reden, da schon das nächste Touristenauto reinkommt und er nicht will, dass man mich hört sagen, dass es viel zu teuer sei. Er sagt aber, dass er mir einen speziellen Freundespreis geben möchte, da er mich ja noch vom letzten Jahr kennt. Ich bin nicht in grosser Handelslaune, kaufe dann aber doch ein paar Sachen zusammen und Lisa nimmt 2 hübsche Maasai Statuen. Ich handle den Preis um 30% runter und habe immer noch das Gefühl, zu viel bezahlt zu haben. Aber alleine die extrem saubere Toilette ist ein paar Franken wert…

Danach müssen wir noch etwas Luft aus den Pneu lassen, denn wir sind bald im Safari-Land! Taita Hills ist nicht weit von der Hauptstrasse entfernt. Da scheint eine Veranstaltung im Gang zu sein. Ich sehe irgendwelche T-Shirts mit dem Aufdruck Raila und scherze: ist wohl Raila Odinga (der möchte-Gern-zum-fünften-Mal Präsident-werden-alte-Knacker) in the house? Die vielen Autos deuten echt darauf hin und da steht auch ein Helikopter und ein Kleinflugzeug… Wir werden etwas stehen gelassen, was mir gar nicht gefällt, denn wir sind jetzt ready for lunch. Also warne ich Lisa davor, dass ich gleich ein bisschen die Zicke raushängen werde. Unser Fahrer geht sich erkundigen und in der Zwischenzeit wollen sie uns fast „wegscheuchen“ aber ich werde mich jetzt nicht ans Steuer setzen und das Auto wegfahren und sie haben nicht mit Mama Kaya gerechnet. Im Gegenteil: ich beklage mich gleich an mehreren Stellen, dass es ja gar nicht geht, dass man Touristen einfach so stehen lässt und wenn ich gewusst hätte, dass Raila hier wäre dass ich dann gar nicht gekommen wäre und überhaupt, ich sei nicht gewillt in meinem Urlaub zu warten bis ich endlich etwas zu essen bekommen könne etc. etc. Es wirkte und wir wurden zur Reception begleitet. Dort vergass man auch noch, uns zu begrüssen, was ich dann auch gleich kommentierte und fragte, ob wir überhaupt willkommen seien. Wir könnten auch gleich wieder abreisen und ein anderes Hotel suchen…. (Motz, motz, zickig, zickig). Oups, jetzt wurde die Sylvia an der Reception aber sehr aufmerksam und bemühte sich gleich, uns ein sehr schönes Zimmer zu geben und uns sofort in den Speisesaal zu begleiten. Also: geht doch!!!

Ich hatte es noch so in Erinnerung: das Essen ist hervorragend in der Salt Lick Lodge. Eine riesengrosse Auswahl und sehr freundliche Bedienung. Draussen sahen wir tatsächlich, dass alle um Raila Odinga rumschwänzelten.

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Kaum bewegte er sich, bewegte sich der ganze Tross mit ihm. Zum Glück waren sie in einem anderen Raum am Mittagessen. Da ich ja genau Fan der Gegenpartei bin hat es mich tatsächlich unter den Nägeln gebrannt, zur Gruppe zu rennen und „UDA Kazi ni Kazi“ (der Wahlspruch von Ruto) zu rufen. Aber ich kenne mich ja all zu gut aus mit der Politik und so liess ich es tunlichst sein, denn sonst hättet ihr mich wahrscheinlich im Knast besuchen können. Und ich wollte ja auf die Safari… Wir fuhren dann hinaus zur Salt Lick Lodge, einem Hotel, das auf Stelzen gebaut ist und die Tiere laufen unten durch und kommen zur Wasserstelle. Allerdings waren dieses Mal nicht so viele zu sehen. Nur abends kam eine riesige Büffelherde und 2 Elefanten, die prompt mit einem Büffel einen Fight austrugen. Aber das Geniale an diesem Hotel ist, dass du im Zimmer auf dem Bett liegst und vor dir tatsächlich ein Tierfilm abläuft. Zudem dürfen Kinder nicht ohne Eltern rumlaufen und es hatte dieses Mal sowieso wenige Touristen und gar keine Kinder. Es ist einfach nur Natur und Ruhe. Das gefällt mir in meinen Ferien…

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Wir machten dann Abends und am nächsten Morgen früh zwei Game Drives und hatten wieder mal ein unglaubliches Glück: wir sahen zwar nicht riesige Herden von Tieren aber eine unglaubliche Vielfalt. Und sogar eine Löwenmama mit ihren Kleinen und auf dem Lion Hill – dem Namen gerecht werdend – einen grossen männlichen Löwen. 

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Wir waren ganz aus dem Häuschen und einfach happy. Am Morgen wurden wir von einer Gruppe Gibons fast daran gehindert vom Zimmer bis zum Speisesaal zu gehen aber ein Wächter kam uns mit einer Steinschleuder zu Hilfe, nachdem ich Alibaba telefonisch informiert hatte. Er musste sie nur hochheben und schon waren sie verschwunden. Notiz an mich: Steinschleuder gehört ebenfalls noch ins Gepäck für eine Safari!

Mit Alibaba zu reisen ist ein Vergnügen: er ist zuvorkommend, hat unglaublich gute Augen und einfach unzählige lustige und kuriose Geschichten, ohne aber aufdringlich zu werden. Und so zu zweit in einem Gefährt zu sein, das für 6 Personen locker Platz bietet ist ein fantastischer Luxus. 

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Lisa hat sich als begabte Fotografin entpuppt, was mir recht war, denn ich komme mit meiner Spiegelreflexkamera immer noch nicht richtig zurecht. Aber als dann ein russisches Pärchen neben uns parkte mussten wir kapitulieren: ein solches Teleobjektiv konnten wir nicht bieten. Wow – wie zwei riesengrosse Kanonen schossen sie ihre Bilder. Fast ein bisschen pervers, aus einem bequemen Safari-Range Rover mit getarnten Super-Teleobjektiven zu schiessen. Wir haben uns amüsiert und ganz oft einfach den Moment genossen ohne alles gleich festhalten zu müssen.

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Am 2. Tag ging es los in Richtung Ziwani Lodge am Rande des Tsavo West Nationalparks. Dort war ich letztes Jahr schon mit Astrid und ich war so begeistert von den Zelt-Zimmern, vom Essen (echt spitzenmässig) 

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und von der Aussicht mit den Hippos, Krokodilen und dem Kilimanjaro, dass ich es Lisa vorgeschlagen hatte. Zudem kann man auch Walking Safaris machen, die einfach noch mehr echtes Safari-Feeling vermitteln. Lisa war es ganz schön mulmig zumute, als uns ein Riesenkrokodil aus dem Wasser anfauchte, weil es grad zwei Tage vorher seine neu geschlüpften Kinder ins Wasser transportiert hatte und diese jetzt verteidigen wollte. Da rutscht trotz Begleitung durch einen Ranger mit Maschinengewehr das Herz auch tatsächlich fast in die Hose. Lisa meinte, dass sie sehr schnell wieder zurück gerannt wäre, wenn sie ein Tier näher an sich dran gesehen hätte. Die Hippos gehören ja auch zu den gefährlichsten Tieren überhaupt. Auf dem Hinweg hatten wir aussergewöhnlich viele Tierskelette gesehen und so erzählten der Guide und der Ranger mit Maschinengewehr, dass es im November aussergewöhnlich trocken gewesen sei und dass es ein sehr trauriger Anblick gewesen sei.

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Viele Elands hätten dran glauben müssen, dafür seien die Hyänen jetzt vollgefressen. Davon konnten wir uns auf der Nachtsafari dann auch überzeugen: wir sahen so grosse Hyänen wie noch nie. Der Nacht-Guide war derselbe wie letztes Jahr und er konnte sich noch daran erinnern, dass er damals ein Chamäleon für Astrid gesichtet hatte, weil sie unbedingt eins sehen wollte. Und siehe da: er hat es auch dieses Jahr wieder geschafft. Diese Guides besitzen wirklich einen zusätzlichen Sinn. Wenn wir noch lange sagen: wo, wo wo? haben sie schon wieder die nächsten Tiere gesichtet.

Da Lisa eine Glücksbringerin war am Vortag als wir die Löwen gesichtet haben wurde vorausgesagt, dass wir auch dank ihr den Kilimanjaro am nächsten Tag sehen würden – was ja eher ein seltenes Bild ist. Und so war es dann auch am nächsten Morgen: der Kili stand da in seiner ganzen Grösse – und mittlerweilen leider auch fast ohne Schnee auf der Spitze. Aber trotzdem sehr imposant und sehr fotogen. 

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Auf der Rückreise durch den Tsavo West war die „Ausbeute“ eher etwas bescheiden aber die vielen Dik Diks hatten dann doch noch einen grossen Jöööh Effekt und die Weaver-Birds in ihren Nestern waren ebenfalls spannend. Zum Abschluss überquerte noch ein grosser Leguan unseren Weg bevor wir uns wieder auf den Heimweg nach Marere machten mit einem kurzen Stop in einem Shop, in dem ich dann meinen Wandbehang noch für einen guten Preis fand.

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Unser „armer“ Chauffeur musste sich dann gleich wieder auf den Weg machen, da ja bereits Simona und Julia in Nairobi ankommen werden und er sie dann nach Masai Mara, Amboseli und Tsavo West Tour begleiten wird. Auch wenn ich erfüllt bin von den drei Tagen: ich hätte gar nichts dagegen, gleich nochmal ein paar Nächte anzuhängen. Aber zuerst mal Duschen, Haare waschen und einen feinen Kaffee geniessen und euch dann mit dem Blog gluschtig machen.

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Eine Safari wird wohl gar nie langweilig. Die Natur, die Tiere, die Landschaft, die Anekdoten: einfach einmalig und momentan in Kenia extrem zu empfehlen, da es immer noch fast keine Touristen hat und man nicht die überteuerten Preise wie an anderen Orten zahlen muss. Ob big five oder auch nur big 3 – eine Safari vergisst du nie in deinem Leben.

Safari njema!!! Safari nzuri sana!!!