Jan 02, 2021: Not the same procedure as every year

Ich war ja mal gespannt, was mein Göttergatte wieder auf
Lager hat für den Sylvester. Erwartet habe ich nicht viel aber die Ankündigung
kam noch im alten Jahr: am 1. Januar wird eine andere Gruppe auftreten. Die
machen mehr so ding di ding di ding…. ohne Trommeln. Sie waren etwas
eifersüchtig, dass die Namba an Weihnachten bei uns auftreten durften und
wollten jetzt unbedingt auch zeigen, was sie können. Mein erster Gedanke: au
nein, nicht schon wieder so ein Riesenlärm und so viele Leute. Mein zweiter
Gedanke – ok, es wird sicher auch wieder Spass machen und solange ich nicht
kochen muss für diese Menschen ist es ganz ok.

Aber zuerst war da noch die Sylvesternacht. Es sah ganz
danach aus, dass wir die im gemütlichen Stil verbringen können. Das war mir
ganz recht. Einzig mit dem Essen, da konnte ich mich nicht durchsetzen. Es war
jetzt nur Mbuche da von den Angestellten. Moses hatten wir nachhause geschickt.
Verrückt – aber er wollte nicht nachhause, obwohl er 7 Goofen hat (kein
Fluchwort in der Ostschweiz). Schon klar, dort kriegt er weder viel zu essen
noch gratis Mnazi. Wir mussten ihn schon fast pushen. Mir macht es das Leben
einfacher, denn er ist ein schnäderfrässiger Esser und somit kann ich nie
selber kochen, weil er ganz bestimmt die Nase rümpft. Aber ich würde halt auch
wieder mal gerne ein Thai Curry oder einen Kartoffelsalat oder irgendetwas
Knackiges machen. Aber heute kann ich mich wohl nicht durchsetzen. Samuel der
Koch ist wieder hier und hat auch seinen Lehrer mitgebracht damit wir noch
einmal eine Back-Challenge machen können. Das Ziel ist ja, am 1. Januar
Kuchenproben zu verteilen, damit wir den Verkauf von Kuchen ankurbeln können
(ich habe im letzten Blog ausführlicher darüber berichtet). Und dann kommt noch
hoher Besuch. 

Einer, der momentan in der lokalen Regierung arbeitet will MP
(Member of Parliament) werden in der Kauma Constituency in 2022. Er kommt zu
Peter, damit sie diverse Strategien besprechen können und zusammen Sache machen
können, denn Peter will ja auf dem tieferen Niveau als MCA (Member of County
Assembly – quasi Gemeindepräsident) kandidieren. Ich stelle mein Büro zur
Verfügung und mache ihnen eine Traktandenliste. Diese 13 Punkte besprechen sie
dann mit viel Whisky und das dauert und dauert und dauert. Am Schluss gibt es
ein recht grosses Menü und die hohen Gäste dürfen auch meine Kuchen durchtesten. 

Ja da habe ich mir wohl einige neue Freunde geschaffen… Danach hatten wir
natürlich keine Lust mehr auf ein üppiges Nachtessen. Ich tischte uns dann
einfach noch die feinen Feta-Käsli auf, die ich in Malindi ergattert hatte.
Mmmhhh habe ich das genossen!

Weil ich schon letztes Jahr Dinner for One gezeigt habe und
der Humor voll funktioniert hat mache ich das auch wieder. Wir installieren
jetzt nämlich sowieso jeden Abend um 19.00 Uhr den Beamer und den Laptop und
zeigen die News für alle, die interessiert sind. Meistens ist es nur ein ganz
kleines Grüppchen aber heute kommen schon ein paar zusammen.

 Und es
funktioniert like every year: sie müssen so lachen über die Gags und mir geht
es ja auch so: gefühlte 50 Jahre schaue ich mir das an und gröhle immer noch!
Weil Mbuche zu spät dazu kommt schauen wir es gleich nochmals an und sie kriegt
dann alles erklärt, weil sie halt die Einführung verpasst hat. Ist das nicht
herrlich: ein universeller Humor. Ich liebe es! Nachher machen wir für uns ganz
schön laute Disco und tanzen und trinken und WhatsApplen mit der halben Welt
und mit ein paar ganz überraschenden Anruferinnen und warten um Mitternacht auf
den Countdown mit einem gar nicht üblen kühlen Prosecco! Wir verbessern uns
tatsächlich Jahr für Jahr!

Allzu spät geht es nicht ins Bett, denn für die
angekündigten Truppen morgen muss ich schon fit sein.

Ich ziehe dann also auch mein Kishutu-Kleid an (spezieller
Stoff der Mijikendas) und harre der Dinge. 

Es kommen schon recht viele Leute
und so um 14.00 Uhr beginnen sie dann zu „tunen“. Also diese Gruppe ist nicht
sofort einsatzbereit. Sie müssen sich einsingen und in die richtige Stimmung
kommen. Sie tragen fast alle die kenianische Flagge und weil sie sich wahrscheinlich diese Pferdeschwanzwedel nicht leisten können haben sie Putzwedel als Ersatz.

 Sehr witzig und farbenfroh. Ich vertreibe mir die Zeit mal mit Instrumente fotografieren und
nachfragen, aus welchem Material sie gemacht sind aber das Einstimmen dauert
wohl wirklich länger. Nach 1 ½ Stunden sind sie so weit um anzufangen.
Inzwischen sind schon die Namba von Weihnachten wieder eingetroffen. Auch sie
wollten nochmals ein Stelldichein geben. Diese Gruppe heisst Mahoza, was so
viel wie ausgelöschtes Feuer heisst (habe ich mir sagen lassen, aber vielleicht
ist auch etwas in der Übersetzung verloren gegangen). Also den Sound finde ich
noch ganz gut mit dieser Art von Xylophon aber der Metallring ist dann schon
eher streng für die Ohren. 

https://youtu.be/QC1cQ4Qfp5E – -so klingen sie…

Und der Chef der Truppe ist ein aufgeblasener Gockel
– oder man könnte ihn auch Chotzbrocken nennen. 

https://youtu.be/6rttJGyZ57k 

Als Peter ihm dann noch das
Megafon bringt ist es mit der sonntäglichen Ruhe definitiv vorbei.
Ohrenbetäubend ist wohl die richtige Bezeichnung. Der erste Song dauert etwa
einen halbe Stunde und handelt zwar vom Lobpreis von Peter Shehe aber trotzdem
können sie mich nicht wirklich überzeugen.

Ich bin grad froh, dass die Namba nochmals kommen und sie
geben heute alles – bestimmt angestachelt durch die Konkurrenz aber auch durch
die 100 l Mnazi (Palmwein), die Peter gekauft hat. 1 l Mnazi kostet zum Glück
nur 80 Rappen… also kein Wunder kommen die nochmals vorbei, denn wo gibt es
sonst gratis zu essen und zu trinken? Sie haben teilweise noch aufgerüstet: der
Master of Ceremony hat eine Art „Maske“ – wie er es nennt – montiert: es ist
quasi ein Fake Bart und er bringt alle zum Lachen. 

Alle tanzen mit und sind
fast in Trance, aber das passiert bei diesem Rhythmus auch – sogar der Kuhhirte
ist wieder ganz ausser sich. 

https://youtu.be/zB5fLUPWRX0 – Peter in Action.

https://youtu.be/BcTyR-CO8yg – auch das Baby tanzt

Und Peter verteilt wieder seine Shots. Dieses Mal
allerdings nicht seinen Ballantine sondern den gruusigen Vodka, den wir erhalten
haben und lieber nicht selber trinken möchten. Das heisst, ich wollte mal
wieder einen Screwdriver versuchen, das habe ich vor x Jahren mal gemocht:
Vodka mit Orangensaft (mit Cranberry mag ich ihn sogar ganz gerne…) aber
anstelle von Orangensaft bringt mir der Piki-Piki Fahrer so ein süsses
Orangengesöff mit aus Kilifi und das kriege ich dann bestimmt nicht runter…
Also gut, wenn die Ware weg kommt! Die Kids kriegen wieder ihre Perimende
(Süssigkeiten) und stehen dafür brav in Einerkolonne an. 

Heute hat es mich auch
gepackt und ich tanze fröhlich mit, was mir wieder fast Heiligenstatus bringt.
Es wird hier geschätzt, dass ich mich nicht ziere, dass ich dasselbe esse wie
sie (vielleicht habe ich heute ein paar Stückchen mehr Fleisch abgekriegt…) und
dass ich auch mittanze und mitsinge. 

Das wird wieder mit Vuvuzela-Gedröhn begleitet:

https://youtu.be/BtWsC8DWYlk

Als ich dann noch die Kuchenstückchen
verteile werde ich definitiv mit Lobgesang und lauten „ririririririri“
eingedeckt. Wir haben die „Dracula-Torte“ verteilt und die anderen, hübscheren
Cakes die verkaufen wir. Und zwar nicht wie Kuchen sondern wie warme Weggli!!! 

Viele haben plötzlich 100 bis 150 Schilling (CHF 1 – 1.50) und kleine Kinder
kommen mit 20 Rappen und wollen ein Stückchen kaufen. Ich glaube, das wird
unser neues Geschäft! Es funktioniert irgendwie auf der ganzen Welt: für etwas
Spezielles hat man auch irgendwo noch eine Reserve, wenn man sonst kaum etwas
hat. Mir macht es Spass, dass die Kreationen von Samuel so gut ankommen und als
die Musik und die Tänze dann vorbei sind gehe ich auch ganz happy ins Neue Jahr!
Komme was wolle – ich bin bereit dafür.