Safari njema (gute Reise)

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Nach der Aufregung wegen der Quarantäne für Menschen, die
aus der Schweiz einreisen, war es eine Erleichterung, als diese absurde
Regelung nach 2 Tagen wieder aufgehoben wurde. In der Zwischenzeit hat aber auch
der Minister of Health einen hervorragenden Brief an die Immigration
geschrieben, der es vielleicht sowieso möglich gemacht hätte, dass die
Schweizerin aus dem Team kein Problem für die Einreise gehabt hätte. Insofern
kann ich alle beruhigen: meine Freundin Françoise, die mir den ursprünglichen
Bericht geschickt hat und sich darüber genervt hat und alle, die mit gefiebert
haben, wie es wohl rauskommen wird, können sich wieder entspannen. Aber ich war
schon froh, dass Sabine Zingg mir dann auch die Entwarnungsnachricht von
Travelnews geschickt hat. Anscheinend haben sich die Tourismusfirmen in Kenia
vehement gegen diese absurde Bestimmung gewehrt. Vor allem auch, weil die
Schweizer ja noch ein paar von den wenigen Touristen sind, die überhaupt kommen
und genügend Geld im Land hinterlassen…

Mein Mann meinte ja von Anfang an pole pole (langsam
langsam) jetzt reg dich doch nicht auf, das kommt schon gut. Aber ich wollte
natürlich nicht, dass das Medical Camp, das auf den November geplant ist ins
Wasser fällt und ehrlich gesagt: noch weniger wollte ich, dass meine Safari mit
Astrid ins Wasser fällt!!! Und ihr kennt mich: da ist ein Problem – ich suche
dafür eine Lösung. So war ich schon immer und das ist gewissermassen in meiner DNA.
Einfach zu warten und zu denken: ja das kommt dann schon gut, das ist einfach
nicht meine Art auch wenn es manchmal auch so funktionieren könnte. Ich wollte
auch nicht, dass sie von dieser Quarantäne von jemand anderem erfährt als mir. Ja
und das hat wieder mit meinem ausgeprägten Verantwortungsgefühl zu tun: ich
arbeite dran… Die Vorbereitungen für die Einreise waren aber schon recht
kompliziert: so viele Formulare auszufüllen, so viele Dinge zu beachten: PCR
Test, QR Code von Kenia, Einreiseformular für Österreich (Flug via Wien aber
nur im Transit), Corona-Impfung (Astrid arbeitet im Gesundheitsbereich) etc.
etc.

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Dafür konnten wir es am Flughafen Mombasa dann einfach
machen für die beiden Frauen: durch Peter’s connections konnten wir sie direkt
am Flugfeld abholen. Vor lauter Winken und Begrüssen mussten sie sich zuerst
hinten anstellen und das hätte wohl eine Wartezeit von mindestens einer Stunde
bedeutet aber sie wurden ganz nach vorne geholt und mit dem Koffer
entgegennehmen waren wir in einer Viertelstunde durch! Ich habe schon
angemeldet, dass ich mir das für zukünftige Ankünfte von mir selber auch
wünsche. Es hat dann doch noch Ksh 2000 (fast CHF 20) gekostet aber nach einem
so langen Flug ist man einfach froh, wenn es schnell geht.

Die Fahrt ins Hotel ist kurzweilig, wir machen updates und
Pläne für die bevorstehende Safari und die Meetings mit dem Spital in Kilifi.
Beim ersten Drink an der Bar wird dann auch klar: die Ärztin aus Österreich ist
vom vielen Arbeiten so erschöpft, dass sie auf die Safari verzichtet aber ich
glaube, sie hat echt etwas Grandioses verpasst. Aber egal: wir sind alle alt
genug um zu entscheiden, was für uns passt.

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Ich erhalte noch ein Briefing vom Safari Unternehmen, das
einem guten Freund von uns gehört. Da Astrid ein Bewegungsmensch ist will sie
unbedingt an einen Ort, an dem man sich auch zu Fuss bewegen kann und wir haben
aus dem Erholungsgrund auch 2 Nächte am selben Ort gewählt.

Die Fahrt zur Voyager Ziwani Lodge am Rande des Tsavo West
Nationalparks ist unspektakulär und viel länger als angekündigt, aber mit einem
Halt in einem richtig schönen Souvenirladen (indem sich Astrid ausgetobt hat –
und auch ich merkte, dass ich ein bisschen unter Shopping-Entzug leide) kommen
wir dem Ziel bald näher. 

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Bereits unterwegs fahren wir dem Nationalpark entlang
und sehen schon einige wilde Tiere. Ich bin so froh, dass Astrid auch nicht auf
die Jagd der „Big Five“ aus ist und so geniessen wir entspannt auch die
Sichtung jedes noch so (für Safari-Jäger) unbedeutenden und kleinen Tieres. Die
Italiener sind dafür bekannt, dass nur Löwen und Leoparden für sie zählen –
ansonsten war es keine gute Safari für sie… Wir lassen uns einfach treiben und
freuen uns auf alles, was da kreucht und fleucht…

Die Fahrt geht auch vorbei an der Salt Lick Lodge, an die
ich noch die besten Erinnerungen habe an die Safari mit Eva, wo wir so viel
gelacht haben, dass wir fast Bauchschmerzen gekriegt haben.

Im Sanctuary von der Ziwani Lodge gibt es noch eine gewisse
Verwirrung, weil die Wegweiser falsch platziert sind und ich sehe zum ersten
Mal ein Zebra, das einen „Fehler“ in der Zeichnung hat und mir daher besonders
gut gefällt… später sehen wir auch noch eins, das nur auf der Hälfte des Fells
gestreift ist – es gibt auch hier immer wieder schöne Besonderheiten der Natur.

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Die Ankunft beginnt mit einem reichhaltigen und extrem
feinen Mittagessen: vier Gänge mit Auswahl stehen zur Verfügung und das
Whitecap Bier hätte ich besser nicht getrunken, denn danach ist mir eher nach
Schlafen als nach Game Drive. Aber was gebucht ist muss sein: und die Müdigkeit
verfliegt spätestens beim Ansehen von 5 männlichen Elefantenbullen, die wir
eine ganze Zeit verfolgen können. Eine ganz kurze Zeit weicht auch die Wolke,
die über dem Kilimanjaro schwebt und mir kommt immer das kitschige Lied vom
Kilimanjaro in den Sinn…

Les neiges du Kilimanjaro:

 https://www.youtube.com/watch?v=Mf1vBzl6ei4 

Wow – Elefanten so nahe zu sehen ist ein Herzklopferlebnis
der besonderen Art. Wenn du ihnen in die Augen schaust, entsteht eine besondere
Verbindung. Aber es ist auch immer eine gewisse Angst, dass sie auf dich
zu rennen könnten und dich als Feind anschauen. Aber Alibaba hat schon tausende
Safaris gemacht und so erzählt er auch ein bisschen Safari-Latein und auch
interessante Facts über die Zeit, als er für den African Safari Club gearbeitet
hat (die mit den Zebra Flugzeugen) und auch den Besitzer, den Herrn Rüdin
herumchauffiert hat. Schade, dass diese ganze Dynastie ein unschönes Ende fand.
Wer sich dafür interessiert: ich habe diesen persönlichen Beitrag gefunden:

Was ist aus den ASC Hotels geworden?

https://www.meehr-erleben.de/lander/kenia-a-walk-down-memory-lane-so-sehen-die-asc-hotels-heute-aus/

Dort lese ich auch, was ich gar nicht mehr auf dem Radar
hatte, nämlich die Grösse dieses Unternehmens: 14 Hotels und Lodges, 180 Fahrzeuge, 2 DC8, 1 DC10, 6
Safariflugzeuge, ein Kreuzfahrtschiff, Yachten und und und

In den
Spitzenjahren der 90-er brachte das Unternehmen 60‘000 Passagiere im Jahr nach
Kenia und deponierte nach den politischen Unruhen 2008 die Bilanz. Klar, dass
es auch viele Gerüchte gibt aber ganz sauber waren die Geschäfte damals wohl
nicht. Unser Driver meinte, dass die 2. Frau von Rüdin ihm zum Verhängnis wurde,
sie habe ihn betrogen und in den Ruin getrieben. Fakt ist wohl eher, dass es
mit dem gesamten Tourismus in Kenia seit der Wahl in 2007 und den folgenden
Problemen abwärts ging und auch die Serviceleistung und die Infrastruktur nicht
den Vorstellungen von eurpäischen Touristen entsprachen… Aber auch das gehört
zum Safari-Latein, wie auch seine Angst vor den kleinen Staub-Tornados, da ihm
mal jemand gesagt hat, dass da der Teufel drin sei. Astrid beruhigt ihn und
sagt, dass sie auch ein Teufel sei und die Macht über diese Windhosen habe. Ich
glaube, er nimmt ihr das sogar ab, denn von jetzt an behandelt er sie mit noch
mehr Respekt.

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Von jetzt an
erleben wir drei absolut fantastische Tage. Die Voyager Ziwani Lodge kann ich
vorbehaltlos empfehlen und wir waren so happy, dass wir 2 Nächte gebucht
hatten. (einzig mit Kleinkindern ist es für mich ein „no go“, denn es kann
jederzeit ein Krokodil rumliegen oder das Kind kann ins Wasser fallen, was dann
wirklich tödlich enden könnte) So kannten wir den Staff mit der Zeit, wir
hatten genügend Musse auch einfach mal da zu sitzen und die Hippos und Crocs im
Wasser zu beobachten und einfach einmalige Fotos zu schiessen. Ich hatte ja
letzten Sommer einen Online Fotokurs bei meinem Freund Stefan Rötheli belegt.
Er selber ist total enthusiastisch und hat auch die Geduld vollkommenen
Anfängerinnen wir mir die Spiegelreflex-Kamera zu erklären aber ich merkte: das
ist einfach nichts für mich. Zuviel studieren, zu viel rechnen, zu viel
überlegen. Zudem ist die Kamera meines iPhone 11 einfach auch sensationell… so
habe ich Peter meine Canon D-600 mitgegeben, da er jemanden kannte, der sie
sich für Hochzeiten und andere Festivitäten ausleihen wollte in Kenia. Wenigstens
kommt sich so noch zu einem Einsatz und gekauft hatte ich sie damals auch im
Hinblick auf Safaris in Kenia, denn der Zoom eines Handys ist einfach nicht gut
genug und ich hatte es auf der letzten Safari extrem bereut, keine bessere
Kamera dabei zu haben.

Da wir nur zu
zweit im grossen Safari-Van sind habe ich sie in letzter Minute mit dem
Teleobjektiv zusammen eingepackt. Astrid hatte ihre Kamera auf dem letzten
Tauchgang „versenkt“ bzw. es kam Wasser rein und somit hat die Kamera das
Zeitliche gesegnet. Jetzt haben wir den perfekten Kompromiss: ich liefere die
Kamera und Astrid fotografiert. Und es hat sich so etwas von gelohnt wir
meinten schon: so jetzt müssen wir nie mehr arbeiten, denn wir verkaufen die
Bilder jetzt teuer und setzen uns zur Ruhe. Von meinen vielen
Fotografen-Freunden weiss ich leider auch, dass das nicht der Realität
entspricht, denn auch das Fotografieren ist ein Business, das nicht mehr viel
Geld einbringt. Aber wir haben jetzt Erinnerungen, die einmalig sind. Weil sich
Astrid so sehr die Sichtung eines Chamäleons gewünscht hat geht auch dieser Wunsch
beim Nacht-Game-Drive in Erfüllung. 

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Was für Augen und einen zusätzlichen Sinn
muss man haben um so etwas zu sichten. Aber der Safari Guide sah das Tier
sofort am Ast hängen. Dann könne wir auch in paar ganz witzige Sachen
beobachten, wie die Vögel, die dem Büffel und der Giraffe die Viecher aus der
Nase picken oder die Giraffe, die echt einen Vogel hat. 

Aber auch über die
Hippos, die Dig Digs, die Mombasa-Express Warzenschweine und so viele andere
Tiere erfreuen wir uns. Eine Safari ist unbeschreiblich schön: du lebst im
Moment, du denkst an nichts anderes, du gibst dich einfach der Natur hin. Und
im Ziwani isst du zwischendurch hervorragend (alles serviert, kein Buffet) und
schläfst nachts wunderbar zu den Geräuschen der Natur. Nur aus dem Zimmer, das
mehr eine Art Luxuszelt ist, darfst du nicht raus, denn nachts kommen die
Hippos und Krokodile ans Land und fressen das Gras ab. Aber auf diese Idee sind
wir nicht gekommen, denn wir sind abends richtig schön müde – für mich fühlt es
sich ähnlich an, wie nach dem Skifahren (natürich ausser der Temperatur, die
mich schwitzen lässt)…

Was besonders
toll ist, das sind die Walking Safaris – wir sehen nicht unbedingt viele Tiere,
aber diese dann aus nächster Nähe. Und die Gespräche mit dem Guide (mit Speer)
und dem Aufseher (mit Gewehr) sind spannend wie immer. Sie sind sehr an der
deutschen Sprache interessiert und kennen fast alle Tierarten auch auf Deutsch –
ich revanchiere mich dafür mit den Swahili Namen, die ich ebenfalls bei vielen
Tieren kenne. Es fühlt sich nach 2 Tagen wirklich nach Abschied an und die
guten Erinnerungen werden bleiben. Wir machen noch einen Schlenker über den
Tsavo West Nationalpark und sichten unzählige Giraffen und den Kilimanjaro
sogar ganz ohne Wolken. Auf der Rückfahrt klappen wir die Stühle runter, dösen
vor uns hin und warten bis wir zu hause sind.

Ich kann es
nicht oft genug sagen: eine Safari gehört zu Kenia und die momentane Situation
ist zwar schrecklich für den Tourismus aber herrlich für die Touristen, die es
wagen, denn man trifft fast leere Hotels und ganz viele Tiere an – kein Vergleich
zu den Horden and Safariwagen, die ich auch schon erlebt habe, die jedem Löwen
nachfahren, der gesichtet wird um dann auch noch DIE Foto schiessen zu können.

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Gönnt es euch –
es ist eine Erfahrung, die bleiben wird! Safari njema!