Es geht Kenia und uns an den Kragen

Ok, ihr wisst ja: es kann nichts „einfach so“ funktionieren
hier. Ich bereite momentan alles dafür vor, dass zwei Ladies von Cheira (Swiss
Humanitarian Surgery) nach Kilifi kommen können. Cheira ist eine NGO, die
sogenannte Medical Camps durchführt. Sie bringen Ärzte in arme Länder und
machen kostenlos Operationen, bezahlen die Medikamente, die Nachbehandlungen.
Eine wahnsinnig tolle Sache. Ihr könnt auf ihrer Website www.cheira.org mehr
darüber erfahren.

Ich habe schon darüber berichtet, wie ich da mal einen
Reko-Besuch im Kilifi Spital gemacht habe vor einem Jahr. Nachdem die Länder Burkina
Faso und Mali zu gefährlich geworden sind (krass, wenn sogar Helfer angegriffen
werden…) suchen sie ein Land, das mehr Sicherheit bietet und durch liebe
ex-Arbeitskolleginnen sind sie auf Pro Ganze gestossen. Es ist jetzt schon ein
Jahr her und mit Corona hat sich alles leider verzögert. Aber Astrid
Bergundthal, die im Vorstand ist, hat sich jetzt entschieden eine Reko-Reise
nach Kenia zu machen, zusammen mit einer Ärztin aus Österreich um dann im
Oktober definitiv mit dem Team anzureisen. Wir haben alles aufgegleist und
Astrid und ich haben geplant eine kleine 3-tägige Safari zu machen, da wir
beide Safari-Fans sind.

Alle Abklärungen sind getroffen, die Hotels reserviert, mein
Koffer sogar schon gepackt und Astrid hat sich bereit erklärt, ein paar Goodies
aus der Schweiz wie Kaffeebohnen aus dem Tchibo, 2 Bodenwischer (die es hier
nicht gibt) und anderes mitzubringen. Die Leute vor Ort sind informiert, die
Reise gebucht, der PCR Test angemeldet, das Online Visum und das spezielle
Formular ausgefüllt ouff… unglaublich, was es momentan braucht.

Meine Vorfreude steigt, denn wenn man schon vor einem Jahr
Abklärungen getroffen hat ist es cool, wenn es auch realisiert wird!

Da sitzen wir vorgestern gemütlich im Restaurant Baobab in
Malindi (das Auto musste wieder mal in die Reparatur) und haben spannende
Diskussionen mit dem Besitzer, der den Noch-Präsidenten Uhuru Kenyatta gut
kennt und da kommt plötzlich eine Nachricht aus der Schweiz. Eine Schweizer
Tourismus-Freundin schickt mir den Artikel mit dem Titel JETZT GEHT ES
OSTAFRIKA AN DEN TOURISTISCHEN KRAGEN. 

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https://www.travelnews.ch/destinationen/18464-jetzt-geht-es-ostafrika-an-den-touristischen-kragen.html 

Holy shit… ab sofort (8. März) muss man –
wenn man aus der Schweiz nach Kenia kommt – 14 Tage in Quarantäne in Kenia! Und
die beiden Frauen kommen ja nur für 7 Tage!!!
Oh nein, mir weichen die Knie. Was kann jetzt gemacht werden, was heisst
das „in Quarantäne gehen“? Muss man da in ein Spital? Kann man im Hotel bleiben
und dann auch mal ausbüxen? Kommt man überhaupt rein ins Land? Fragen über
Fragen, mein feines Chicken in Coconut Sauce liegt mir grad etwas schwer auf
und ich bin hin- und hergerissen: soll ich Astrid anrufen oder schiebt sie dann
Panik? Soll ich mit ihr WhatsAppen oder soll ich noch ein paar Abklärungen
machen? Da sie mir schreibt, sie hätte noch 1000 Sachen zu erledigen entscheide
ich mich, zuerst Peter  zu fragen. Der
sagt: jetzt bleib doch ruhig, das ist doch kein Problem. WAS, KEIN PROBLEM? Nach
all den Vorbereitungen, dem gebuchten Flug, der Vorfreude auf die Safari etc.
etc. ich krieg die Krise… Ich entscheide mich mal so eine Liste mit Quarantäneorten
anzufordern (habe nach 3 Tagen noch keine Antwort darauf) und nerve mich jetzt
grad auch über die Antwort meinens ehemaligen Arbeitskollegen Claudio Nauli,
der meint: sie hätten eh alle Flüge nach Kenia bis Mai suspendiert. Ja aber
nicht die von Astrid und der Ärztin – himmelnomoll!!!

Der Gesundheitsminister bietet an, dass er einen Brief an
die Immigration schreiben kann und ich fange an, meine Nerven zu beruhigen… Ich
glaube, ich gehe alleine auf Safari, ja und sie wollte doch noch Bündnerfleisch
bringen – das wäre megafein etc. etc. die Gedanken in meinem Kopf beruhigen
sich nicht aber ich stelle mir schon vor, dass wir mit dem Brief des Ministers
klar kommen sollten. Ich WhatsApple dann aber doch noch mit Astrid, denn ich
will auch nicht, das sie von jemand anderem von dieser neuen Restriktion
erfährt. Ihre Schwester hat ja auch lange im Tourismus gearbeitet…

So wir telefonieren und sie kriegt auch einen Schock, denn
alles ist gebucht, sie hat sogar einen Impfausweis und kann es nicht begreifen,
weil ja die Corona-Zahlen jetzt besser sind.

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Ich überlege mal kurz warum wir zusammen mit diesen anderen
Ländern auf der Liste sind. Wie kommt so etwas zustande? Und Frankreich,
Italien, Österreich, Deutschland und sogar Liechtenstein!!! sind nicht auf dieser
Liste. Dafür Kuwait und Brunei. Jo Gopferteckel nonemol. Ich muss ein paar
Schweizer Flüche loswerden. Kann das einen politischen Hintergrund haben? Die
Schweizer Touristen hat man sonst sehr gerne in diesem Land.

So zwischen Excel und PowerPoint lehren schiebe ich Daten
zwischen Astrid und dem Minister hin und her und hoffe, dass bald eine
Entwarnung kommt. Mindestens einen sehr offiziellen Brief haben wir gekriegt.
Der Safari Anbieter ist bis Samstag Abend auf Standby (bis Astrid sicher in
Mombasa angekommen ist und nicht in Quarantäne muss) und somit hat mein Mann
recht behalten: jetzt reg dich doch nicht auf wegen so etwas Kleinem – wir sind
in Kenia – es gibt immer eine Lösung.

Die beiden Ladies reisen auf jeden Fall und wir hoffen das Beste (vielleicht hat die Einwanderungsbehörde ja auch ein Gnusch…)

Einatmen – ausatmen – heute Abend ist Registerprobe mit den
sinGALLinas angesagt. Hoffentlich holt mich das wieder runter… Fortsetzung
folgt…