marerecollege

Alles eine Frage der Interpretation

Als ich in Kenia war habe ich ja schon von meinen lustigen Erlebnissen in puncto Design (Flyer, Kalender etc.) berichtet. Für die Strasse wollten wir unbedingt ein Signboard erstellen lassen, das zeigt, wo man zum Marere College abbiegen muss von der Strasse. Dafür gibt es in der Gegend Maler, die dann z.B. Häuser oder auch solche Signboards bemalen (vielleicht erinnert ihr euch an das Medical Center, das gleich alle Preise auf der Mauer ausgeschrieben hatte…) und richtig gut darin sind. Dummerweise gibt es in der ganzen Gegend von Marere nur den einen. Er heisst Mjanja (sprich Mdschandscha) und er hat wohl ein bisschen Design studiert, denn er hat seinem Bruder auch geholfen, eine Art Cyber Café zu machen in Beria. Peter konnte ihn unterstützen, in dem er ihn für einen Job als Assistant Chief empfohlen hat, den er dann auch erhalten hat. Also der Assistant Chief wird zum Hinweistafelmaler!

Mit diesem Mjanja habe ich mich also getroffen und wir haben zusammen diskutiert, was denn alles auf dieses Board sollte. Ich hatte – wie immer – ganz spezifische Vorstellungen und wollte einmal mehr mit Icons arbeiten, da ja viele in dieser Gegend nicht gut lesen können. Und so entstand in gegenseitigen Diskussionen dieser Vorschlag: 

Mjanja war total beeindruckt über meine PowerPoint Kenntnisse und meinte, er könne ja so viel von mir lernen. Genau so sei es perfekt!

Ok, diese Vorlage ist anspruchsvoll aber er war es, der noch die 2-farbigen Streifen reingebracht hat. Mir hat halt auch das “under one roof” sehr gefallen, denn unser Dach ist ja wirklich sehr besonders und sticht in der ganzen Gegend hervor. Also ein bisschen Marketing musste da schon rein…

Zugegeben der Plan war ambitiös aber abgesprochen. Bei der Preisverhandlung blieb er sehr bedeckt und fand: Muheshimiwa (mein Mann) hat mir so viel geholfen, das wird sich sehr günstig gestalten und damit musste ich erst mal leben. 

Jetzt kam mal der Bau der Stehle. Wir haben dafür die kleinen Bricks gebraucht, die nicht überall zu finden sind. Peter hat da einen Kontakt, aber der hat und hat sich einfach nicht gemeldet. So kurz bevor ich in die Schweiz retour gereist bin kam dann aber das Ganze zustande. Leider hatte dann Mjanja grad keine Zeit und die Schulkinder hatten schon lustige Ideen, was man auf dieser leeren Fläche draufschreiben könnte – wobei alles noch sehr harmlos war. 

So quasi an meinem Abflugstag war dann mindestens mal die Farbe beschafft und von mir bezahlt und Mjanja versprach, dass er vor allem am Wochenende daran arbeiten würde. Ich hatte es definitiv nicht mehr unter Kontrolle.

Zurück in der Schweiz erhielt ich dann regelmässig die Meldung vom College Leiter Peterkin: die Hinweistafel ist immer noch nicht gemacht… wir können Mjanja nicht erreichen (keinen Telefonkredit, keine Antwort etc.) und irgendwann kam dann die Frage von Mjanja, er hätte ein finanzielles Problem, ob ich ihm von den Ksh 10′000 (CHF 100) bereits 2′000 schicken könne. Wohlweislich habe ich nachgefragt, ob das Board denn schon fertig sei und dann erhielt ich diese Antwort: 

Dann fing ein grosses Hin und Her an und ich habe mich dann doch erweichen lassen für einen Vorschuss. Das war anfangs Mai. Man hat dann nochmals bei mir nachgefragt, ob ich die Vorlage nochmals senden konnte und ich ahnte dann schon, dass es nicht so rauskommen würde, wie ich mir das vorgestellt hatte. Mjanja meinte dann auch, dass “die vom College” Änderungen gemacht hätten. Ich dachte mir: es muss ja nicht mir sondern denen vor Ort passen – die wissen schon was sie tun…

Dann kam wieder eine lange Geschichte von “bitte noch etwas Geld senden” und “er macht nicht vorwärts” bis zu “ich bin in einer ganz misslichen Lage und brauche Geld” etc. Anscheinend hatte Mjanja nicht die “technischen” Möglichkeiten, mein Layout auf das Panel zu übertragen. Hätte er mir von Anfang an sagen können aber genau das trauen sich dann ja die wenigstens mit der Mama Kaya. Nach ganz ganz vielem Hin und Her ist die Hinweistafel jetzt endlich ausgeführt und auch bezahlt und ich hoffe, dass ich mich nie mehr mit diesen Themen auseinandersetzen muss. 

Das nächste Mal mache ich es wohl selber!!! Ich glaube, das würde mir sogar Spass machen!

Hier das finale Resultat – du kannst es gerne mit der ursprünglichen Idee (oben) vergleichen und wirst hoffentlich auch wie ich zum Schluss kommen: Hauptsache, die Leute wissen jetzt, wo das Marere College ist.

Ich konnte es mir nicht verkneifen und beiden (Mjanja und Peterkin) eine kleine Lektion in “So tickt Barbara” zu geben und die geht so: Wenn ich einen Auftrag erteile und bezahle, dann erwarte ich, dass ich informiert werde über Änderungen, damit ich mindestens sagen kann, wenn ich NICHT einverstanden bin. Wer bezahlt bestimmt und so möchte ich das in Zukunft auch halten. Beide fanden dann: ja das verstehen wir. Aber das Board ist jetzt fertig und daher nützt es gar nichts, sich jetzt allenfalls noch aufzuregen. Einen Blog schreiben tut es auch!

Was ganz toll ist: es war wirklich eine Punktlandung mit den Experten: die Arbeit wurde genau auf den Tag fertig, an dem die Inspektoren kamen, um alles im College zu überprüfen!!! Nicht, dass sie noch weitergefahren wären!!!

Obwohl: auf Google Maps hätten sie uns auch gefunden…

Achterbahn – aber ich drehe weitere Runden!

Meine lieben Blogleserinnen und –leser: zuerst einmal ein riesiges
Dankeschön für alle inspirierenden und aufmunternden Worte, die ihr mir über
die verschiedenen Kanäle geschrieben habt zur Eröffnung des Marere College! Es tut
einfach gut, die Unterstützung einer Community zu haben und – Internet sei Dank
– ich fühle, dass ihr teilweise richtig mitfiebert und das gibt mir die
Energie, die es braucht um das hier zu machen.

Ich bin in den letzten Wochen durch diverse Gefühle gegangen: von „Das
ist das Coolste und Nachhaltigste, was ich je in meinem Leben gemacht habe“ bis zu „ich kann
nicht mehr: ich schmeisse alles hin, packe meinen Mann unter den Arm und fliege
retour in die Schweiz – für  immer“!!!

Ich gehe nicht in jedes Detail ein, denn das würde euch langweilen,
aber ich möchte euch ein bisschen Hintergrundinfos geben damit ihr sieht was es
braucht und wie man manchmal auch ganz naiv in etwas Schlittern kann…

Pro Ganze hat ursprünglich die gesamte Bevölkerung von Ganze im
Visier, daher auch der Name. Peter war ja als Member of Parliament für den
ganzen Wahlkreis zuständig. So haben wir immer gemeinsam entschieden, welches
Projekt als nächstes unterstützt wird von uns. Als Peter 2017 abgewählt wurde
war für uns klar, dass wir unsere Projekte etwas einschränken würden und dass
wir uns vor allem geografisch auf Jaribuni (Kauma) beschränken würden, da die
Leute hier für Peter sind und ihn nicht auch noch bekämpfen wie in anderen
Regionen. Einzig das Projekt Kindertagesstätte Goshene ist noch ausserhalb von
Jaribuni, denn das Ehepaar Wieser hat sich von Anfang an dafür eingesetzt und
konzentriert ihren Einsatz dort drauf. Als dann Olivia schwanger wurde konnte
sie nicht mehr jedes Jahr nach Kenia kommen, auch Onkel Peter ist noch in
Thailand und in seinem Wohnort Eglisau mit Freiwilligenarbeit aktiv und kann
daher auch nicht jedes Jahr kommen und auch bei mir war es bis zur
Frühpensionierung nicht so klar wie oft ich in Zukunft vor Ort sein kann. Und
weil nur Projekte funktionieren, die auch begleitet werden haben wir uns
entschieden, vor allem in Marere weiterzumachen und ein College aufzubauen.
Dafür war auch die letzte grosse Sammelaktion für die neue Küche eingesetzt.
Olivia, Onkel Peter und ich wollten dann, dass das College mit Nähen und
Computer beginnt, da wir ja die Maschinen für beide Jobs haben. Wir mussten
dann aber alle drei schnell merken, dass wir das Thema jetzt aus der Hand geben
müssen, da sich die Leute vor Ort darum kümmern, sprich: Lizenzen einholen,
Abklärungen machen, Lehrer rekrutieren, Bauten anpassen etc. etc. wir kriegten
zwar Unterstützung von Peter’s Sohn John Baraka aber das war für uns alles ein
bisschen zu weit entfernt. Weil wir unser College mit der offiziellen TVETA
registrieren lassen wollen um anerkannt zu sein heisst es plötzlich, dass wir
mindestens 10 Berufsausbildungen anbieten müssen und in jedem Beruf mindestens
10 Studenten haben müssen. Plötzlich schreiben wir also eine ganze Menge Berufe
aus, wissen aber noch nicht, wie wir die Lehrer oder die Studenten dafür
kriegen sollen. Aber alle sagen: don’t worry, wir kriegen die Lehrer, don’t worry,
wir werden viele Studenten haben. Wenn wir erst mal registriert sind dann
werden sie uns Leute aus dem ganzen Land schicken. Aber das ist ja gar nicht
das, was wir wollen. Wir wollen der lokalen Bevölkerung helfen. Für mich geht
das alles zu weit, aber wir stecken jetzt mittendrin.

image

Nebst diesen Hürden kommen noch die politischen Probleme dazu:
viele können sich gar nicht vorstellen, dass in diesem Community Center
wirklich ein College ist. Sie erzählen sich (bzw. die Gegner von Peter
verteilen die Gerüchte), dass Peter das nur macht, weil er Stimmen fangen will,
dass er das Geld selber einstecken will etc. Das ist für mich das
Zermürbendste: nicht nur, dass wir etwas für die Bevölkerung machen, nein: die
Bevölkerung selber (sprich die Gegner und die Politiker) zerstören ihre eigene
Möglichkeit auf eine Ausbildung. Das bringt mich manchmal fast dazu zu sagen:
wisst ihr was: bleibt doch in eurem Dreck hocken, wenn ihr nicht wollt, dann
lasst es sein. Wir geben keine Handouts und Freebies mehr: ihr hattet die
Chance, ihr habt sie nicht genutzt, jetzt suhlt euch einfach in eurem eigenen
Elend. Und dann denke ich wieder: aber die jungen Menschen, die mit Recht auf
eine bessere Zukunft hoffen, die haben es verdient, dass man ihnen diese Chance
bietet und so raffe ich mich wieder auf und arbeite an dieser Vision.

Seit ich hier bin im Dezember wurde ich plötzlich zur Hauptverantwortlichen
des ganzen College. Zuerst habe ich die Webseite erstellt www.marerecollege.com und hatte viel
Spass dabei und sogar viel gelernt, was ich in Zukunft sicher auch brauchen
kann. Ich berufe Sitzungen ein, ich organisiere die Buchhaltung, die
Stundenpläne, ich kaufe Material, sponsore T-Shirts,  organisiere alles Drum und Dran und merke: die
sind hier vollkommen überfordert mit dem Thema. Das Dumme am Ganzen: ich habe
ein viel zu grosses Verantwortungsgefühl. Ich kann die Dinge nicht einfach
schlittern lassen und ich will dieses Projekt unbedingt zum Laufen bringen,
denn es ist für diese Gegend auch dringend notwendig, dass es eine Bildung
gibt, die funktioniert und die nicht einfach nur mit Pro Forma Zettel Zertifikaten
funktioniert. Im Städtchen Jaribuni gibt es nämlich eine Computerschule, die
von der lokalen Regierung finanziert wird und die haben nicht einmal Strom,
geschweige denn Laptops – ja sie haben noch nicht einmal geeignete Räume und
sie haben viele Studenten für eine Computerausbildung. Einfach, weil es von der
Regierung bezahlt wird. Aber diese Leute werden am Schluss ihrer Ausbildung
absolut nichts können und werden nirgends einen Job finden, wie sie unfähig
sein werden einen Laptop aufzumachen!!! Wir hingegen haben Solarstrom,
geeignete Räume, Laptops und Nähmaschinen für jede Studentin, Internet und ein
Restaurant – es sind bereits schon Welten im Vergleich.

Simon erzählt von seinen Erfahrungen:

https://youtu.be/4Ky0yLuqFTc

Ich habe mir jetzt gesagt: in der Zeit in der ich hier bin coache
ich, bin ich Lehrerin für IT, Life Skills, Kommunikation und alles, was ich
kann und dann müssen sie selber weitermachen. Ich möchte, dass dies eine
Erfolgsgeschichte wird aber ich bin auch bereit zu sagen: wenn ihr das nicht
selber schafft, dann ist es vielleicht auch nicht das Richtige für euch.

Wir kriegen noch ein bisschen Hilfe von links und rechts, müssen
aber auch aufpassen, dass wir nicht über den Tisch gezogen werden von denen,
die Hilfe anbieten und danach doch nur die hohle Hand machen. Es ist ein
konstantes Abwägen, auch mal ein Reinfallen und immer wieder ein Krone richten,
aufstehen und weiter gehen.

In der Nacht bevor wir begonnen haben schlief ich kaum. Ich sah noch
so viele Probleme vor mir: Berge an ungelösten Problemen, offene Fragen,
mangelnde Unterlagen. Aber alle, die mich kennen, bzw. schon Kurse bei mir
besucht haben wissen: die müssen einfach „perfekt“ sein und das ist hier
schlichtweg gar nicht möglich. Nur schon die klimatischen Bedingungen: ab und
zu steigt der Strom aus und wir müssen auf Solar stellen (immerhin haben wir
Solar!!!), während des Unterrichts im Raum ohne Fenster und Türen hörst du
plötzlich die Kühe brüllen, weil sie zur Tränke kommen, dauernd fliegen riesige
Krähen rum und machen dermassen Lärm, dass man sein eigenes Wort nicht mehr
versteht und die Hitze, die killt mich fast. Wenn ich nach 10 Minuten Schule
geben schon tropfe und mir die Kleider nur so am Leib kleben, dann ist es
einfach ein ganz spezieller Effort, der zur nomalen Arbeit noch dazu kommt.
Quasi „physical hardship“!!!

Aber – ich glaube es kaum – wir haben die erste Woche hinter uns.
Alle Lehrer hatten wunderschöne Polo-Shirts gekriegt (meines wurde von der
Nählehrerin in der Nacht vom Sonntag auf den Montag noch mit „Extensions“
versehen, weil meine Figur sich einfach nicht für T-Shirts eignet…), wir waren
am ersten Tag alle da für die Einführung und die Schülerinnen und Schüler waren
alle überpünktlich bis pünktlich – das ist für Kenia eine echte Leistung. Wir
haben die Schweizer Kuhglocke geläutet und alle kamen immer wieder pünktlich
nach der Pause retour.

Sie dürfen hier alle das gereinigte Wasser geniessen aber Essen
müssen sie zuhause oder von zuhause bringen. Sobald wir jemand haben, der das
Restaurant führt werden sie auch hier das Essen kaufen können. Aber wir bieten
jetzt zuerst mal allen Studenten, egal ob sie später Elektriker, Schneider, IT
Fachleute oder Beauty Therapists (für diese 4 Richtungen haben wir
Einschreibungen gekriegt) werden wollen eine Einführung in Computer. Wir sind
der Meinung, dass sie sich damit abheben können von der Konkurrenz und unser
Ziel ist es, dass die Menschen selbstständig bzw. self-reliant werden nach der
Ausbildung. Sie sollen selber ein Geschäft beginnen können und so ihre
Lebensbedingungen aufwerten.

Da ich ja auch eine PC Supporterin bin gebe ich zusammen mit Neema
die Einführung in Computer und coache gleichzeitig Neema, die eine so feine
Stimme hat, dass sie nicht bis hinten im Raum gehört werden kann. Somit habe
ich da gewissermassen eine Doppelrolle. Ich helfe den Lehrern, ihre Lektionen
aufzubereiten, denn das System hier ist einiges anders als wir das kennen oder
ich mir das vorstelle:

Alle sind hier mit einem Block und einem Kugelschreiber und
schreiben Wort für Wort auf, was der Lehrer sagt: Simon sagt also z.B. A computer is an electronic device that manipulates information,
or data. Das sagt er so, weil er es auch so gelernt hat. Und je nach
Wissensstand liest er es auch genau so von seinen Notizen ab und kann es auch
nicht weiter erläutern. Dann wiederholt er es oder schreibt es an die Wandtafel
(die ihren Namen auch nicht wirklich verdient, weil sie ein Holperbrett ist mit
schwarzer Farbe und man die Kreide darauf kaum sieht…). Sie fragen nochmal nach
bis jede und jeder es genau so aufgeschrieben hat. Dann fragt er nach: A
computer is a device that??? und die Schüler müssen wiederholen: „manipulates
information, or data“. Was aber ein Device ist oder was Data ist – na ja, das
bleibt dann offen. Jetzt könnt ihr euch vorstellen, wie sehr das Konzept von
RAM oder ROM einsinkt. Aber ich kann jetzt nicht das System vollkommen ändern –
ich werde da meinen Einfluss Schritt für Schritt einbringen.

Ich zeige ihnen also auch, dass sie
Kurzfilme aus dem Internet zeigen können, dass sie Fotos aus dem Internet
runterladen können und mit dem Beamer auf der Grossleinwand zeigen können. Aha,
stimmt, das wäre auch noch eine gute Idee!!! Am 4. Tag schaffen sie es auf
jeden Fall schon, ihren Namen, ihre Telefonnummer und ihre ID im Laptop in ein
Dokument zu schreiben und es auf dem Desktop abzuspeichern. Erfolgserlebnis
pur!!!

Wir machen in der ersten Woche
sogar schon einen kleinen Test über die ersten Lektionen und ich bin
überrascht, wie toll sie schon Antworten geben. Ich habe aber mindestens die Fragen
auch auf Swahili übersetzt für alle, die der englischen Sprache nicht wirklich
mächtig sind. Die coolste Antwort auf die Frage: What is a hardcopy war ja dann
wirklich: A copy that is very hard. Ja gut, ich habe ihnen ja gesagt, sie
sollen keine Antwort auslassen, denn das könnte ja noch Punkte geben.

Am Freitag sind jeweils „Life
Skills“ angesagt und am Donnerstag wissen wir noch nicht, was wir dann sagen
sollen und so biete ich an, dass ich einen Input über die Schweiz, das
Bildungssystem etc. machen werde. Ok, das muss ich jetzt noch vorbereiten, denn
ich bin ja ganz schlecht in Geschichte und auch über die Regierung kann man
mich jetzt nicht im Detail abfragen. Aber nach unserer Pro Ganze Sitzung um
11.00 Uhr nachts mache ich die Präsentation noch bereit. Ich habe einiges
vorbereitet über unser Land, die Exporte, die Tiere, den Sport, das Wetter und
ich habe auch vorgerechnet, was ein Durchschnittsschweizer verdient und dass
halt am Ende nicht viel Geld übrig bleibt und dass wir unsere Sicherheit und
unsere Gesundheit irgendwie auch mit Geld „kaufen“ – dafür sind wir das 3.
glücklichste Land in der Welt (Kenia ist auf Platz 83) und doch sind die Leute
manchmal so saumässig unglücklich und motzen was das Zeugs hält… Aber es war
doch auch gut, damit sie sehen: nicht jeder Muzungu, der ihnen begegnet ist
einfach reich…

Das wird natürlich der beste Tag
der Woche: für mich und für die Schüler und somit erkläre ich auch zu Beginn
was TGIF (thank God it’s Friday) heisst. Sie sind froh, müssen sie nicht über
Kabel lernen (shielded and unshielded Twisted Pair…) und ich kann aus dem
Vollen schöpfen. Ich habe sie gebeten Fragen mitzubringen und davon haben sie
eine ganze Menge: wie ist das Bildungssystem, das Government, was essen und
trinken die Schweizer, wie verheiratet man sich, wie wird man begraben etc.
etc. Dinge des Lebens halt. Ich habe in der Nacht noch die Idee, dass ich eine
Zoom Session mit Olivia und Onkel Peter schalten könnte. Onkel Peter ist Rentner
und daher ausgebucht aber Olivia bietet an, da mitzumachen. Um 13.00 Uhr
kenianischer Zeit machen wir diese Zoom Session und die wird ein voller Erfolg,
ja gewissermassen das Highlight der ganzen Woche. 

Hier ein Teil des Interviews mit Olivia über Zoom:

https://youtu.be/H_5FYL9KCZQ

Sie fragen sie dann gleich
direkt, wie sie ihren Mann kennengelernt hat und sind erstaunt, dass die Eltern
nicht im Prozess involviert waren und dass Martin auch nichts „bezahlen“ musste
für Olivia bzw. für ihre Mitgift (eigentlich auch ein krass doofes Wort…). Ihr
Sohn Lias kommt dann auch noch auf den Bildschirm und fragt: was sind das fürigi?
Ach bin ich dankbar, so tolle Freundinnen zu haben. Ich würde übrigens auch in
den nächsten 2 Wochen gerne solche Zoom Calls machen. Wenn du gut Englisch
sprichst und irgendwann zwischen 08.00 – 12.00 Uhr etwa 20 Minuten Zeit hast an
den nächsten 2 Freitagen dann melde dich gerne bei mir!

Aber als Abschluss gibt es
natürlich noch ein 2. Highlight und das ist mein Rüeblicake. Der Magen muss
gefüllt sein und dann gehen alle sehr sehr zufrieden nachhause nach einer
ersten erfolgreichen Woche.

Und ich gehe erst mal schlafen!!!