Wie weiter mit Peter’s Politik?

Ob Peter am 9. August 2022 als MCA (Member of the County
Assembly) gewählt wird oder nicht wird für unsere Zukunft entscheidend sein,
denn das bestimmt mit, ob Peter und ich mehr Zeit in der Schweiz oder in Kenia
verbringen werden. Wir hatten eine grosse Diskussion darüber, wer zuerst kommt:
die Einwohner von Jaribuni oder ich, Barbara Fuhrer. Gemäss Peter bin ich es
und doch handelt er nicht entsprechend. Aber ich möchte es nicht darauf
ankommen lassen, wenn ich sagen würde: lass alles stehen und liegen. Es ist
möglich, dass er es machen würde.

Aber schon als ich
Peter vor mehr als 10 Jahren kennengelernt habe wollte ich ihn nicht vor eine
Alternative stellen. Er hat mir damals Eindruck gemacht damit, dass er eine
Vision hat und ich habe ihn dabei unterstützt und versucht, mich dabei nicht zu
verlieren und immer authentisch zu bleiben. Mit ganz wenigen Krisen ist es mir
auch gelungen und ich kann  mich in
verschiedener Hinsicht hier genauso verwirklichen wie in der Schweiz.

Also kann es ja kaum sein, dass ich jetzt vor der nächsten
Wahl sage: so jetzt ist es genug, jetzt komme ich dran. Ich möchte ja nicht
einen Couch Potato zuhause haben, der immer wieder darüber nachdenkt, was er
für das Volk von Jaribuni hätte verbessern können. Aber es ist auch klar, dass
ich kein Interesse daran habe, KEINEN Mann mehr zu haben oder nur einen, der
ein paar tausend Kilometer entfernt lebt und von dem ich nichts „habe“… Kenia
wird in unserem Leben so oder so eine Rolle spielen, selbst wenn Peter nicht
gewählt würde. Aber sein Engagement und sein Einsatz werden um ein Vielfaches
grösser sein, wenn er gewählt ist. Das bedeutet, dass er an Staatsgelder kommt,
die er einsetzen kann für die Entwicklung dieses desolaten Gebietes. Ein
britischer Freund, der in der Schweiz lebt hat mir anerboten, das Manifest von
Peter auf korrektes Englisch zu überprüfen und seine Aussage hat mich auch
erstaunt: er meinte: „Ich wusste nicht, dass es in Jaribuni dermassen schlecht
steht mit allem.“ Ja vielleicht ist das auch meinen Blogleser:innen oft nicht
bewusst, wie arm diese Gegend ist. Denn wir haben uns ja doch schon ein ganz
bequemes Umfeld geschaffen, ich kann mich auch über gewissen Themen amüsieren,
weil ich weiss, dass ich jederzeit von hier weg kann. Besonders jetzt, wo ich
das Autofahren mit dem Toyota Landcruiser entdeckt habe und mir auch zutrauen
würde, bis nach Mombasa an den Flughafen zu fahren…

Die Situation in dieser Gegend ist desolat: zu wenig Wasser,
zu wenig Essen, keine geteerten Strassen, sengende Hitze, schlechte Schulen bis
gar keine Schulzimmer und Lernen unter dem Mangobaum. Ungebildete Menschen, die
sich gegenseitig nichts gönnen mögen, Stammesdenken, Glauben an Voodoo und
Zauber und daher auch Eifersucht und fiese Machenschaften. Dann kommt noch die
Ausbeutung der Mineralien zu, die hier vorhanden sind. Keine Jobmöglichkeiten
ausser Piki-Piki fahren und ich könnte leider die Liste noch weiter führen.
Peter’s Wahl wird auch nicht die magische Wende bringen aber er kann etwas
aufbauen und eine junge Person nachziehen, die auf ihn folgt nach 5 Jahren.

Wenn ihr euch für sein Manifest und seine Ideen interessiert
könnt ihr auf www.petershehe.com
nachlesen, woran er arbeiten möchte. Das Manifest ist unter „Questions and
Answers“ zu finden. Dort gibt es auch ein paar Interviews zu diversen Themen:

https://petershehe.com/questions-and-answers/

Und es wird uns finanziell auch Luft geben: wieder ein gutes
Auto kaufen, unser Haus in Kilifi ausbauen, damit ich es auch mehrere Monate in
Kenia problemlos aushalte und mich sogar freue darauf, nachhause zu kommen und
Freunde zu empfangen. Ich bin und bleibe ein „City-Girl“ und die Zeit in Marere
war bestimmt eine gute Erfahrung aber schon oft auch mehr ein Ausharren.

Die Parteien haben wie immer einen grossen Zulauf. Ganz
viele wollen MCA werden und natürlich auch einige MP und es herrscht ein
heilloses Durcheinander, was die Parteien anbelangt: früher waren es 2 grosse
Parteien: Jubilee mit Uhuru Kenyatta und William Ruto und ODM mit Raila Odinga.
Aber durch diese doofe „Handshake-Geschichte“ hat sich alles neu gemischt:
William Ruto hat UDA United Democratic Alliance gegründet und Peter ist
beigetreten. ODM ist an der Küste nicht mehr stark, weil der Governor von
Kilifi eine eigene Partei, die PAA Pamoja African Alliance insbesondere für die
Küstenregion gegründet hat. Das, und damit der Handshake einigermassen
glaubhaft klingt, hat wiederum hervorgerufen, dass die ehemaligen Feinde
Kenyatta und Raila jetzt die Azimio Party gegründet haben. Weil die ODM jetzt
durch die Gründung der neuen Parteien aufgesplittet ist haben sie jetzt aber
gemerkt, dass sie so geteilt sich nur schaden. Also werden sie sich irgendwie
doch wieder zusammenraufen und gemeinsam etwas machen. Wer sich wirklich für
diese Politik und für das, was hier läuft passiert: ich habe mal eine kleine
Zusammenstellung gemacht:

Peter wird in den Sozialen Medien auch von vielen
angefeindet, er sei in der falschen Partei und solle doch zu Azimio wechseln.
Aber Peter antwortet nur, dass es nicht die Partei sondern die Person sei, die
den Wandel bringen werde. Wobei er sogar Recht hat. In der Schweiz kannte ich
im Thurgau ja selbst in der SVP ein paar gute Politiker…

Jetzt rüsten die Parteien auf und weil zu viele in den
verschiedenen Jobs nominiert werden möchten muss man jetzt eine Beitrittsgebühr
bezahlen. Für einen MCA sind das CHF 500, was ein grosser Betrag ist und für
die meisten lokalen Leute völlig unmöglich ist ausser sie werden von jemandem
gesponsort. Peter wird das schon irgendwie hinkriegen (hoffentlich ohne mich zu
fragen…). Aber für einen MP wird es schon teurer, der muss nämlich CHF 5000
hinblättern und das ist nur um in der Partei aufgestellt zu werden. Eine
Nomination ist damit noch nicht garantiert…

Und was wir alles über die bereits geplanten Machenschaften
des Wahlbetrugs wissen, das kann ich hier gar nicht zu Papier bringen. Erwartet
also keinesfalls „faire“ Wahlen, denn entweder werden sie elektronisch
manipuliert oder sie gehen zurück zum „von Hand zählen System“ was bedeuten wird,
dass wieder einfach ganze Wahlzettelkisten verschwinden werden. Für uns wird es
wichtig sein, dass wir überall in den 22 Wahllokalen unsere Leute stationiert
haben, die auch fähig sind zu beurteilen, wenn beschissen wird. Eine grosse
Herausforderung.

Was ist ein County, was ist eine Constituency, was ist ein Ward. Hier eine Aufstellung des politischen Umfeldes. Peter geht es um den Sitz als MCA Jaribuni Ward, den jetzt Maitha Masha inne hat.

Der Mann, den Peter für das Amt des Member of Parliament
gerne gesehen hätte in Ganze hat sich jetzt „geoutet“ mit der Partei und das
kommt hier in Jaribuni gar nicht gut an. Er heisst Tungule und ist aus Ganze.
Peter hatte ihm geholfen, einen Job im County Government in Kilifi zu kriegen
und dafür ist er Peter ja auch immer dankbar. Er tauscht sich auch regelmässig
mit Peter aus und sie haben auch schon gemeinsame Fundraiser gemacht. Als er
das letzte Mal hier war hat er von seinem Dilemma erzählt: sein Arbeitgeber ist
ja quasi der Governor von Kilifi Amason Kingi, der nicht mehr gewählt werden
kann nach 2 Amtsperioden. Dass Tungule sich jetzt nicht gegen ihn wenden kann
und in die Partei von Ruto eintreten kann ist irgendwie klar. Er hätte aber den
Weg der Unabhängigkeit ohne Partei wählen können. Darüber haben wir bei uns
diskutiert und ich verstehe natürlich das Dilemma zumal ich weiss, wie fies Kingi
sein kann. Das hat er ja Peter gegenüber schon mehrfach bewiesen. 

Und Kingi kann
den jetzigen MP Teddy Mwambire auch nicht mehr unterstützen, der der ist ja in
ODM geblieben und nicht zu PAA gekommen… Alles klar? 

Also, dass Tungule jetzt doch zur PAA gegangen ist und nicht
unabhängig kandidiert wird in Jaribuni gar nicht goutiert. Weil Tungule die
Stimmen aus Jaribuni aber braucht um gewählt zu werden ist er gestern an ein
Meeting gekommen ins Jaribuni Headquarter von UDA. Peter wollte gar nicht dabei
sein, denn er mag den Typ ja sehr aber er ist natürlich auch genervt über den
Fakt, dass der jetzt bei PAA ist. Anscheinend hat das Meeting von 10.00 Uhr bis
17.00 Uhr gedauert und ich weiss nicht, ob sie am Schluss einig geworden sind.

Ich werde oft gefragt, was ich mir ganz drinnen wünsche für
Peter und meine Antwort ist sehr klar: ich wünsche ihm, dass er die Träume, die
er für die Kaumas hat, erfüllen kann. Und das bedeutet, dass er gewählt sein
muss um seinen Traum zu verwirklichen. Es ist also ganz klar für mich: diese
Wahl muss er gewinnen! Und wenn ich dann ein schönes Haus in Kilifi einrichten
kann wird das, was wir schon immer geplant haben Wirklichkeit: Sommer in der
Schweiz und Winter in Kenia für mich und hoffentlich auch noch Besuche im
Sommer von Peter in Rorschach.

It’s complicated und ich werde euch auf jeden Fall immer
wieder updaten aber ich hoffe natürlich schwer, dass ihr am 9. August alle am
TV und Radio kleben werdet um zu sehen, wie es dann wirklich rauskommt. Die
grösste Hoffnung ist einfach, dass alles friedlich abläuft…