Ein Lob auf die drei Studentinnen

Also diese drei Studentinnen der FHNW sind eine tolle Abwechslung – zumal mein Mann ja schon voll im Kampagnenfieber ist und ich ihn vor allem nachts sehe (oder höre…). Mit Lisa verstehe ich mich super, auch wenn sie erst 23 Jahre alt ist und ich so alt wie ihr Vater. Aber wir haben das gemeinsame Erlebnis Safari, wir tauschen unsere Erfahrungen aus und wir entwickeln ein gegenseitiges Verständnis füreinander: sie hat es nicht gerade leicht an der Schule. Was sie erzählt über die doch eher unmotivierten Lehrer und die wissbegierigen Schüler ist erschreckend. Ihre Beispiele geben mir echt zu denken und wir müssen uns gegenseitig immer wieder sagen, dass Kenia einfach um Lichtjahre hinter der Schweiz herhinkt. Die Art und Weise hier Schule zu geben ist einfach vollkommen anders als bei uns. Es ist ein ewiges Nachplappern, die Kinder müssen ihr Hirn gar nicht anstrengend und entsprechend schlecht fallen dann auch die Tests aus. Die Details habe ich im letzten Blog-Eintrag beschrieben. Was in Juhudi auch fehlt sind zementierte Böden. Die Kleinsten müssen draussen Schule halten und wenn es regnet müssen sie nachhause weil sie kein eigenes Klassenzimmer habe. Ich komme später nochmal darauf zurück, dennn wenn wir 100 Bänke finanzieren konnten liegt vielleicht auch noch mehr drin.

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Seit Montag sind auch Julia und Simona im Einsatz in der Marere Primary School. Sie erzählen ähnliche Dinge, nur ist die Marere Primary infrastrukturmässig besser ausgerüstet und natürlich viel älter. Die hatte damals in den 50-er Jahren noch der Vater von Peter begonnen zu bauen und Peter hat in seiner Amtszeit dazu beigetragen, dass Klassenzimmer gebaut wurden. Andere NGOs haben Projekte mit Cashew-Bäumen lanciert und wieder andere bessere Toiletten gebaut (auch wenn es Simona noch würgt beim manchmal unvermeidbaren Gang dorthin). Das Gruusigste ist einfach der Geruch und das überall feuchte irgendetwas auf dem man sogar ausrutschen könnte. 

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Aber kommen wir zu angenehmeren Themen:

Die Kinder berühren einfach immer wieder das Herz: so ehrgeizig, so wissbegierig und so interessiert. Und dass dann eine Lehrerin sogar noch Seilspringen macht mit ihnen, das finden sie sensationell. Für Ballspiele wissen sie sich mit einem zusammengeknäuelten Irgendetwas zu helfen und sie verwenden einfachste Dinge, die sie happy machen. An der Marere Primary gibt es auch ein paar sehr interessierte Lehrer:innen, die ein gutes Allgemeinwissen besitzen. Mir gefällt vor allem Matsuma, der mich immer „Nyanya = Grossmutter“ nennt, weil Peter gewissermassen der Babu=Grossvater von ihm ist. Er ist auch der Lehrer des Spezialsektion für Hörgeschädigte. Wir stellen uns alle hin und sie geben uns einen besonderen „Namen“, der nach sorgfältiger Beobachtung aller Auffälligkeiten mit einer Bewegung ausgedrückt wird.

Und wir sehen auch, dass es einfacher ist, zu zweit zu sein. Geteiltes Leid ist halbes Leid stimmt wirklich. Insofern bin ich ein bisschen stolz auf Lisa, die sich da alleine durchkämpft und sich nach 3 Tagen Totalausfall mit Fieber und Magenkrämpfen wieder zu Fuss in Richtung Juhudi macht. Die Pfaderin ist deutlich spürbar. Es könnte sein, dass ihre Krankheitssymptome auf die Malaria-Prophylaxe zurückzuführen sind. Auf jeden Fall hat Peter sofort angeordnet, dass wir zum Malaria Test gehen mit Lisa. Ich hatte ja auch schon von meiner Erfahrung berichtet. Dieses Mal war das Gefährlichste das Hinfahren über dermassen grosse Löcher und gefährliche Eisenstangen im Boden. Aber Peter wollte sein Auto partout nicht am Strassenrand oben parken. Lisa kam schnell dran und sass auf ihrem Stüehli wie ein Häufchen Elend. Ihre Aufmerksamkeit wurde aber sofort geweckt, als der Pfleger ohne Handschuhe operierte und die Spritze bzw. die Nadel anfasste. „Please wear gloves“ wies sie ihn an und nach mehrmaliger Wiederholung des Aufrufs und dem Zusatz „I pay for it“ folgte er ihrem Befehl mit Murren.

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Danach desinfizierte er die Nadel kurz und „zack“ stach sie damit in den Finger. Lisa war extrem überrascht aber dann auch gleich froh, dass es vorbei war und dass auch das Resultat negativ war. Aber der „Arzt“ (sorry wenn ich das in Anführungsstriche setze) meinte, dass es von Phrophylaxe-Tabletten kommen könnte. Steht auch so in der Packungsbeilage. Aber jetzt ist Lisa wieder fit wie ein Turnschuh.

Und das ist auch eine gute Überleitung zu Simona, die das immer und jederzeit ist. Seit Ankunft nach einer überwältigenden Safari macht sie mit uns Sport. Sie sagt zwar, dass sie es für sich mache und einfach froh sei, dass wir mitmachen – aber wir profitieren enorm davon. Sie macht mit uns Intervalltraining, HIIT, Fully Body Boot Camp und allerlei crazy Sachen. Ich bin superhappy, denn selbst konnte ich mich kaum motivieren. Ich hatte schon mal eine erste Runde Workout mit TRX Bändern gemacht aber ich habe tatsächlich nur eine Türe, bei der ich einigermassen sicher bin, dass sie hält. Ein Baum wäre eine gute Alternative meinten mein Fitnesscoach und Simona. Aber will ich denn vor einem Baum meine Übungen machen während alle andere gaffen? Nein danke – beim Leiden brauche ich keine Zuschauer. Zum Glück gibt es nur ein Bild in schlechter Qualität aber ihr könnt euch vorstellen, was wir mitmachen…

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Aber ich merke, dass ich eine viel bessere Grundkondition habe als vor einem Jahr und darauf bin ich grad auch etwas stolz!!! Auf jeden Fall geht 30 Sekunden Plank und auch ein paar andere Übungen. Wobei ich bei einigen total Forfait erklären muss und nur die vollkommen abgeschwächte Variante mache während Simona dazu noch Jumps und Jacks und allerlei anderes Gegumpe macht. Julia und Lisa sind dann so zwischendrin und jede hat halt ihre eigenen Fähigkeiten. Lisa hat zwar mit Peter abgemacht, dass – sobald sie wieder fit genug ist für die Übungen – er auch mitmachen müsse. Aber als er uns nur schon in Leggings gesehen hat musste er ganz unverhofft und fluchartig das Gelände verlassen und dringend noch wohin fahren… Memme!!!

Was schwitzen wir uns da eins ab und keuchen und fluchen und klatschen und schreien. Alles begleitet von irgendwelcher Motivationsmusik über die Boxen. Zuschauer versuchen wir zu verscheuen und zünden daher auch gar kein Licht an damit wir nicht so exponiert sind. Leider habe ich nur 2 Trainingsmätteli aber die nutzen wir optimal aus und dreckig werden wir so oder so!

Julia ist der Riesengoldschatz, die für Peter und mich fast einen Koffer an Dingen mitgebracht hat, die wir so gut brauchen können: angefangen beim Aromat (Mbuche macht Omeletten nur mit Aromat) bis hin zu Kühldecken und Kühlkissenüberzügen, die ich direkt bei Amazon bestellt habe und die sogar funktioniren. Ich habe sie direkt zu Julia nachhause liefern lassen – bis hin zu 2 Paar schwarzen Hosen, die Peter dringend benötigte. Mit der korrekten Grössenangabe hat mein Dressman mit der „perfekten“ Figure…  jetzt wieder zwei anständige Paar Hosen. Julia’s Vater hat noch ein Sackmesser beigesteuert (kann man immer brauchen) und dann natürlich auch noch der geliebte Tchibo-Kaffee. Julia bringt gleich 4 Kilo davon und ebenfalls noch Material für die Aqua Pura Wasserfilterungsanlage, die rege in Betrieb ist. Mit ihrer Airline konnten sie 2 Koffer mitnehmen anstatt nur einen. Zudem macht Julia eine perfekte Salatsauce, die ich sogar aus dem Teller getrunken habe (habe ich erwähnt, dass ich mal Knigge Seminare gegeben habe? Ich lache mich krumm…)

Sowieso bringen sie auch neue Essengewohnheiten, denn die eine mag keinen Fisch, die andere ist ganz vegetarisch und bei der Dritten leben sie zwar zuhause aus gesundheitlichen Gründen vegan aber sie ist offener und entdeckt z.B. Frischkäse im Laden, den ich noch nicht gesehen habe. So kommt mehr Abwechslung in den Essensplan und wir machen unsere Salate, Pasta und Mbuche präpariert ihre feinen Linsengerichten, ihren legendären Cabbage und auch die schmackhaften Bohnen. Am liebsten nicht mit Ugali, denn das müssen sie in der Schule schon genügend essen. Niemand aus Europa versteht, weshalb diese Maispampe nicht wenigstens Salz dran haben könnte. Wer es weiss, darf mich gerne aufklären, denn es kann hier niemand erklären…

Jede dieser Frauen hat also ihre Vorzüge und ihre Eigenarten wie Spinnenphobie, Sonnerallergie, Reinlichkeitsperfektionismus und ich schmunzle täglich darüber, wie sie sich in Marere durch das kenianische Landleben kämpfen. Es gibt gar nicht so viele Schweizer:innen, die es ihnen gleichtun würden. Ich finde alle drei richtige Superweiber und habe Spass an unseren Konversationen, am UNO Spielen, am erfahren, was die Unterschiede der Lehrberufe in der Schweiz und in Kenia sind und ich mache das, was ich am liebsten mache: täglich Neues dazulernen.

Was für eine Bereicherung dieser Austausch mit der FHNW und dem spannenden Intermobil Programm. Es ist richtig gute Stimmung in Marere und darauf stossen wir gerne an: am liebsten mit Julia‘s Superdrink, der einem Mojito sehr nahe kommt. Mmmmhhhh!

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