2:2 im Thema Design

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Aus der Idee mit dem College ist jetzt eine riesige Aufgabe
geworden für mich. Und einmal mehr kann ich nur sagen: ich habe nicht immer
sofort eingesehen wozu ich etwas gelernt habe aber jetzt kann ich es wieder
brauchen! Und so helfe ich im Moment mit, den ganzen Aufbau des Marere Colleges
zu gestalten, denn es ist leider so, dass hier niemand so richtig eine Ahnung
davon hat. Nur Bruchstücke und das reicht einfach nicht aus um ein College zu
leiten. Es passieren dabei ein paar haarsträubende Sachen und auch Dinge, die
ich nicht verstehe. Ein kleines Beispiel. Wir haben entschieden, dass wir
Kelvin zum „Principal“ machen. Er ist zwar noch sehr jung (26) aber er ist
clever und er hat ein echtes Interesse für die Kauma Leute eine Möglichkeit zu
erschaffen für die Zukunft (und natürlich für sich selber auch). Was er einfach
noch vergessen hat zu sagen ist, dass er jetzt noch ein 3-monatiges „Attachment“
(so etwas ähnliches wie ein Praktikum) machen muss in Kilifi und während dieser
Zeit während der Woche gar nicht verfügbar ist. Ok, ich sehe nicht ganz, wie
man dann die Aufgabe als Principal akzeptieren kann aber klingt gut, oder? Als
ich ihn darauf angesprochen habe meinte er: I told you but maybe you forgot…

Und so verbringe ich viel Zeit damit, dass ich zwar die
Präsidentin von Pro Ganze in der Schweiz bin und dass wir als Verein alles
möglich gemacht haben, dass sie hier mit einem College beginnen können aber
dass nicht ich die Schulleiterin bin… Und dass ich mich auch nicht genügend
auskenne mit dem Schulsystem in Kenia und allen Anforderungen etc. John Baraka
hat uns geholfen, das College zu registrieren aber auch das hat er nicht bis
ins Detail gemacht, denn er hat bei einigen Dokumenten nur die Hälfte geschickt
und wir müssen jetzt Dinge nachreichen. Aber das macht nichts: anfangen können
wir. Auf dem Budget standen 50 Studenten und Stand heute haben wir noch nicht einmal
die Hälfte registriert. Und von denen, die sich registriert haben haben erst
ganz wenige die Registration Fee bezahlt. Das ist auch der Grund weshalb ich
gestern zu einem Emergency Meeting eingeladen haben. Heute geht es vorwärts und
wir machen jetzt 2 Info Veranstaltungen für die Schulleiter der Primar –und Sekundarschulen
von Jaribuni. Zusammen kann man die nicht tun, denn das wäre nicht „artgerecht“…
Also machen wir zwei Veranstaltungen, zeigen ihnen das College und laden sie
zum Zmittag ein – so stellen wir sicher, dass sie kommen…

Mit denjenigen Schülern, die eine Anzahlung gemacht haben
beginnen wir ghaue oder gstoche am 22. Februar 2021 und zwar mit allen Schülern
von allen Gattungen… Wir müssen auch gegen aussen zeigen, dass das College
wirklich existiert und dass wir operativ sind. Es gibt ja schon wieder Stimmen,
die sagen, das sei alles nur ein politischer Akt von Peter Shehe um auf
Stimmenfang zu gehen etc. etc. Bei solchen Aussagen kriege ich manchmal fast
Schübe und ich würde am liebsten Peter davon überzeugen, dass wir auch
zusammenpacken könnten und in die Schweiz ziehen können… Selbst er kommt
manchmal auf solche Ideen aber jedes Mal sagen wir wieder: wir möchten den
Ärmsten der Ärmsten eine Ausbildung möglich machen und wir setzen jetzt alles
daran, dass das klappen wird. Und dann steht er einfach hin und sagt: wir
stellen den Menschen etwas zur Verfügung. Wenn sie es nicht wollen sollen sie
zur Hölle fahren. Jawohl – das ist mein Peter und für solche Statements liebe
ich ihn.

Und so stelle ich nun mit Simon, der vom IT Lehrer kurz für
die nächsten 2 Monate zum „Deputy Principal“ avanciert ist, die ersten 3 Wochen
Allgemeinbildung zusammen. Dazu gehören die sogenannten “Live Skills“ –
wie Kommunikation, Umgang mit Emotionen und Stress, Karriereplanung,
Motivatonstalks, First Aid, Sauberkeit, Pünktlichkeit etc. etc. und dann werden
wir alle Studenten 2 Wochen lang in Basis Computerwissen einführen, denn heute
braucht jedermann einen Computer, selbst wenn er Sanitär oder Elektriker oder
Näher werden will. Irgendwann macht man Research, irgendwann braucht man eine E-Mail
Adresse, irgendwann muss man ein File auf einen Datenstick kopieren und es zum
Cyber zum Ausdrucken bringen, irgendwann will man eine Idee recherchieren. Und
was wohl den wenigstens hier bewusst ist: das Internet öffnet vollkommen neue
Möglichkeiten: anstatt dass der Lehrer in mühsamen Schritten zeigt, wie man
einen Brief schreibt kann man auch gleich auf Youtube gehen und einen Film
darüber anschauen und es dann selber üben. Also das ganze Thema „Research“ wird
vollkommen neue Welten eröffnen für die Studentinnen und Studenten und auch für
die Lehrerinnen und Lehrer. Ruth habe ich zum Beispiel schon gezeigt, wie sie
einen Film über „Overlock“ finden kann, den sie dann den Studenten zeigen kann
und Kelvin erhält von mir gerade eine Einführung in WordPress, damit er selber
Webseiten gestalten kann.

Au – ich freue mich irgendwie schon auf die ersten Lektionen
– das wird ein Spass. Onkel Peter – möchtest du nicht grad sofort nach Kenia
fliegen damit wir unsere gemeinsamen Computerlektionen wieder geben könnten?

Ich bin überzeugt, wenn die anderen in der Gegend hören,
dass man bei einem Studium an diesem College auch noch all diese „Freebies“
kriegt und Zugang zum Internet hat dann werden mehr Studenten kommen als wir
uns je geträumt haben.

Ich verbessere meine interkulturelle Kompetenz gerade enorm.
Das kann ich am Beispiel eines Kalenders demonstrieren. Simon kam vorgestern zu
mir und meinte, er hätte da eine Idee – was ich davon halte: er habe einen
Kalender für 2021 designt. Den könnten wir verteilen aber auch verkaufen, da
sich viele Leute dafür interessieren würden. Stimmt, das hatte ich ja damals
auch für Peter jedes Jahr gemacht als er MP war. Wir haben die Kalender dann
drucken lassen und sie hingen in vielen Büros in Ganze. Also ich finde es
super, dass er da aktiv geworden ist. Allerdings finde ich weniger super, als
er mir sagt, dass er etwa 3 Tage dafür gebraucht hat…

Ich zeige ihm dann, dass man z.B. mit Canva so einen
Kalender in null Zeit designen könne und dass auch schon die Daten bereits
stimmen und man das nicht von Hand erstellen müsse für jeden Monat (und dann
dummerweise auch noch Februar und März vertauschst, wie er es gemacht hat).
Leider kenne ich mich mit seiner Software Corel Draw überhaupt nicht aus und
ich erkläre ihm, dass diese Software in Europa als total veraltet gelte. Er
meint dann: ja und in Kenia bist du niemand, wenn du diese Software nicht
beherrschst!!!

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dann zeigt er  was er
bisher fabriziert hat und ich kriege einen kleinen Brechreiz. Denn nebst etwa 7
verschiedenen Fonts hat er auch ebenso viele Farben verwendet und schlichtweg
alles versucht auf den Kalender zu zaubern, nebst einer richtig gruusigen Foto
unseres Gebäudes etc. etc. Ok, Barbara, durchatmen.

Ich zeige ihm die Vergleiche des Flyers, den damals Kelvin gemacht
hat und meinem. Und er sagt dann nur: ja deiner ist schon schön, aber er ist
viel zu gut für hier: die Leute haben ja da alle Informationen drauf, dann
haben sie ja gar keinen Grund mehr hier anzurufen.

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Ok ich sehe den Punkt aber der links ist so verwirrend, dass
ich nicht einmal wüsste, was denn dieses College genau anbietet. Dann findet er
aber, dass die Icons schon super seien, denn selbst wenn man nicht wisse, dass
die Ausbildung z.B. Electrical Engineering heisst: das würde man an den Bildlis
sofort erkennen.

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Ich zeige ihm dann auch die Anzeigetafel, die ich zusammen
mit einem lokalen Designer gezeichnet habe. Die wird aus Blöcken gebaut, gemalt und dann beschriftet. Er kommt langsam aber sicher
drauf, dass es wohl Regeln für Design geben müsse… Ja genau und da hake ich
jetzt nochmals ein: es mag sein, dass – wie er sagt – die Leute in Kenia Farben
sehr mögen – aber es gibt halt auch ein paar grundlegende Marketingregeln was
die Farben anbelangt und die hat er jetzt so ziemlich alle umgangen. Also
einigen wir uns darauf, dass wir jetzt zusammen einen Kalender kreieren und
zwar mit einer Software, die wir beide kennen: PowerPoint. Wir nehmen also die
Elemente, die er unbedingt drauf haben wollte und die Farben, die ich schön mit
RGB Angaben für das College aufgestellt habe und zusammen werkeln wir, bis wir
das Gemeinschaftswerk Simon:Barbara bzw. Kenia:Schweiz haben (ganz oben) und ich finde
auch: sieht richtig toll aus. Man kann es später sogar aus der Homepage
runterladen und selber ausdrucken, wenn man das will und bald werden wir es am
Informationstag verteilen und als Geschenk abgeben.

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Und Simon ist zutiefst beeindruckt von dem was er gelernt
hat und ich bin der kenianischen Seele wieder ein bisschen näher gekommen.
Einfach faszinierend für einen Mensch wie mich. Ich liebe ja Farben auch über
alles und darum bin ich sicher hier auch am richtigen Ort. Unentschieden
Kenia:Schweiz!!!