Gespräche mit …

Es hat sich gerade perfekt ergeben, dass ich mich online für
die Intro zur Masterclass für „Gespräche mit Gott“ angemeldet hatte. Die Bücher
hatte ich bei deren Erscheinen verschlungen und sie geben mir auch immer wieder
Halt in schwierigen Situation – so auch in dieser Zeit der Trauer. 

Ich rühme
mich selbst ja immer damit, dass ich einen unverkrampften Zugang zum Tod und
zur Trauer habe. Ihr kennt auch meine manchmal bissigen Bemerkungen, wenn Peter
jeden Samstag an Beerdigungen pilgert und ich manchmal denke: ja, an irgendetwas
muss man wohl einfach sterben. Dass ich von meinen Freund:innen online so viel
Empathie und Zuspruch erfahren durfte hat mich sehr berührt und mich auch ein wenig
getröstet. Mir wurde immer mehr klar, dass es mich dermassen geschüttelt hat,
weil es mich an den Tod meiner eigenen Schwester erinnert hat. Es werden dieses
Jahr 30 Jahre sein, dass sie von dieser Erde gegangen ist und es war wohl bisher
das traurigste Ereignis in meinem Leben. Auch sie war damals von Krebs als
geheilt bezeichnet gewesen und ist dann an einer Lungenentzündung gestorben mit
25.

Bei Linet hat es Parallelen. Sie hatte zuerst Covid durchgemacht,
wurde dann wieder ins Spital eingeliefert und hatte eine Lungenentzündung. Nach
der Obduktion wurde festgestellt, dass sie an einem Herzinfarkt gestorben ist,
was ja anscheinend bei Covid oft der Fall ist, da e zu einer Lähmung des Herzmuskels
kommen kann.

Was ich auch jetzt erfahren habe und was nicht einmal Peter
wusste: sie hatte letztes Jahr nochmal einem kleinen Mädchen das Leben
geschenkt, das jetzt 5 Monate alt ist. Warum sie es verschwiegen hat?
Vielleicht wusste sie, dass ich nicht so begeistert bin von vielen Geburten,
wenn man sich selber kaum durchs Leben bringen kann.

Was meine Schwester Simone und Linet auch gemeinsam haben:
sie waren ganz aussergewöhnliche Persönlichkeiten mit einem sehr starken
Charakter und in ihrem jungen Leben schon so weise. Sie haben sich auf ihre Art
durchs Leben gekämpft auch ohne grössere Schulbildung aber mit einem grossen
Wissen aus dem Universum. Und hier kommt meine Lebensphilosophie und auch
alles, was in den Büchern „Gespräche mit Gott“ vorkommt wieder ins Spiel.

Wir sind nicht auf der Erde um uns „durchzukämpfen“ sondern
um uns wieder daran zu erinnern woher wir kommen. Nämlich aus einer allumfassenden
Kraft, die man Gott nennen kann. Nachdem sie hier mein Schluchzen gehört haben
(ich konnte mich einfach fast nicht mehr erholen vor lauter Trauer) sind alle
abwechslungsweise zu mir gekommen. Mbuche hat mich gehalten und mich wie eine
Mutter gewiegt und mich zur Ruhe gebracht. Dominic kam mit seiner gläubigen Art
und meinte, dass Gott für alles einen Grund hat und Samuel, der ja sonst voll der
coole Macker ist fragte mich: ob ich an Gott glaube? Dann dürfe ich auch nicht
traurig sein, denn dann müsste ich ja wissen, dass es für alles einen Grund
gibt. Und wir haben auch wieder die Frage diskutiert, ob man denn unbedingt Kinder
haben müsse. Er meinte: auf jeden Fall, denn wenn wir keine Kinder möchten,
dann wären auch wir nicht auf dieser Welt. Dann gäbe es keine Menschen, die
später gutes Tun können und die z. B Präsidentin von Pro Ganze oder von Kenia
werden könnten. Wow.

Es gibt ja auch die Aussage „only the good die young“. Sie kommt
anscheinend von Satz des Griechischen Historikers Herodotus, der 445 BC
schrieb: “Whom the gods love dies young.”. Er meinte damit, dass besondere
Menschen früh sterben, weil die Götter sie bei sich haben möchten. Oft wird der
Tod von jungen Menschen auch fast etwas verherrlicht. Wir kennen das von
berühmten Menschen, die jung gestorben sind. Bei Musiker:innen spricht man ja auch
von diesem Forever 27 Club, dem Jimi Hendrix, Janis Joplin und Jim Morrison,
sowie Kurt Cobain, Brian Jones († 1969), der solcherart zum ersten ‚Mitglied‘
des Klubs wurde, und seit ihrem Tod im Jahr 2011 Amy Winehouse dazu gestossen
ist. Die Art, wie ich die Welt sehe geht schon in eine ähnliche Richtung: ich
bin der festen Überzeugung, dass wir auf dieser Welt sind um gewisse Lektionen
zu verstehen oder unsere Herkunft zu begreifen. Wenn wir das erreicht oder
erlangt haben, dann können wir auch weiter gehen und uns auf die nächste
Inkarnation vorbereiten. Wir, die hier auf dieser Welt sind, müssen also noch
einiges dazulernen bis wir so weit sind. Ich habe diese Denkweise total
verinnerlicht und sie gehört für mich zu meinem Weltbild.

Linet war 32 und einfach noch zu jung um diese Welt zu
verlassen aber in mir hat sie mehr hinterlassen als manch anderer Mensch. Mir
ist gerade ein Bild in die Finger gekommen, das mich mit ihrem Sohn Biden unter
dem Regenbogen zeigt. Ich hatte ihm die Geschichte vom Regenbogen erzählt und
diese damals auch in der Predigt verwendet, in der Linet und er auch dabei
waren.

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Ich erhole mich langsam aber sicher wieder vom ersten
Schock. Das Leben geht weiter und ich erlebe wunderbare Dinge, wie die
Ausbildung von 2 jungen Männern, die ihren Mund über Canva, dem Design-Programm
gar nicht mehr zukriegen und einfach in jedem zweiten Satz nur noch „wow“, „incredible“
und ähnliche Wörter von sich geben und nicht aufhören, sich bei mir für diese
Lektion zu bedanken.

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Ich freue mich über die neu eingerichteten Gästezimmer, störe mich überhaupt nicht mehr an den Plättli und habe alles für die Studentinnen vorbereitet und auch noch schöne Schilder mit Baum-Namen fertigen liess.

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Ich
freue mich total darüber, dass Lisa als erste Studentin für die Juhudi
Primarschule angekommen ist und die Vorfreude in der Schule auf ihr
Unterrichten schon riesengross ist. 

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Ich kann es kaum erwarten, dass ich morgen mit
ihr auf Safari darf – eine meiner Lieblingsbeschäftigungen in diesem kuriosen
Land, zu dem ich eine gewisse Hassliebe pflege, das mich aber auch immer mehr
reinsaugt und mich in diesem Leben bestimmt nicht mehr loslässt. Kenya lehrt
mich so vieles und dafür bin ich dankbar.

In der Masterclass mit Neale Donald Walsh wurde einmal mehr
die Wichtigkeit der Meditation erwähnt. Diese muss nicht einfach eine ZEN-Meditation
sein sondern sie kann beim Gehen passieren, beim Wahrnehmen dieser Welt und
aller Komponenten, die sie so grossartig macht. Ein Leben ohne Meditation: ich
kann es mir überhaupt nicht mehr vorstellen.

Ich liebe das Leben und ich lebe es so, dass ich jederzeit
damit abschliessen könnte. Ich habe keine offenen Rechnungen mit Menschen,
nichts was ich bereue. Aber ich habe auch noch so viele Ideen und Träume und
Visionen – ich lebe sie aus und geniesse jeden einzelnen Tag noch bewusster und
mit viel mehr Demut und Hingabe.

Ich liebe das Leben – es hat so viele Geschenke für uns
parat.

Wenn du die Essenz der Gespräche mit Gott auch lesen
möchtest: hier gibt es eine Zusammenfassung von ein paar ganz essentiellen
Inhalten. Mögen sie dir auch Trost spenden und erkennen lassen, wie das Leben
in einer guten Form gelebt werden kann – selbst in Krisenzeiten, die wir
momentan im Äusseren durchlaufen:

http://docplayer.org/21847770-Zusammenfassung-des-buches-gespraeche-mit-gott.html

Und auch wenn ich mehrfach geschrieben habe, dass ich nichts
von der Beerdigungskultur von Kenia halte: bei Linet habe ich mich sehr
grosszügig gezeigt, denn es ist ein Geschenk an sie und alle, die Hinterblieben
sind. Ein grosser Unterschied zur Schweiz: in der Schweiz zeigen wir das Mitgefühl
durch Worte, durch Zeilen – hier wird das auch in Geld ausgedrückt, da es
dringend benötigt wird von den Familien. Alleine die Arztrechnung von Linet
belief sich auf KSH 800‘000, was knapp CHF 8000 entspricht.

Die Trauer darf – ja sie muss sogar ihren Platz haben und
ich lasse sie auch zu. Mein Blog wird wieder fröhlicher – ich habe schon wieder
oft gelacht, sei es bei der Zoom Probe, bei der die sinGALLinas ihrem Namen als
gackernde Hühner alle Ehre erwiesen haben. Oder sei es beim Besuch von Peter’s Bruder
Joshua als er meinte, ich könnte locker noch Kinder kriegen und sollte das auch
tun. Ich meinte, dass er wohl einen Fensterplatz in Biologie in der Schule
gehabt habe. Aber er lachte nur und meinte: es ist alles möglich, glaube daran.

Ich glaube an vieles, aber Kinder zu haben steht nicht auf
meiner Wunschliste, ich habe das Gefühl hier in Kenia Hunderte davon zu haben
und die beiden, die mir meine Schwester übergeben hat sind mein grösstes
Geschenk, das gar nicht übertroffen werden kann.

Morgen gehe ich auf Safari und werde euch hoffentlich viele
schöne Erlebnisse in die Schweiz beamen können. Freut euch drauf und so wie ihr
mit mir gelitten habt, so werdet ihr wieder mit mir geniessen können.

Weiter geht es mit dem Leben und mit Gesprächen mit Gott,
Göttinnen und dem Eintauchen ins Universum. Schön, dass du mich dabei
begleitest.

LIEBE IST DIE ANTWORT AUF ALLES.

Neale Donald Walsh